Das Gelände der Sondermüll-Deponie in Wittelsheim im Elsass. (Foto: SWR)

20 Jahre nach dem Brand

Demonstration gegen Giftmülldeponie Stocamine im Elsass

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Wera Engelhardt, Christine Veenstra

Vor 20 Jahren hat die Deponie Stocamine in Wittelsheim im Elsass gebrannt. Zum Jahrestag und wegen des dort gelagerten Giftmülls wollen Bürgerinnen und Bürger demonstrieren.

Das Bürger-Kollektiv "Destocamine" befürchtet, dass der Giftmüll in den Stollen der elsässischen Anlage das Grundwasser gefährden könnte.

In der früheren Kali-Miene lagerte seit 1999 Giftmüll wie Arsen und Quecksilber; immer wieder hatten Umweltschützer dagegen protestiert. Am 10. September 2002 brach in 535 Metern Tiefe ein Feuer aus, das erst nach mehr als zwei Monaten endgültig gelöscht werden konnte. Seit dem Brand ist die Anlage geschlossen. Zuletzt befanden sich knapp 42.000 Tonnen Abfall in der Deponie.

Die Umweltschützer werfen den Behörden Untätigkeit vor. Fachleute hätten bestätigt, dass die verbliebenen Abfälle das Grundwasser langfristig vergiften würden, schreiben die Kritikerinnen und Kritiker. Sie fordern, dass sämtlicher Abfall aus den Stollen an die Oberfläche geholt wird.

Regierung will die Deponie versiegeln lassen

Rückendeckung haben sie von Umweltschützern der Organisation Alsace Nature und von vielen Lokal- und Regionalpolitikern. Darunter ist auch Frédéric Bierry, der Präsident der Gebietskörperschaft Elsass. Er hatte im Frühjahr 2022 scharf kritisiert, dass die französische Regierung die Deponie versiegeln lassen will und ein Kompromissangebot unterbreitet.

Frankreichs Umweltminister Christophe Béchu, der seit Juli im Amt ist, hat sich laut der Umweltschutzorganisation Alsace Nature bisher nicht zu den Plänen seiner Vorgängerin Barbara Pompilli positioniert. Francois Zind, Anwalt der Organisation, rechnet aber nicht mit einer Kehrtwende der Regierung, sondern allenfalls mit ein bisschen mehr Verhandlungsspielraum.

Auch Gerichte beschäftigen sich mit der Deponie

Weiter mit der Giftmülldeponie beschäftigt sind derweil auch die Gerichte. Unter anderem laufen strafrechtliche Ermittlungen, die klären sollen, ob sich unter Tage Stoffe befinden, die gar nicht hätten eingelagert werden dürfen. Frühere Minenarbeiter hatten entsprechende Hinweise gegeben.

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