Eine Flüchtlingsfamilie wartet samt Gepäck in einer Aufnahmeeinrichtung. (Foto: IMAGO, IMAGO / Rolf Zöllner)

Kommunen suchen händeringend Wohnungen

Nicht genügend Wohnungen für Flüchtlinge im Westen der Pfalz

Stand

Die Kommunen in der Westpfalz suchen händeringend nach Wohnraum für Geflüchtete. Der ist aber überall Mangelware. Das zeigt eine Umfrage unter den Kreisen und Städten in der Region.

Vergangenen Monat hatte das Land die Kommunen informiert, dass sie in den kommenden Wochen deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen als das bisher der Fall war. Das Land hatte den Kommunen geraten, Wohncontainer bereitzustellen. Das hatten die von uns angefragten Kommunen in der Westpfalz allerdings als "allerletzte Notlösung" eingestuft. Genügend Wohnungen für die gestiegene Zahl der Geflüchteten zu finden, wird für die Kommunen aber zunehmend zu einem Problem.

Südwestpfalz bei Flüchtlingsunterbringung am Limit

Schon im Sommer haben fünf von sieben Verbandsgemeinden im Kreis Südwestpfalz Alarm geschlagen, weil ihre Aufnahmekapazitäten völlig ausgeschöpft waren. Deshalb unterstützt jetzt die Kreisverwaltung die Verbandsgemeinden bei der Suche nach geeigneten Wohnungen für Flüchtlinge.

Mehr Zeit für Kommunen bei Wohnungssuche Neuer Rekordwert bei Flüchtlingszahlen in RLP

In Rheinland-Pfalz ist ein neuer Rekordwert bei der Zahl der ankommenden Flüchtlinge pro Woche registriert worden. Um die Kommunen zu entlasten, bleiben viele von ihnen zunächst in den Erstaufnahmen.

Suche nach Wohnraum für Geflüchtete gestaltet sich schwierig

Eine Mitarbeiterin vom Kreis Südwestpfalz schaut jetzt mit den Verbandsgemeinden Wohnungsannoncen durch – auf der Suche nach größeren Häusern oder Wohnungen, in denen Geflüchtete untergebracht werden können. Die Suche nach Wohnraum gestaltet sich aber sehr schwierig, sagt ein Kreissprecher. Die Bereitschaft von Vermietern, Geflüchtete bei sich wohnen zu lassen, sei in den vergangenen Jahren stark gesunken. Viele der Wohnungen, die angeboten werden, seien zu teuer – oder aber in einem miserablen Zustand. In der Südwestpfalz leben aktuell rund 1.750 Geflüchtete, davon mehr als 700 aus der Ukraine.

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Zu wenig Wohnungen für Flüchtlinge auch in Zweibrücken und Pirmasens

Auch die Städte Zweibrücken und Pirmasens stoßen bei der Unterbringung von Flüchtlingen nach eigenen Angaben "längst an ihre Grenzen". In Zweibrücken sei die Lage sehr angespannt, berichtet ein Sprecher der Stadt. Zum einen seien die Wohnungen knapp, zum anderen die Mitarbeiter von Ämtern durch die Mehrarbeit stark belastet. Der Großteil der gut 500 in der Stadt lebenden Flüchtlinge aus der Ukraine sei privat untergebracht. Hinzu kämen noch mehr als 800 syrische Flüchtlinge, die in Zweibrücken leben.

In Pirmasens leben nach Angaben der Stadt derzeit knapp 2.000 Geflüchtete aus allen Teilen der Welt. Die aktuell größte Gruppe mit 680 Personen – fast ausschließlich Frauen, Kinder und Senioren – stammt aus der Ukraine. Es folgen 602 Schutzsuchende aus Syrien und 194 Flüchtlinge aus Afghanistan. Weil auch in Pirmasens mit den verstärkten Zuweisungen des Landes der Wohnraum knapp wird, sollen bis zum kommenden Frühjahr bisher nicht sanierte Wohnungen der Bauhilfe "in einen nutzbaren Zustand" versetzt werden, damit die Stadt dort Flüchtlinge unterbringen kann. Die Nutzung von Hallen oder Containern sei damit weiterhin nicht vorgesehen.

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Lage in Kaiserslautern etwas entspannter

Die Stadt Kaiserslautern kommt hingegen derzeit noch mit den bereits vorhandenen Unterkünften klar - dazu brauche es aber viel Flexibilität, erklärt ein Sprecher. Im ersten Halbjahr seien 154 Geflüchtete der Stadt Kaiserslautern neu zugewiesen worden. Hinzu kämen derzeit etwa 1.600 Geflüchtete aus der Ukraine. In den kommenden Monaten rechnet die Stadt mit weiter steigenden Zahlen.

