Das Hauptgebäude des Land- und Amtsgerichts Hechingen von außen (Foto: SWR, Julia Klebitz)

Österreicher wegen versuchten Mordes angeklagt

Geständnis: Mit Messer auf Ex-Partnerin in Hechingen eingestochen

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Ein 57-jähriger Österreicher hat am Landgericht gestanden, auf einem Hotelparkplatz in Hechingen (Zollernalbkreis) mit einem Messer auf seine Ex-Partnerin eingestochen zu haben.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einem Hechinger Hotel Ende vergangenen Jahres sollen sich im Auto des Angeklagten die Ereignisse überschlagen haben. Nach kurzer Diskussion über einen möglichen Fahrerwechsel soll der 57-Jährige die Frau mit mehreren Messerstichen unter anderem an Hals und Hand verletzt haben. Der Frau gelang die Flucht ins Hotel, wo sie später ärztlich versorgt wurde. Auch der 57-Jährige brauchte einen Notarzt. Wohl aus Notwehr hatte seine Ex-Partnerin ihm in den Oberschenkel gestochen.

Wollte der Mann in Hechingen töten?

Die Anklage geht davon aus, dass der Mann nicht damit zurechtkam, dass sich seine Partnerin von ihm trennen wollte. Da der 57-Jährige wegen versuchten Mordes angeklagt ist, muss das Landgericht Hechingen die Frage klären: Wollte der Mann seine langjährige Partnerin töten? Und auch das muss das Gericht klären: Gab es überhaupt eine Trennung? Denn zumindest am ersten Verhandlungstag am Donnerstag blieb beides unklar.

Angeklagter zeigt vor Gericht Reue

Dass der Mann seine Ex-Partnerin angriff und verletzte, daran besteht kein Zweifel. Der Angeklagte legte am ersten Verhandlungstag ein Geständnis ab. Wieso er zum Messer gegriffen habe, könne er sich nicht erklären, ließ der Mann über seine Anwälte mitteilen. Er sei bestürzt gewesen, als er seine ehemalige Partnerin verletzt gesehen habe. Dass er die Tat bereut, konnte er vor Gericht glaubhaft vermitteln. Er bat auch darum, sich persönlich bei ihr entschuldigen zu dürfen.

Beziehung verlief harmonisch

Der Österreicher hatte seine damalige Partnerin, eine 56-jährige Frau, die aus dem Zollernalbkreis kommt, vor rund 20 Jahren kennengelernt. Er sei sofort fasziniert von ihr gewesen. Eine langjährige Beziehung in Österreich folgte. Das Paar - so erzählten vor Gericht beide - harmonierte. Gemeinsam baute man einen Betrieb auf und war im Tourismus erfolgreich: "Wir waren ein unschlagbares Team", hieß es in der Erklärung des Angeklagten. Auch sein späteres Opfer fand nur gute Worte für den Österreicher. Als fürsorglich, großzügig und umgänglich beschrieb es ihn. Es sei ihnen zusammen gut gegangen. Man habe keine finanziellen Sorgen gehabt, ein schönes gemeinsames Leben, aber auch viel gearbeitet.

Mit Corona kam die Krise

Der Angeklagte gab der Arbeit die Schuld für das letztendliche Scheitern der Partnerschaft. Er habe oft sieben Tage in der Woche Schulklassen und andere Gäste im Betrieb betreut und während der Saison fast rund um die Uhr gearbeitet. Dabei hab er seine Partnerin vernachlässigt. Seit Corona ging es dann mit dem florierenden Tourismusbetrieb bergab, so der Angeklagte. Die 56-Jährige zog zurück in den Zollernalbkreis, pflegte eine Tante, hatte eine kurze Affäre. Die Beziehung begann zu kriseln. Immer wieder habe man über das Thema Trennung gesprochen und eine Zeit nach Corona, erzählte die Frau vor Gericht. Allerdings sei sie ein Mensch, der im Hier und Jetzt lebe und sich immer eine Tür offenlassen wollte. Ob es am Tag des Angriffs tatsächlich zu einer Trennung kam, blieb am ersten Verhandlungstag unklar.

Schilder am Gebäude des Landgerichts Hechingen (Foto: SWR, Julia Klebitz)
Julia Klebitz

Opfer sagte vor Gericht anders aus als vor Polizei

Was die 56-jährige Frau vor Gericht erzählte, deckte sich nicht mit ihrer Aussage bei der Polizei nach der Tat. Sie könne sich weder an emotionale Gespräche beim Essen, noch eine Trennung erinnern. "Es war kein Trennungsgespräch", gab sie vor Gericht an. Sie versuchte das Bild eines gewöhnlichen, gemeinsamen Mittagessens unter Zeitdruck wegen anstehender Termine zu zeichnen. Zeugen berichteten anderes. Das Paar habe gestritten, erzählte etwa eine Bedienung des Hotels. Man habe schließlich getrennt bezahlt.

56-Jährige muss erneut aussagen

Vor Gericht entstand der Eindruck, die Frau wolle ihren ehemaligen Partner in Schutz nehmen. Während Zeugen davon berichteten, dass die Frau stark geblutet habe, beschrieb sie selbst vor Gericht ihre Verletzungen als nicht so tief und schlimm. Dass ihr Ex-Partner sie töten wollte, davon geht die Frau nicht aus.

"Er hätte die Möglichkeit gehabt mich schwerer zu verletzen, wenn er gewollt hätte. Er ist mir auch nicht aus dem Auto gefolgt."

So geht der Prozess weiter

Vier weitere Verhandlungstage sind angesetzt. Die 56-jährige Frau muss erneut aussagen. Im schlimmsten Fall müsse man die Video-Aufzeichnungen ihrer Vernehmungen nochmals anschauen, ließ der Richter die 56-Jährige wissen. Dass sie sich nicht an alle Details erinnern könne, sei normal und verständlich. Dass sie nichts mehr von einer Trennung wisse, habe aber nichts mit einem Trauma zu tun, so der Richter.

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