Zerkleinern, kochen oder mörsern - die Kräuter, Hölzer und Gewürzpflanzen werden auf verschiedene Art und Weise verarbeitet, bis eine formbare Masse entsteht, die man zum Räuchern anzünden kann.

Zu Besuch in einer Mössinger Werkstatt

Räuchern in den Rauhnächten - ein altes Ritual

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AUTOR/IN
Andrea Schuster

Weißdorn, Mädesüß und Goldrute: In einer Werkstatt in Mössingen werden im Dezember kleine Räucherkegel hergestellt. Für die Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig.

Kommt Rauhnacht von Rauchnacht? Die Herkunft des Wortes ist nicht ganz genau definiert, es existiert aber die Herleitung, wonach das Wort Rauhnacht auf Rauchnacht zurückgeht. Und damit auf traditionelles Beräuchern von Räumen. Wer im Internet nach Rauhnächten sucht, stößt immer wieder auf Rauchen und Räuchern. Für die Mössinger Kräuterpädagogin Daniela Häberle ist das durchaus schlüssig.

Der Ärger ist verraucht. Das sagt man ja nicht umsonst! Da gibt es viele Sprichwörter, die uns da so hinführen können.

Kleine Kegel aus Zutaten der Natur

In der Kräuterwerkstatt in Mössingen (Kreis Tübingen) duftet es nach Wacholder, Salbei und Fichte. Wer einen Workshop bei Daniela Häberle mitmacht, erlebt aber noch viel mehr Gewürze, Hölzer und Kräuter. Für die kleinen Räucherkegel, die im Workshop entstehen, gibt es Rezepte mit Zutaten, die aromatisch sind: zum Beispiel Tonkabohnen, Lärchenzapfen, Piment oder Fichtenharz. Die Zutaten werden unterschiedlich verarbeitet. Tannennadeln etwa können ganz schön widerspenstig sein. Manche Räuchermischungen werden gekocht, andere mit Harzen gebunden. Man kann auch Bienenwachs einrühren. Das ergibt dann in Silikonformen kleine Kräuterpralinen für Duftlampen.

In der Räucherwerkstatt Mössingen werden Kegel für die Rauhnächte hergestellt.
Rauchkegel kneten oder Räucherpralinen formen - wer am Workshop in der Räucherwerkstatt Mössingen teilnimmt, bekommt viel zu riechen. Daheim wird dann geräuchert.

Rauhnächte - eine magische Zeit

Es bereitet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sichtlich Freude - gelacht wird auch viel. Letztlich geht es um Achtsamkeit, erklärt Häberle, dass man sich in eine Handlung ganz vertieft und die Gedanken zur Ruhe kommen.

Die Rauhnächte gelten als magische Zeit. Sie dauert vom 25. Dezember bis zum Dreikönigstag am 6. Januar. In manchen Regionen geht diese Zeit mit Volksbrauchtum und Ritualen einher. Daniela Häberle bietet in dieser Zeit nicht nur ihre Kurse für Räucherkegel und -pralinen an, sondern auch Workshops mit Impulsen, bei denen man lernen kann, Altes abzuschließen oder eine Entscheidung zu treffen. Sie empfiehlt für die Zeit der Rauhnächte ein kleines Buch, in das man alle Gedanken und Empfindungen, die einem in diesen zwölf Tagen wichtig sind, notieren kann.

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