Im Kreis Kaiserslautern reichen derzeit die Wohnungen zwar noch aus. Es zeichne sich aber schon ab, dass sich das zeitnah ändern wird. Deshalb prüft die Kreisverwaltung bereits, welche alternativen Möglichkeiten es zur Unterbringung der Geflüchteten gibt. Genaueres, wie diese Alternativen aussehen könnten, teilte der Kreis aber nicht mit. Derzeit leben gut 370 Flüchtlinge im Kreis Kaiserslautern.

Donnersbergkreis hält Beleghäuser für Geflüchtete vor

Auch im Donnersbergkreis kämen die Verbandsgemeinden an ihre Grenzen, sagte eine Sprecherin. Deshalb hat der Kreis extra sogenannte Beleghäuser angemietet, in denen Geflüchtete leben können. Die Verbandsgemeinden können dort freie Plätze buchen, wenn sie selbst bei der Unterbringung der Flüchtlinge an ihre Grenzen stoßen. Diese Häuser dürften aber bald voll sein und dann müssen neue gesucht werden. Wie viele Flüchtlinge im Donnersbergkreis leben, hat die Verwaltung nicht mitgeteilt.

Kreis Kusel will 100 neue Plätze schaffen

Die derzeit gut 400 Geflüchteten im Kreis Kusel sind nach Angaben der Verwaltung alle dezentral in Wohnungen oder Häusern untergebracht. Da auch hier die Verwaltung mit weiter steigenden Zahlen rechnet, sucht auch der Kreis Kusel händeringend nach weiteren Wohnungen in allen Größen. Meist erfahre man nur sehr kurzfristig, ob einzelne Personen oder komplette Familien kommen und ein Dach über dem Kopf brauchen. Deshalb versucht der Kreis für jeden Bedarf entsprechenden Wohnraum vorzuhalten. Bis zum Jahresende sollen Plätze für etwa 100 zusätzliche Menschen angemietet werden, um für die Zeit ab Januar gerüstet zu sein. Solange sollten die derzeit 48 freien Betten nämlich noch ausreichen.

Kusel

200 weitere Asylbewerber sollen in AfA kommen Erweiterung der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge: Die Menschen in Kusel sorgen sich

Die Ankündigung des Landes, in der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Windhof weitere Flüchtlinge aufzunehmen, kommt in Kusel nicht gut an. Am Montag wurde dagegen demonstriert.

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Protest gegen hohe Flüchtlingszahlen in der Stadt Kusel

Auch in der Stadt Kusel und der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes sorgt die aktuelle Flüchtlingssituation für Debatten. Zuletzt gingen hunderte Bürger auf die Straße, um gegen die ihrer Ansicht nach zu hohen Flüchtlingszahlen in der Kleinstadt zu protestieren. Nach einem ersten Treffen zwischen Politikern und anderen Verantwortlichen sollen nun Lösungen erarbeitet und eine Bürgerversammlung einberufen werden. In der Kleinstadt mit etwas weniger als 5.000 Einwohnern leben nach Angaben der zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) derzeit rund 1.000 Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung. Weitere Flüchtlinge leben verteilt auf Wohnungen in der Kuseler Innenstadt.

Kusel

Ängste der Bürger sollen ernst genommen werden Interview zur Flüchtlingssituation in Kusel: Landrat will sozialverträglichere Lösungen

Der Kuseler Landrat Otto Rubly (CDU) lädt am Montag zu einem runden Tisch in die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Kusel ein. Er will Lösungen finden.

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Kusel

Wenig Konkretes bei Treffen von Politikern Termin für Bürgerversammlung zur Flüchtlingssituation in Kusel steht fest

In Kusel haben sich am Montag Landes- und Kommunalpolitiker getroffen, um über die aktuelle Flüchtlingssituation in der Stadt zu reden. Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht.

SWR4 RP am Montag SWR4 Rheinland-Pfalz

Kaiserslautern

Flüchtlinge sollen in Wohnungen unterkommen Kommunen im Westen der Pfalz lehnen Wohncontainer für Geflüchtete ab

Das Land kündigt an, dass die Kreise und Städte wohl doppelt so viele Geflüchtete aufnehmen müssen wie bislang. Die Kommunen in der Westpfalz fürchten, an ihre Grenzen zu stoßen.

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Die Stadt Kaiserslautern benötigt zwei ihrer Flüchtlingsunterkünfte nicht mehr. Dafür ziehen bald Geflüchtete in der Vogelwoogstraße ein.

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Kusel

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17 ukrainische Frauen und Kinder mussten aus dem einstigen Hotel auf dem Potzeberg ausziehen. Die Kreisverwaltung hat Bedenken wegen des Brandschutzes und das Gebäude geräumt.

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Flüchtlinge, die nach Pirmasens kommen, werden in der Stadt schneller integriert als in anderen Kommunen. Ein Projekt, das Schule machen könnte?

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SWR