Sabine Habicht steht vor ihrem Restaurant in Dernau, das nicht überflutet war und wieder geöffnet ist. (Foto: SWR)

Sabine Habicht wünscht sich mehr Unterstützung

Gastronomin aus Dernau: "Nach der Flut fehlen die Touristen"

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AUTOR/IN
Leonie Maderstein

Normalerweise ist das Ahrtal im Herbst bei Touristen beliebt, doch seit der Flut fehlen sie. Das macht Gastronomen und Hoteliers, die selbst nicht direkt betroffen waren, zusätzliche Probleme.

Es ist ruhig im Restaurant "Hofgarten" in Dernau. Viel zu ruhig für einen Tag in der Hochsaison im Herbst. Seit dem 10. September haben Sabine Habicht und ihr Mann Hartwig Näkel ihr Restaurant wieder geöffnet. Die beiden hatten Glück, ihr Restaurant war nicht direkt von der Flut und den Wassermassen betroffen.

Im Moment bleiben die Tische im Innenhof des Restaurants "Hofgarten" oft leer, weil seit der Flut an der Ahr die Touristen wegbleiben.  (Foto: SWR)
Im Moment bleiben die Tische im Innenhof des Restaurants "Hofgarten" oft leer, weil seit der Flut an der Ahr die Touristen wegbleiben.

Doch obwohl wieder die ersten Touristen zu ihnen kommen, machen sich Sabine Habicht und ihr Mann trotzdem Sorgen um die Zukunft. Der August, der September und der Oktober - das sind die Monate, die für das Gastronomen-Paar aus Dernau besonders wichtig und arbeitsintensiv sind, aber auch viel einbringen.

Umsatzstarke Spätsommer- und Herbstmonate fehlen

Normalerweise sind dann unter der Woche bei ihnen fünf, sechs Mitarbeiter im Service beschäftigt, doch momentan kümmert sich Sabine Habicht dann alleine um die wenigen Gäste. Nur am Wochenende hat sie Unterstützung durch zusätzliches Personal. Die fehlenden Touristen machen den Gastronomen aus Dernau zu schaffen, aber auch die mangelnde finanzielle Unterstützung. Weil ihr Betrieb nicht überflutet wurde, haben sie keinen unmittelbaren Anspruch auf finanzielle Hilfen.

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Das Problem kennt auch Gereon Haumann, der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland-Pfalz (Dehoga). Inzwischen ist nach seinen Angaben zwar in bestimmten Fällen die Corona-Überbrückungshilfe III Plus auch für solche Gastronomen und Hoteliers geöffnet worden, die nur indirekt von der Flut betroffen sind. Doch das reiche bei weitem noch nicht, sagt Haumann.

"Es gibt für indirekt betroffene Betriebe eine Förderlücke, die geschlossen werden muss."

Im Ahrtal gibt es zudem bereits wieder erste Aktionen, um Touristen in die Gegenden zu holen, die nicht unmittelbar von der Flut betroffen sind. An den Oktoberwochenenden organisiert etwa der Verkehrsverein Dernau zusammen mit den Gemeinden Mayschoß und Rech unter dem Motto "Wandern für den Wiederaufbau" Winzer-Stände entlang des Rotweinwanderweges. So wolle man den Menschen auch die Angst nehmen, bei einem Besuch im Ahrtal als "Katastrophen-Touristen" zu gelten, sagt Igrid Näkel-Surges, die Vorsitzende des Verkehrsvereins Dernau.

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Diesen Ansatz findet auch die Gastronomin Sabine Habicht gut. In jedem Dorf im Ahrtal gebe es schließlich Betriebe, die nicht direkt von der Flut betroffen seien, etwa Metzger, Friseure oder Bäckereien. Wenn sie alle keine Kunden mehr hätten, sei auch niemandem geholfen: "Wir starten doch nicht neu, indem wir das, was übrig geblieben ist, kaputtgehen lassen."

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Leonie Maderstein