Volksbank und Sparkassen (Foto: SWR)

Inflation und private Vorsorge

Bank-Probleme für Deutsch-Amerikaner in Kaiserslautern

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Janina Schreiber
Bild von Janina Schreiber, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: Annkatrin Gentges)

Viele Banken im Westen der Pfalz verweigern Deutsch-Amerikanern, ein Wertpapier-Depot zu eröffnen. Grund dafür ist ein internationales Abkommen, kurz FATCA.

Eigentlich wollte Emily Schmitt* nur ein bisschen Vorsorge betreiben, als sie entschied, ihr Geld an der Börse anzulegen. Ob es um die private Altersvorsorge geht, oder darum, Geld zu sparen für größere Anschaffungen wie ein Auto oder ein Haus – ihr Geld zu investieren macht auch vor dem Hintergrund der steigenden Inflation für die 29-Jährige aus Kaiserslautern Sinn. Doch Schmitt stieß dabei auf Probleme. Weil Sie neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, wollte keine Bank ein Depot für sie eröffnen.

"Nachdem ich erfolglos versucht hatte, bei einer Bank online ein Depot zu eröffnen, hatte ich Hoffnung, dass es bei meiner Hausbank in Ramstein klappt", erinnert sich Schmitt. Und tatsächlich erhält die Hotelfachfrau dort ein nettes Beratungsgespräch, bis die entscheidende Frage nach "Verbindungen in die USA" kommen, die sie bejaht. Depoteröffnung abgelehnt. Bei insgesamt fünf Banken geht es Schmitt so: "Ich habe mich gefühlt wie ein Mensch zweiter Klasse."

800 Menschen in Kaiserslautern haben auch amerikanischen Pass

Allein in Kaiserslautern leben 800 Menschen, die neben dem deutschen auch einen amerikanischen Pass haben. Schmitt besitzt beide Staatsangehörigkeiten, weil sie eine deutsche Mutter hat und einen amerikanischen Vater, der in Kaiserslautern als US-Soldat stationiert war – eine Konstellation, die in der Westpfalz keine Seltenheit ist. Dennoch sind die Banken hier nicht auf diesen Umstand eingerichtet.

"Ich habe mich gefühlt wie ein Mensch zweiter Klasse."

Grund dafür ist ein internationales Abkommen zwischen den USA und Deutschland, der Foreign Account Tax Compliance Act, kurz FATCA, wie Arne von Freeden weiß. Er ist Fachanwalt für Steuerrecht und unterrichtet an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. "Jeder Mensch mit einer amerikanischen Staatsbürgerschaft ist auch in Amerika steuerpflichtig, egal, wo er sich aufhält", erklärt von Freeden.

FATCA sei ein Puzzelteil beim Vorhaben der amerikanischen Behörden, das Steuerrecht besser zu kontrollieren. In Folge des Abkommens hat sich Deutschland verpflichtet, steuerrelevante Daten von amerikanischen Staatsangehörigen an die US-Behörden zu melden. "Und das ist für Banken ein enormer Aufwand. Die verdienen dabei nichts und das Risiko, dabei etwas falsch zu machen, ist groß", sagt Anwalt von Freeden.

Banken bestätigen: Depot-Eröffnung bedeutet Aufwand

Auf Anfrage bestätigen die Banken, bei denen Schmitt vorstellig wurde, genau diesen Zusammenhang. Die ING beispielsweise schreibt: "Seit der Finanzkrise haben die USA ihr Wertpapier- und Steuerrecht deutlich verschärft. Das heißt für die Banken: neue Auflagen und Dokumentationspflichten, mehr Aufwand und steigende Kosten. Und es stellt eine erhebliche Herausforderung in Bezug auf Organisation, Compliance und Risk-Management für die betroffenen Nicht-US-Finanzinstitute dar."

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Für Emily Schmitt war die Erfahrung ernüchternd. Als Trotzreaktion habe sie tatsächlich kurz in Betracht gezogen, die amerikanische Staatsbürgerschaft niederzulegen. Doch auch das sei zum einen mit großen Hürden verbunden, zum anderen wollte sie das aus emotionalen Gründen nicht: "Ich habe zwar nie lange in den USA gelebt, aber trotzdem bin ich auch stolz darauf, eine Halb-Amerikanerin zu sein."

Volksbank Kaiserslautern: "Kaum renditestarke Alternativen"

Doch eine andere Möglichkeit, ihr Geld anzulegen, bleibt vor dem aktuellen Hintergrund nicht wirklich. Die Volksbank Kaiserslautern beispielsweise gibt an, die FATCA-Regelung betreffe zwar ausschließlich Wertpapierdienstleistungen: "Allerdings gibt es aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus aktuell kaum renditestarke Alternativen."

Fachanwalt Arne von Freeden macht wenig Hoffnung darauf, dass sich dieser Trend der Kontrolle im Steuerrecht noch einmal ändert: "Die Staaten werden die steuerliche Kontrolle weiter ausbauen, wobei sie sich untereinander absprechen.“ Das sei grundsätzlich auch nachvollziehbar.

Er erinnert dabei an Steuerbetrugsfälle der jüngsten Vergangenheit: Die Panama-Papers, in denen der Betrug einer Anwaltskanzlei dokumentiert war, die mithilfe von Briefkastenfirmen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption ermöglichte. Oder der Cum-Ex-Skandal, bei dem Banken und Großinvestoren den deutschen Staat um als 30 Milliarden Euro betrogen haben.

*Name von der Redaktion geändert

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