Kurz vor Sonnenuntergang: Wanderung durch den Schwarzwald während der Zeit der mystischen Rauhnächte  (Foto: SWR, Hannah Radgen)

Sagen und Bräuche

Mystische Rauhnächte in Bad Herrenalb erleben

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Hannah Radgen

Die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönigstag ist eine besondere. Um die sogenannten Rauhnächte ranken sich Jahrhunderte alte Mythen und Bräuche, die man auf einer Wanderung bei Bad Herrenalb kennenlernen kann.

Es gibt allerlei Sagen und Mythen rund um diese zwölf sogenannten Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag. Besonders im süddeutschen Raum hat sich so mancher Brauch gehalten. Einiges, was man sich dazu erzählt, mag wohl eher Hokuspokus sein, trotzdem sind die Nächte für viele Menschen eine bedeutsame Zeit, um sich auf das Wichtige zu besinnen und zwischen den Jahren zur Ruhe zu kommen.

Tore zwischen den Welten sind in den Rauhnächten geöffnet

Man sagt, die Tore zwischen Diesseits und Jenseits stehen in diesen sagenumwobenen Tagen besonders weit offen, sodass Geister und raue, wilde Gesellen durch die Lande ziehen. Frisch gewaschene weiße Bettwäsche sollte man in dieser Zeit lieber nicht draußen aufhängen, denn der Volksglaube sagt, dass die Geister sie stehlen und als Leichentuch für einen Hausbewohner verwenden könnten.

Kurz vor Sonnenuntergang: Wanderung durch den Schwarzwald während der Zeit der mystischen Rauhnächte  (Foto: SWR, Hannah Radgen)
Sagenumwobene Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig. Hannah Radgen

"Es heißt, dass diese vielfältigen Wesen und Gestalten einfach durchströmen können durch diese offenen Tore der Anderswelt, dass wir sie auch erkennen können und daraus neue Chancen und Potenziale auch für uns erkennen können."

Ob man die Nächte mit typischen Ritualen verbringt, wie zum Beispiel mit Räucher-Zeremonien zum Vertreiben böser Geister oder dem Verbrennen von 12 bis 13 aufgeschriebenen Wünschen fürs neue Jahr, bleibt jedem selbst überlassen.

Rauhnächte erleben auf Wanderung bei Bad Herrenalb

Monika Amann wandert am liebsten durch den dichten Schwarzwald bei Bad Herrenalb (Landkreis Calw). Als Schwarzwald-Guide bietet sie auch eine Wandertour zum Thema Rauhnächte an. Im Wald komme sie am besten zur Ruhe, erzählt sie, es sei der ideale Ort, um sich zwischen den Jahren auf das Wesentliche zu besinnen.

Die Wanderung beginnt im Tal kurz vor Sonnenuntergang. Während die Gruppe die Anhöhe hinauf wandert, bleibt Monika Amann an manchen Plätzen stehen. Man hält inne, genießt Aussicht und Natur und natürlich gibt es auch jede Menge Geschichten rund um die Rauhnächte und ihre Entstehung. 

„Rau(h)“ - so ein Erklärungsansatz - beziehe sich auf die rauen Gestalten aus der Anderswelt. Die sind besonders im Schwarzwald bekannt, wo man die Alemannische Fastnacht feiert. Pelzig, wild und mit hässlichen Fratzen. Vielerorts geht man aber auch davon aus, dass sich der Begriff vom traditionellen Räuchern ableitet.

"Diese Kräuter haben ätherische Öle. Man hat sie verwendet, um Ställe auszuräuchern, um Bakterien, Pilze und Viren da rauszubekommen. Die Leute saßen früher im Dunklen, man hatte keinen Fernseher und nichts, und man hat sich die schaurigsten Geschichten erzählt."

Kurz vor Sonnenuntergang: Wanderung durch den Schwarzwald während der Zeit der mystischen Rauhnächte  (Foto: SWR, Hannah Radgen)
Räucher-Ritual in einer Rauhnacht. Hannah Radgen

Ein Räucher-Ritual findet auch im Rahmen der Tour statt. Monika Amann hat verschiedene Kräuter zusammengebunden und an die Gruppe verteilt. Oben auf der Anhöhe, wo der Wald sich lichtet, stoppen die Wanderer an einer großen alten Eiche. Hier wird geräuchert, es gibt Kräutertee und Kekse.

Rituale der Rauhnächte auch heute noch nutzbar

Wer damit keine unerwünschten Besucher aus der Geisterwelt oder Bakterien und Pilze vertreiben will, für den riecht es einfach gut. Zwar wird nicht um die 90 Jahre alte Eiche herumgetanzt, wie es alter keltischer Brauch ist, dafür laufen die Teilnehmenden mehrere Runden um den Baum und besinnen sich auf ihre Wünsche.

Die Geschichten um die Rauhnächte seien im Laufe der Zeit immer weiter gesponnen worden, neue Mythen und Rituale kamen dazu. Monika Amann meint, es sei wichtig, sich mit der Entstehung der Rituale auseinander zu setzen und dann zu überlegen, wie man sie auch heute noch positiv für sich nutzen könne.

Wie lebten die Kelten? | Hintergrund

In der Spätzeit der Kelten entstanden die ersten „Großstädte“ nördlich der Alpen, die sogenannten „oppida“. Das waren wie z.B. bei Manching oder Heidengraben gewaltige Siedlungen für mehrere Tausend Menschen mit kilometerlangen Wallanlagen. In diese späte Zeit der Kelten fällt ein weiteres neues Phänomen: die sog. „Viereckschanzen“. Wurden sie früher als Kultstätten interpretiert so ergaben neueste Forschungen, dass es sich um den Mittelpunkt einer kleineren Siedlungsgemeinschaft handelte. Neben den großen oppida gab es also weiterhin die normalen Dorfgemeinschaften. Die archäologischen Befunde einer Viereckschanze am Ipf bei Bopfingen liefern die Pläne, nach denen eine solche Keltenschanze wieder aufgebaut wird – von einer Kelten-Truppe unter wissenschaftlicher Anleitung. Dabei erfährt man im Film einiges über die Bauweise und das Leben dort: So wurden z.B. angekohlte Stämme verbaut, damit das Holz im feuchten Boden nicht fault. Die Dächer wurden mit Holzschindeln gedeckt, da diese viel widerstandsfähiger sind als die bisher vermutete Reetdeckung. Die Frauen bauen innerhalb des 4 Meter hohen Walls, der die kleine Siedlung umgab, Kräuter und Getreide zur Selbstversorgung an. Und es gibt einen Kultbaum – ist der süddeutsche Maibaum eine keltische Erfindung? Eine besondere Stellung in der keltischen Gesellschaft hatten die Druiden, die neben kultischen Aufgaben auch medizinisches Wissen hatten. Bis heute ranken sich viele Mythen um die Druiden. Der Film beleuchtet, was man eigentlich über sie weiß und welche Rolle sie im Sozialgefüge der Clans spielten.

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