Gerhard Leitner

"Zwei Minuten": Die Kolumne zum Wochenende

Meinung: Endlich Wasser?

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Gerhard Leitner

Nach vielen Wochen Hitze und Trockenheit freut man sich über jeden Regentropfen. Aber leider kommt immer noch zu wenig. Von wegen: steter Tropfen höhlt den Stein! Auch andere Redewendungen fallen diesen Sommer aus - findet Gerhard Leitner in seiner Kolumne.

Endlich! Ich bin ja keiner, der gerne im Regen steht - aber nach vielen Wochen Hitze und Trockenheit tue ich das wirklich gerne. Am vergangenen Sonntag war es dann fast so weit: Plötzlich ein, zwei zarte Tröpfchen - was für ein Wunder. Ich in der Badehose auf den Balkon - mitten in Karlsruhe bei immer noch knapp 30 Grad. Aber statt des angekündigten Sommergewitters kam praktisch gar nichts - die drei Tropfen waren schon verdunstet, bevor sie auf den Boden trafen. Aber dafür dann am Montagnachmittag - immerhin eine halbe Stunde lang. Was für eine Befreiung!

Die Kolumne von Gerhard Leitner können Sie hier auch als Audio hören:

Und mittlerweile legt Petrus ja auch gelegentlich nach. Für die Pflanzen natürlich immer noch viel zu wenig. Das macht selbst mir als Grünschnitt-Laien große Sorgen. Aber den Bäumen - Achtung, gewagter Vergleich - "steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals". Und wenn wir schon bei den Redewendungen sind, da gibt’s noch mehr, die in diesem Hitzesommer nicht mehr passen: den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, gab`s schon lange nicht mehr. Der Stein wird definitiv nicht mehr vom steten Tropfen gehöhlt - da müsste schon deutlich mehr kommen. Selbst Jesus müsste dieser Tage weite Strecken auf Sand und Kies zurücklegen, wenn er zum Beispiel am Rhein übers Wasser laufen wollte.

Regentropfen auf einer Fensterscheibe
Nach vielen Wochen Hitze und Trockenheit freut man sich über jeden Regentropfen. Aber leider kommt immer noch zu wenig. Von wegen: steter Tropfen höhlt den Stein! Auch andere Redewendungen fallen diesen Sommer aus - findet Gerhard Leitner in seiner Kolumne.

Aber zum Glück leben wir ja in einer Region in Deutschland, die die Erfrischung schon im Namen trägt: in Baden. Und damit sind wir schon bei einer der Lieblingsbeschäftigungen des Autors und seiner Familie: immer, wenn es möglich ist, fahren wir an einen der zahlreichen Seen entlang des Rheins. Aber das ausgiebige Badevergnügen hinterlässt mittlerweile seine Spuren: Der rosa Flamingo hat ein Loch im linken Flügel, genauso die Luftmatratze mit Sichtfenster. Das Schlauchboot hat schon letzten Sommer den Geist aufgegeben. Unsere stark strapazierte Wasser-Spaßausrüstung geht langsam "den Bach runter".

Alles nicht so schlimm: das Glas ist ja immer auch halb voll. Aber wenn unser Lieblings-Eiscafe demnächst wegen Urlaub geschlossen ist, fällt damit eine liebgewonnene Tradition auf dem Heimweg vom See erstmal "ins Wasser". Und die anderen Eisdielen können dem unseren bei weitem "nicht das Wasser reichen". So jetzt reichts mit dem Wasser - denn redewendungsmäßig sitze ich jetzt erstmal "auf dem Trockenen".

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