Kirsten Halbwax aus Zweibrücken hat ihren siebenjährigen Sohn verloren. (Foto: SWR)

Nach dem Tod ihres Sohnes

Mutter aus Zweibrücken will verwaisten Eltern helfen

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Verena Lörsch

Kurz nach der Einschulung wird bei Max ein Hirntumor diagnostiziert. Im nächsten Jahr verliert Kirsten Halbwax ihren siebenjährigen Sohn. Mit ihrer Trauer war sie zunächst allein.

Als sie den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, verfluchte Kirsten Halbwax Gott. Gerade erst hatte die Zweibrückerin von dem Gehirntumor ihres Sohnes Max erfahren, und davon, dass er es wohl nicht schaffen wird. "Wie kann das sein? Ein Kind stirbt, und du kriegst ein neues?" Mit der großen Bandbreite an Emotionen, die die Trauer mit sich brachte, war Halbwax lange Zeit allein. Nun tut sie alles dafür, anderen verwaisten Eltern zu helfen.

Sohn der Zweibrückerin hatte aggressiven Tumor

Erst im August 2020 hatte Kirsten Halbwax, Mutter von vier Kindern, Max zur Einschulung begleitet. Doch in den nächsten Wochen musste sie ihren Sohn immer wieder von der Schule abholen, bis er eines Tages sie anschaute und sagte: "Mama, ich seh' dich doppelt." Nach den ersten Untersuchungen wurde bei Max ATRT – ein seltener, sehr aggressiv wachsender Tumor diagnostiziert. Die Diagnose und die Behandlungen des Siebenjährigen stellte das Leben von Kirsten Halbwax und ihrer Familie auf den Kopf.

Dann erfuhr die Zweibrückerin, dass sie wieder schwanger war. "Tatsächlich war ein Gedanke: ,Was denkt die Außenwelt von mir? Dass ich schon mal ein neues Kind mache?'" – Gedanken, die Halbwax heute nicht mehr logisch erklären kann. Viele Gespräche mit dem Klinikseelsorger halfen ihr, die Schwangerschaft für sich besser einzuordnen. "Er empfahl mir: ,Sehen Sie es doch so: Max schickt Ihnen einen Engel'". Ein Bild, dass der Schwangeren Halt gab. "Das passte zu Max. Er war immer voller Liebe." So konnte sie sich trotzdem auf das Baby freuen. Max - zu jener Zeit meist im Krankenhaus – hätte sich auch "tierisch" auf seine kleine Schwester gefreut.

Wenn dein Kind stirbt: Max erlebt Geburt seiner Schwester nicht mehr

Kennenlernen durfte er sie nicht. Rund vier Wochen vor der Geburt starb der Siebenjährige. Und für seine Mutter begann eine Zeit, die sie nur schwer in Worte fassen kann. Mit der Trauer über den Tod von Angehörigen hätte sie bereits Erfahrung gehabt, "aber das eigene Kind zu Grabe zu tragen, das kann man nicht beschreiben." Emotionen wie Trauer oder Wut wechselten sich ab mit Schuldgefühlen. "Hätte ich früher erkennen müssen, dass es ihm schlecht ging?"

Die 42-Jährige sehnte sich in dieser Zeit nach einem Gespräch mit anderen Betroffenen, die sich oft als verwaiste Eltern bezeichnen. "Es gibt auch mal Tage, an denen es besser geht. Aber die Trauer, die kommt. Die schlägt immer wieder zurück." Doch auf einen Platz in einer Selbsthilfegruppe musste Kirsten Halbwax ganze 14 Monate warten.

Mutter aus Zweibrücken schreibt Briefe und Bücher

Sie suchte sich andere Wege, ihre Trauer zu verarbeiten. "Nach seinem Tod habe ich angefangen, immer freitags einen Brief an Max zu schreiben. Ein paar Wochen später habe ich die dann auf Instagram veröffentlicht", schildert Halbwax, die früher als Pflegerin, dann als Autorin von Fantasyromanen arbeitete, unter dem Alias "Audrey Night".

Über ihren Autorinnen-Kanal sowie den Kanal "Trauer Tod und Liebe" trat die Zweibrückerin in Kontakt mit anderen verwaisten Eltern. Sofort spürte sie das Gefühl großer Verbundenheit. "Die verstehen dich, da muss man den Satz nicht mal beenden. Die fühlen, wie du fühlst." Besonders engen Kontakt baute sie mit Gaby Becker auf. Auch sie hat ihren Sohn verloren, auch sein Name war Max.

Verwaiste Eltern unterstützen: Ausbildung zur Tauerbegleiterin

"Mein Sohn ist mit 18 Jahren bei einem nicht selbst verschuldeten Unfall ums Leben gekommen, dessen Ursache bis heute noch unklar ist", sagt Becker. Weil der Tod ihres Sohnes schon zweieinhalb Jahre zurückliegt, konnte sie Kirsten Halbwax viele Ratschläge geben und ganz praktische Fragen beantworten. "Es ist so wichtig, aufgeklärt zu werden, zu wissen, worauf man Anspruch hat oder wo man sich Hilfe holen kann", sagt Halbwax. Um anderen betroffenen Eltern zeitnah nach dem Tod eines Kindes zu helfen, lässt sich die 42-Jährige nun zur Trauerbegleiterin ausbilden. "Gerade für verwaiste Eltern ist es wichtig, dass sofort jemand da ist."

Oft kann das Umfeld nicht mit verwaisten Eltern umgehen

Wie viele andere Betroffene machten auch Gaby Becker und Kirsten Halbwax die Erfahrung, dass einige Menschen in ihrem Umfeld nicht mit trauernden Müttern umgehen können. Viele Menschen könnten nicht verstehen, dass die Trauer um das eigene Kind nicht nach ein paar Monaten oder dem ersten Jahr vergangen ist. Sprüche wie "Jetzt muss es doch mal wieder bergauf gehen" oder "Du hast doch noch andere Kinder" führten dazu, dass sie mit manchen den Kontakt abbrachen.

Im Umgang mit der Trauer tun Halbwax kreative Aufgaben, wie das Basteln von Engeln oder das Gestalten von Kerzen, gut. Sie steuerte auch ein Kapitel für ein Kindermutmach-Buch bei, dessen Einnahmen an die Kinderkrebsforschung Hamburg gespendet werden. Halbwax kann sich aktuell nicht vorstellen, ihre Geschichte autobiografisch aufzuschreiben.

Kirsten Halbwax aus Zweibrücken schreibt über die Trauer. Sie verlor ihren siebenjährigen Sohn. (Foto: SWR)
Kirsten Halbwax aus Zweibrücken schreibt über die Trauer - auch in einem gemeinnützigem Buch.

Frau aus Zweibrücken bei Buchprojekt dabei

Und doch greift sie in ihrem aktuellen Buchprojekt die Perspektive einer trauernden Mutter auf. In "Wenn die Sterne flüstern" gehe es um eine Mutter, die ihre Tochter bei einem Autounfall verliert. "Sie muss auch zusehen, wie sie wieder am Leben teilnehmen kann", so Kirsten Halbwax.

"Es ist so wichtig, dass man sich nicht verliert - das ist leicht gesagt, aber man muss irgendwie weitermachen. Es geht gar nicht anders."

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