Button von "Maria 2.0" an einem Mantel (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/ dpa/ Rolf Vennenbernd)

Kirche und Gesellschaft

Katholikentag in Stuttgart: Diese Reformen fordert die Bewegung Maria 2.0

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Andreas Böhnisch
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Stefan Eich

"Leben teilen", das Motto des Katholikentags in Stuttgart. Ein Thema: Die Rolle der Frauen. Welche Reformen die Initiative Maria 2.0 fordert, sagt Koordinatorin Renate Spannig im SWR-Gespräch.

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SWR: Was treibt Sie an, weiterzumachen, dafür zu streiten, dass Frauen mehr Mitsprache in der Katholischen Kirche bekommen?

Renate Spannig, Initiative "Maria 2.0" (Foto: privat)
Renate Spannig, Initiative "Maria 2.0" privat

Renate Spannig: Für uns ist es schon als moderne Frauen 2022 sehr ernüchternd, dass wir nach wie vor nicht die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben, die uns sonst im gesellschaftlichen Leben zustehen, dass die katholische Kirche in dem Sinn die Grundrechte und die Menschenrechte nicht einhält.

"Männer-Machtsysteme" in der Kirche

Wir haben ja schon in unseren Thesenaktionen damals deutlich gemacht, dass es wirklich nicht darum gehen kann, dass einzelne Männer-Machtsysteme diese Kirche aufrechterhalten, sondern dass es ein Miteinander, eine Vielfalt braucht. Frauen sind quasi nur das Beiwerk - aber eigentlich waren Frauen diejenigen, die damals wie Maria Magdalena die Frohe Botschaft erfahren haben. Ich fühle auch wirklich so eine Verpflichtung, dass ich diese Frohe Botschaft der Nächstenliebe auch weitergebe.

"Wenn es ungerecht wird, haben wir Frauen keine Geduld mehr!"

Sie haben gerade gesagt, dass die Katholische Kirche Grundrechte und Menschenrechte nicht einhalte, ich vermute mal in Bezug auf Frauen. Was meinen Sie konkret damit?

Ich komme ja aus dem Erzbistum München. Wir waren im Mai letzten Jahres bei Kardinal Marx, mit verschiedenen Reformgruppen. Das ist jetzt ein Jahr her, dass Kardinal Marx das Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus gestellt hat. Aber was hat er vor Ort umgesetzt? Gemeindereferentinnen dürfen immer noch nicht taufen, beerdigen, predigen. Er hat damals zu mir gesagt, wir Frauen müssten Geduld haben. Ich habe ihm damals schon gesagt: Wenn es ungerecht wird, haben wir Frauen keine Geduld mehr!

Sie fordern ja, dass Frauen die Priesterweihe erhalten und die Heilige Messe zelebrieren dürfen. Haben Sie mal überlegt, zur Altkatholischen Kirche zu wechseln, in der ja schon in den 1990er Jahren Frauen zu Priesterinnen geweiht worden sind?

Für mich persönlich ist es nicht der Weg. Wir sind einem guten Austausch, auch mit den Altkatholikinnen und Altkatholiken. Aber es ist eben etwas, wo ich sage, diese Glaubensgemeinschaft ist doch für mich auch ein Stück Heimat. Die möchte ich nicht verlassen. Und ich möchte mir auch meinen Glauben nicht kaputtmachen lassen. Ich sehe uns eher als Maria 2.0, dass wir vielleicht dann draußen vor den Kirchentüren gemeinsam feiern und unseren Glauben leben. Aber ich persönlich möchte eigentlich in dieser Kirche auftreten und nicht austreten.

Der Katholikentag, der heute in Stuttgart beginnt, ist sozusagen das "Get together" der Katholikinnen und Katholiken. Und da werden Sie natürlich auch auf Menschen treffen, die konservativer sind, die Ihren Forderungen vielleicht sehr kritisch gegenüberstehen. Wie wollen Sie die überzeugen?

Grundsätzlich finde ich, dass wir als Katholikinnen und Katholiken da aufwachen müssen. Ich sehe schon eine Gefahr von den rechten Strömungen, die es in der Kirche gibt, auch wenn man nach Amerika oder Polen schaut. Ich frage aber, ob Jesus diese Kirche, so wie sie jetzt ist, gewollt hätte. Ich glaube wirklich, dass die Katholische Kirche sich da verrannt hat in ihrer ganzen Form, dass das auch keine jungen Menschen mehr anspricht. Ich denke, dass es wirklich wieder eine Kirche sein muss, die auf die Menschen zugeht, die sich für Gerechtigkeit einsetzt, für Frieden - auch jetzt beim Thema Ukraine müsste die Kirche ganz deutliche Worte sprechen.

Und welche Signale der Erneuerung erhoffen Sie sich jetzt von dem Katholikentag?

Ich sehe wirklich jetzt, dass eine große Vernetzung entstanden ist, auch unter verschiedenen Reformgruppen mit den verschiedenen Betroffeneninitiativen, Betroffenen von sexuellem Missbrauch - und dass wir endlich unser Motto "Taten statt Warten" auch dort umsetzen können. Wir haben ja viele tolle Angebote auch als Maria 2.0.

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