Archäopark, Niederstotzingen, Schließung

Stadt lehnt Angebot des Landes ab

Archäopark Niederstotzingen schließt zum Jahresende

Stand
AUTOR/IN
Peter Schmid
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Johannes Böhler

Das Land Baden-Württemberg wollte die Förderung des Parks nur in abgespeckter Form verlängern. Der Gemeinderat der Stadt Niederstotzingen lehnte das Angebot ab - einstimmig.

Der Archäopark Vogelherd in Niederstotzingen im Kreis Heidenheim muss schließen. Das hat der Gemeinderat der Stadt Niederstotzingen am Mittwochabend einstimmig beschlossen. Damit lehnt die Stadt ein Angebot des Landes Baden-Württemberg ab, den Park in abgespeckter Form weiter zu betreiben. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Parks war bereits gekündigt worden.

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Die Stadt würde, wenn sie das Angebot des Landes angenommen hätte, jährlich dennoch 75.000 Euro Verlust machen, sagte der Niederstotzinger Bürgermeister Marcus Bremer (parteilos). Das könne er den Bürgerinnen und Bürgern seiner 4.800-Einwohner-Stadt nicht zumuten. Der Archäopark soll deshalb zum Ende des Jahres endgültig schließen.

"Das ist eine bedrückende Entscheidung insgesamt, das haben wir uns nicht leicht gemacht."

Land wollte Förderung am Archäopark nur anteilig verlängern

Das Land Baden-Württemberg hatte im Vorfeld die Fördermittel für den Park nicht verlängert. Es hatte angeboten, im Park ein Höhleninformationszentrum aufzubauen und Mietkosten in Höhe von 35.000 Euro jährlich zu übernehmen. Was mit dem geschlossenen Park geschehen soll, ist noch unklar. Das gilt auch für die Frage, wohin die dort ausgestellten, mehr als 40.000 Jahre alten, Eiszeitkunst-Fundstücke aus den Höhlen geschehen soll, allen voran das Mammut aus der Vogelherdhöhle. Die Stadt Niederstotzingen möchte dazu ein Konzept erarbeiten.

"Der Welterbestatus ist durch die Schließung des Parks nicht gefährdet, denn der Archäopark als touristische  Infrastruktur und rein kommunale Einrichtung ist nicht konstitutiver Teil der Welterbestätte."

Das zuständige Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg bedauerte in einer schriftlichen Antwort die Entscheidung des Gemeinderates. Das Hilfsangebot des Landes sei "in diesen aktuell sehr schwierigen Zeiten und angesichts der Haushaltslage des Landes alles andere als selbstverständlich gewesen", so ein Ministeriumssprecher. Der Welterbestatus der Vogelherdhöhle sei durch die Schließung des Parks allerdings nicht gefährdet.

Förderverein "Eiszeitkunst im Lonetal" setzt auf Online-Petition für Archäopark

Für den Erhalt des Archäoparks Vogelherd in Niederstotzigen macht sich auch der Förderverein "Eiszeitkunst im Lonetal" stark. Der Vorsitzende des Vereins, der ehemalige Heidenheimer Landrat Hermann Mader, sagte dem SWR am Tag nach der Gemeinderatssitzung, die Unterstützungsbereitschaft sei groß. Mader setzt vor allem auf die seit Mitte Oktober laufende Online-Petition zum Erhalt des Parks. "Wir hoffen nach wie vor, dass viele Menschen die Petition unterzeichnen - dann muss sich nämlich der Landtag mit dieser Materie beschäftigen und kein einzelnes Ministerium", so Mader.

Der Archäopark in Niederstotzingen verzeichnete in diesem Jahr mit mehr als 30.000 Gästen einen Besucherrekord. Der Park selbst ist kein Teil der UNESCO-Welterbestätte "Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb" mit sechs Höhlen im Ach- und Lonetal. Nur die Vogelherdhöhle auf dem Gelände des Archäoparks sowie die darin gefundenen Kunstwerke wie die aus Elfenbein geschnitzten Figuren Mammut und Wildpferd zählen dazu. Im Mai 2013 war der Archäopark Vogelherd eröffnet worden, die Baukosten lagen damals bei 2,6 Millionen Euro.

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