Hedi lebt zusammen mit 15 anderen Hunden bei Susanne Seibt auf einem ehemaligen Bauernhof.  (Foto: SWR)

Alte und kranke Tiere ohne Chance auf Vermittlung

Altenheim für Tiere in Pirmasens

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AUTOR/IN
Nadine Lindacher
Bild von Nadine Lindacher, Redakteurin im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Susanne Seibt kümmert sich auf ihrem ehemaligen Bauernhof in Pirmasens um alte und kranke Tiere. 16 Hunde hat sie aus dem Ausland adoptiert, die keine Chance auf Vermittlung gehabt hätten und wohl im Tierheim gestorben wären.

16 Hunde, sechs Pferde, sieben Esel, sieben Schafe und ein paar Hühner verbringen auf dem Hof von Susanne Seibt ihren Lebensabend. Fast ausschließlich kranke und alte Tiere, die ohne Susanne Seibt und ihren Mann keine Chance gehabt hätten.

Hunde sind Familienmitglieder

Die Hunde auf dem Hof sind Familienmitglieder, sagt Susanne Seibt. Im ganzen Haus sind Körbchen, Decken und Boxen verteilt. Feste Schlafplätze gibt es nicht, sagt sie. Jeder Hund könne schlafen wo er möchte. Und wer das Bedürfnis hat zu schmusen, der darf auch ins Bett kommen, sagt Susanne Seibt schmunzelnd.

"Wir haben hier einen Familienverband. Wir teilen alle Plätze, wir essen alle zusammen. Es ist mir wichtig, den Hunden ein Familienleben und Geborgenheit zu geben."

Gleiches gilt auch für die Pferde, Schafe und Hühner, sagt sie. Die sind allerdings in artgerechten Ställen auf dem Hof untergebracht.

Hunde kommen aus dem Ausland nach Pirmasens

Ihre 16 Hunde hat Susanne Seibt fast alle aus dem Ausland adoptiert - aus Rumänien, Italien, Portugal und Spanien. Sie kennt die Zustände, die in vielen ausländischen Tierheimen herrschen. Dort leben viele Hunde auf der Straße oder werden getötet. Susanne Seibt erklärt, jeden Hund, den sie aus dem Tierheim aus dem Ausland zu sich holt, macht wieder einen Platz für eine andere arme Seele frei, die so vielleicht die Chance auf ein Zuhause bekommt.

Frieda ist einer der alten Hunde, die bei Susanne Seibt auf dem Hof leben.  (Foto: SWR)
Frieda ist einer der alten Hunde, die bei Susanne Seibt auf dem Hof leben. Auch sie wurde aus dem Ausland adoptiert. Wegen ihres Alters, Aussehens und ihres Gesundheitszustandes hatte Frieda keine Chance auf eine Vermittlung. Sie wäre ohne die Adoption von Susanne Seibt wahrscheinlich im Tierheim gestorben.

Viele der Hunde, die sie aus dem Ausland geholt hat, sind alt und krank. Diese Hunde hatten kaum eine Chance auf eine Vermittlung. Wahrscheinlich wären sie im Tierheim gestorben.

Hunde hatten kein schönes Leben bisher

Das Zusammenleben auf dem ehemaligen Bauernhof klappt gut, sagt Susanne Seibt. Sie selbst sei immer wieder erstaunt, wie gut die großen und kleinen Hunde miteinander umgehen. Von vier Kilogramm bis 60 Kilo ist jede Größe vertreten.

Im ganzen Haus stehen Körbchen verteilt. Feste Plätze gibt es nicht. Jeder Hund kann schlafen wo er möchte.  (Foto: SWR)
Im ganzen Haus stehen Körbchen verteilt. Feste Plätze gibt es nicht. Jeder Hund kann schlafen wo er möchte.

Die Hunde hatten bisher noch kein schönes Leben. Viele ihrer Schützlinge wären zurückgelassen oder geschlagen worden oder wären halb verhungert von der Straße aufgelesen worden.

"Einer meiner Hunde wurde aus der Tötung in Rumänien rausgetragen, der war halb verhungert."

Eine ihrer Hündinnen sei dabei gewesen, als sich die vorherige Besitzerin umgebracht habe. Keiner wisse, wie lange der Hund dort ausgeharrt habe, bis sie gefunden wurde. Diese Hündin habe sich komplett zurückgezogen, sei richtig depressiv geworden.

Hunde sind dankbar für jede Kleinigkeit

Susanne Seibt sagt, dass ihre Hunde in ihren Leben bisher nicht viel Schönes hatten. Wenn sie in ihr neues Zuhause nach Pirmasens kommen, dann dauere es oft eine Zeit lang, bis die Hunde verstehen würden, dass Sie auf der Couch und im Bett willkommen seien. Dass sie jetzt nicht mehr hungern müssen und jemand reagiert, wenn sie bellen oder jaulen.

"Wenn du siehst, wie dankbar dich der Hund ansieht und seine Augen glänzen, dann weißt du, dass du alles richtig gemacht hast."

Susanne Seibt kümmert sich um 16 Hunde auf ihrem Hof. (Foto: SWR)
Susanne Seibt kümmert sich auf ihrem Hof in Pirmasens um viele alte Tiere. Die Hunde kommen fast ausschließlich aus ausländischen Tierheimen und hatten kaum eine Chance auf Vermittlung.

Tiere würden Trauer nicht verstehen

Weil Susanne Seibt nur alte und kranke Tiere bei sich auf dem Hof aufnimmt, kommt es auch immer wieder zu Momenten, in denen sie sich verabschieden muss, weil einer ihrer Hunde stirbt. Das sind sehr schlimme Momente, sagt sie. Sie versuche ihre Trauer zu verdrängen, weil die anderen Hunde ihre ganze Aufmerksamkeit bräuchten und nicht verstehen könnten, warum ihre Bezugsperson traurig sei und weine.

Ohne Spenden und Tierpatenschaften geht es nicht

Susanne Seibt und ihr Mann sind beide berufstätig, arbeiten von zu Hause aus. Die Versorgung ihrer Tiere finanzieren sie selbst, werden dabei aber unterstützt durch Spendengelder und Tierpatenschaften. Je mehr Spender und Paten sie habe, umso mehr habe sie finanziell den Rücken frei.

"Man darf nicht vergessen, die alten Esel, Pferde oder Hunde brauchen Medikamente, den Tierarzt oder den Hufschmied. Denn man will ja das Leben der Tiere lebenswert halten."

Susanne Seibt freut sich, wie sie sagt, über jeden Spender und neuen Tierpaten. Wer sie unterstützen möchte, könne telefonisch Kontakt zu ihr aufnehmen. Ohne Anmeldung vorbeizukommen, sei bei einem so vollgepackten Alltag schwierig, erklärt sie.

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