Im Abendlicht leuchtet der Weihnachtsbaum auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod)

Um Strom zu sparen

Energiekrise: BW-Kommunen planen weniger Weihnachtsbeleuchtung

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Städte und Gemeinden wollen im kommenden Winter deutlich weniger Energie verbrauchen. Sie machen auch bei der weihnachtlichen Beleuchtung Abstriche. Es gibt bereits Kritik an den Plänen.

Aufgrund der Energiekrise planen Städte und Kommunen in Baden-Württemberg für den kommenden Winter erste Maßnahmen. Davon betroffen ist auch die weihnachtliche Beleuchtung in den Straßen und an den Gebäuden.

Stuttgarter Weihnachtsbäume sollen seltener leuchten

So will das Stuttgarter Rathaus ganz auf seine Weihnachtsbeleuchtung und den Adventskalender in den Fenstern des Hauses verzichten. Das teilte eine Pressesprecherin der Stadt mit. Zudem sollen die Weihnachtsbäume in der Stadt seltener leuchten. In früheren Jahren waren die Lichterketten am großen Baum am Schlossplatz rund 450 Stunden im Betrieb. Dieses Jahr sollen sie 240 Stunden eingeschaltet sein. Schon seit Mitte August hat Stuttgart die nächtliche Beleuchtung zahlreicher Gebäude und Brunnen freiwillig eingestellt.

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Die Stadt Heidelberg will diesen Winter mindestens 15 Prozent Energie einsparen. Der Lichterschmuck beim Weihnachtsmarkt solle "auf ein Mindestmaß" reduziert werden, sagte ein Sprecher der Stadt. So werden vermutlich die Lichter an den Buden weniger leuchten, auf Fassadenbeleuchtung wird ganz verzichtet. Nicht nur an Beleuchtung, sondern auch an Tannen will die Stadt sparen: Die Zahl der Weihnachtsbäume und das Tannengrün sollen reduziert werden.

Vielerorts ist die Planung des Weihnachtsschmucks noch nicht abgeschlossen: In Karlsruhe will man "mit gutem Beispiel vorangehen" und gleichzeitig nicht auf vorweihnachtliche Atmosphäre verzichten. Wie genau das gehen soll, werde in den nächsten Wochen ausgearbeitet, teilte ein Pressesprecher der Stadt mit. Auch die Universitätsstadt Tübingen sucht Wege, um in der Vorweihnachtszeit Energie einzusparen: Die "große" Weihnachtsbeleuchtung mit Lichtern an den Giebeln und leuchtenden Kugeln in den Bäumen werde es in diesem Jahr nicht geben, teilte eine Pressesprecherin der Stadt mit.

Tübingens OB Palmer: Diskussion "reine Symbolik"

Boris Palmer (Grüne), Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, bewertet den Plan, Energie durch das Ausschalten von Weihnachtsbeleuchtung zu sparen, skeptisch: "Die Fokussierung der Diskussion auf die Weihnachtsbeleuchtung ist reine Symbolik und verdeckt Tatenlosigkeit bei den großen Verbrauchern", teilte er mit.

Alexander Handschuh vom Deutschen Städte- und Gemeindebund betont, es komme in der Energiekrise auf Gegebenheiten vor Ort an. "Eine pauschale bundesweite Regelung wäre wenig sinnvoll." Weihnachtsmärkte seien Lebensqualität und auch Wirtschaftsfaktor. Wenn es schon effiziente LED-Beleuchtung gebe, seien Einsparpotenziale gering.

Auch in Stuttgart gibt es kritische Stimmen. "Durch die fehlende Weihnachtsbeleuchtung kann es ziemlich dunkel werden. Gerade in der Innenstadt, wo es öfter Schwierigkeiten mit der Sicherheit gibt, ist das ein Problem", kritisierte Sven Hahn von der Stuttgarter City Initiative. Wer sich in einer Stadt nicht wohlfühle, komme auch nicht zum Einkaufen. Dies könnte Folgen für die städtischen Betriebe haben, gab Hahn zu bedenken.

Ist die fehlende Beleuchtung ein Sicherheitsrisiko?

Dunkler ist es in den Innenstädten in Baden-Württemberg ohnehin schon. Die neue Energiesparverordnung des Bundes sieht vor, dass Leuchtreklamen nur von 16 bis 22 Uhr eingeschaltet werden dürfen. Außerdem wurde die Beleuchtung der Kulturdenkmäler in Baden-Württemberg auf ein Minimum reduziert. Historische Gebäude wie das Heidelberger Schloss, das Residenzschloss in Bad Mergentheim oder der Mannheimer Wasserturm werden nachts nicht mehr angestrahlt.

Ende August hatte die deutsche Polizeigewerkschaft in Baden-Württemberg betont, dass Licht eine wichtige Rolle bei der Sicherheit in den Innenstädten spiele. "Wir rechnen mit einem Anstieg der Kriminalität: Einbrüche, Vandalismus, Sachbeschädigung, Farbschmierereien und ähnliches", so der Vorsitzende Ralf Kusterer. Kusterer machte deutlich, dass der Staat seiner Verantwortung gerecht werde müsse. Dazu gehöre auch die Beleuchtung von Straßen und öffentlichen Gebäuden. Ansonsten drohe ein Sicherheitsdefizit.

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