Kandelaber Neuschwanstein (Foto: Pressestelle, Michael Frick / BR)

Kandelaber zurück in König Ludwigs Märchenschloss

Silberschmied in Rottenburg restauriert Kerzenständer für Schloss Neuschwanstein

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Zwei prunkvolle goldene Kerzenleuchter aus dem Schloss haben in der Werkstatt von Hans-Joachim Bleier neuen Glanz bekommen. Jetzt stehen sie wieder im Sängersaal von Neuschwanstein.

Wenn ein König sich etwas wünscht, dann muss es schon etwas ganz Besonderes sein. Erst recht, wenn es sich um Ludwig II. handelt. Nirgends zeigt sich das eindrucksvoller als im Schloss Neuschwanstein: Alles in dem Märchenschloss ist vom Feinsten. Das gilt auch für die Kandelaber, die zehn prunkvollen, riesigen, goldenen Kerzenleuchter oben im prächtigen Sängersaal. Aber die sind - wie ganz Neuschwanstein - in die Jahre gekommen. Zwei von den zehn Leuchtern hat der Rottenburger Restaurator Hans-Joachim Bleier bereits generalüberholt und ins Schloss zurückgebracht.

Zum Aufbau extra von Rottenburg nach Schwangau

Der Zusammenbau der 140 Jahre alten und drei Meter hohen Leuchter aus vergoldetem Messing war nicht einfach. Schließlich ist alles an den riesigen Kandelabern mit ihren 150 Einzelteilen handgemacht - von den kunstvollen Verzierungen über die Fassungen für die bunten Glassteine bis hin zu den Schrauben und Muttern. Stunden waren die Restauratoren beschäftigt, bis nur ein Kandelaber stand.

Dreck und Fingertapser tausender Touristen

Hans-Joachim Bleier (Foto: SWR)
Hans-Joachim Bleier

Drei Monate lang haben Bleier und seine Kollegen in ihrer Werkstatt in Rottenburg daran gearbeitet, nur zwei der zehn Leuchter wieder auf Vordermann zu bringen. Staub, Dreck, die Finger von tausenden Touristen und zum Teil auch falsche Pflege hatten den Kandelabern über die Jahrzehnte hinweg zugesetzt, die Oberfläche matt und dunkel gemacht. Den Prunkstücken aus dem Sängersaal im Märchenschloss wieder zu altem Glanz zu verhelfen, war selbst für einen sehr erfahrenen Restaurator wie Hans-Joachim Bleier ein ganz besonderer Auftrag. Schloss Neuschwanstein kenne schließlich die ganze Welt.

Experten nehmen Rottenburger Arbeit unter die Lupe

Doch zu einem solch außergewöhnlichen Auftrag gehörte auch eine strenge Abnahme: Kaum dass die Kandelaber im Sängersaal standen, kam ein fünfköpfiges Expertengremium der Schlösserverwaltung in den Saal. Mit strengen Blicken begutachteten die Experten die restaurierten Leuchter, machten sich Notizen, leuchteten mit der Taschenlampe die Oberfläche ab und schauten, ob der Goldschimmer auch den strengen Vorgaben entspricht. Bei einer Restaurierung im Schloss Neuschwanstein muss eben alles passen.

"Der König hätte auch keine Abstriche an Qualität gemacht und wenn das nur in Nuancen falsch gewesen wäre, hätte er es zurückgeschickt", sagte Jonas Jückstock, Fachrestaurator der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Die nächsten Kandelaber nach Rottenburg gebracht

Fast eine Dreiviertelstunde brauchten die Experten für die Abnahme. Am Ende stellte sich heraus: An ein paar kleinen Stellen musste Hans-Joachim Bleier noch etwas nachbessern. Sonst waren die Fachleute mit seiner Arbeit zufrieden. Und dem Rottenburger Restaurator fiel ein Stein vom Herzen.

Sodann packte der Fachmann die nächsten beiden Kandelaber ein, um die er sich in den kommenden Monaten kümmern wird, damit auch sie bald in neuem, königlichem Glanz erstrahlen.

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