Eine Fußgängerunterführung ist Inzlingen (Kreis Lörrach) nach dem Hochwasser mit Schlamm übersät. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Reichelt)

Acht mal so viele Schäden durch Starkregen und Überschwemmungen

BW stark betroffen: 2021 höchste Unwetterschäden in der Geschichte

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Die Naturkatastrophen im Jahr 2021 haben vor allem vier Bundesländer getroffen, darunter auch Baden-Württemberg. Die Versicherungen geben den Schaden im Land mit 1,4 Milliarden Euro an.

Sturmtief "Bernd", Überschwemmungen, Hochwasser, Hagel, Starkregen - Unwetter haben im vergangenen Jahr für große Schäden in ganz Deutschland gesorgt. Bundesweit sind laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Schäden in Höhe von 12,7 Milliarden Euro entstanden. Über neunzig Prozent der versicherten Schäden fielen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg an, also 11,4 Milliarden Euro.

BW: Schäden durch Unwetter verachtfacht

Mit 1,4 Milliarden Euro für Unwetterschäden entfällt laut GDV die vierthöchste Schadensumme im Bundesländervergleich für 2021 auf Baden-Württemberg. Damit haben sich statistisch betrachtet die Schäden durch Starkregen und Überschwemmung im Vergleich zum Vorjahr mehr als verachtfacht. Die 1,4 Milliarden Euro setzen sich aus 900 Millionen Euro der Sachversicherer (Schäden an Häusern und Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben) und 500 Millionen der Kfz-Versicherer zusammen.

In Ludwigsburg ist bei einem Sturm ein größeres Gerüst auf ein Haus gestürzt. Das Dach ist beschädigt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/KS-Images.de | Andreas Rometsch)
In Ludwigsburg stürzte im Oktober 2021 bei einem Sturm ein Gerüst auf ein Hausdach. picture alliance/dpa/KS-Images.de | Andreas Rometsch

Häuser in Baden-Württemberg sind laut GDV-Statistik sehr gut gegen alle Risiken abgesichert. Während fast alle Wohnhäuser gegen Sturm und Hagel und Elementarschäden im Land versichert seien, verfügten im Bundesdurchschnitt nur 50 Prozent über den Rundum-Schutz. Viele Hausbesitzer seien sich der Bedrohung durch Naturgefahren nicht bewusst.

GDV: 2021 mit höchstem Schadenaufkommen ihrer Geschichte

Das Jahr 2021 war für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ein Rekordjahr, allerdings im negativen Sinne. Denn die deutschen Versicherer haben hier das höchste Schadenaufkommen ihrer Geschichte verzeichnet. "Spitzenreiter im Vergleich der Bundesländer war Nordrhein-Westfalen mit einer Schadensumme von 5,5 Milliarden Euro Schaden - gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 3 Milliarden Euro", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Grund sei das Extremwetterereignis "Bernd", das vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit der Hochwasserkatasptophe im Ahrtal für Rekordschäden sorgte.

Damit steht 2021 laut GDV an der Spitze der teuersten Naturgefahrenjahre für die Versicherer - es folgt 1990 mit der Orkanserie "Daria", "Vivian» und "Wiebke"(11,5 Milliarden Euro) und 2002 mit dem August-Hochwasser und verheerenden Stürmen (11,3 Milliarden Euro). Der langjährige Mittelwert pro Jahr beträgt 3,8 Milliarden Euro.

Versicherungen fordern Umdenken

Um Schäden in Zukunft zu vermindern, fordert die Versicherungswirtschaft ein Umsteuern, etwa durch klare Bauverbote in hochwassergefährdeten Gebieten und verpflichtende Klima-Gefährdungsbeurteilungen bei Baugenehmigungen.

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Kretschmann: Forderung nach verbindlicher Elementarversicherung

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte sich nach der Flutkatastrophe 2021 in mehreren Regionen Deutschlands für eine verbindliche Elementarversicherung für Hausbesitzer ausgesprochen. Alle Immobilienbesitzer müssten in eine Solidargemeinschaft gehen, sonst würden Unwetterschäden künftig kaum noch zu bewältigen sein, so Kretschmann. Anders als eine Wohngebäudeversicherung, die Sturm- und Brandschäden abdeckt, ist eine Versicherung gegen Schäden zum Beispiel durch Hochwasser keine Pflicht. Diese sei bereits in den 1990er Jahren abgeschafft worden. Auch wenn der Anteil der Versicherten in Baden-Württemberg ohnehin bei rund 90 Prozent liege, sei dies deutschlandweit nach den jüngsten Erfahrungen sinnvoll.

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SWR