Unterstützung wurden die Organisatoren der Mahnwache auch von verdi-Betriebsgruppe der Uniklinik Freiburg.

Vorwurf von Ärzteverband

Ärztin wegen Protestaktion entlassen? - 200 Menschen demonstrieren in Freiburg

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Wera Engelhardt
Wera Engelhardt

Hat ein Krankenhausträger eine Ärztin rausgeworfen, weil sie zuvor eine Protestaktion mitorganisiert hatte? Das behauptet jedenfalls der Ärzteverband Marburger Bund.

Wegen der angeblichen fristlosen Kündigung einer jungen Ärztin am Freiburger St. Josefskrankenhaus infolge eines gewerkschaftlichen Protests hatte der Ärzteverband Marburger Bund an diesem Donnerstag zu einer Mahnwache in Freiburg aufgerufen.

Rund 200 Menschen bei Mahnwache vor Josefskrankenhaus

Am Donnerstagabend haben sich rund 200 Menschen vor dem Josefskrankenhaus in Freiburg zu einer Mahnwache für die fristlos gekündigte Ärztin getroffen. Mit Kerzen und Schweigen wurde die Solidarität mit der Ärztin ausgedrückt. Danach gab es mehrere Redebeiträge von Mitgliedern des Ärzteverbands Marburger Bund. Mit Trillerpfeifen und lauten "Buh"-Rufen äußerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Unmut gegenüber dem Krankenhausträger.

Dieses Verhalten ist ein reiner Einschüchterungsversuch.

Ärztinnen und Ärzte protestierten bereits im November für Tarifverhandlungen

Der Träger des Krankenhauses, die Artemed-Gruppe, stritt in einer schriftlichen Stellungnahme ab, Kündigungen "im Zusammenhang mit Protestaktionen oder einem Warnstreik" ausgesprochen zu haben, wollte sich aber aus Gründen unter anderem des Datenschutzes nicht zu konkreten Personalien äußern.

Der Marburger Bund wirft dem Krankenhausträger vor, der Ärztin gekündigt zu haben, weil diese am 22. November einen Warnstreik mit einer Protestaktion am St. Josefskrankenhaus "maßgeblich mitorganisiert" hatte. An dem Tag hatten mehrere Dutzend Ärztinnen und Ärzte dagegen protestiert, dass sich die Artemed-Gruppe weigere, Tarifverhandlungen mit dem Marburger Bund aufzunehmen.

Marburger Bund: Kündigung der Ärztin "explizit" mit Warnstreik begründet

"Letzte Woche hat die Artemed Gruppe mit der fristlosen Kündigung einer den Streik maßgeblich mitorganisierenden Ärztin eine rote Linie überschritten", hieß es in der Mitteilung des Marburger Bundes. Die Kündigung sei "offensichtlich unbegründet". Am Donnerstag präzisierte die Ärztegewerkschaft ihre Vorwürfe noch einmal: "Artemed begründet die Kündigung explizit mit der Information eines Rettungsdienstes über den Warnstreik durch die fristlos gekündigte Ärztin." Zu diesem Zeitpunkt sei der geplante Warnstreik bereits öffentlich bekannt gewesen.

Die Artemed-Gruppe teilte weiter mit, dass sie das Streikrecht "vollumfänglich" anerkenne. Man wolle aber dasselbe Tarifvertragswerk für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anwenden und kein zweites aufnehmen. Für die Mehrheit der Beschäftigten gelte der kirchliche sogenannte AVR Tarif, und eine Mehrheit wolle auch daran festhalten. Das Vorgehen des Marburger Bundes mache das Unternehmen "fassungslos".

Ärztinnen und Ärzte protestieren vor dem Freiburger St. Josefskrankenhaus
Rund 70 Ärztinnen und Ärzte protestierten Ende November vor dem Freiburger St. Josefskrankenhaus.

Zwei Freiburger Krankenhäuser gehören seit 2020 zur Artemed-Gruppe

Die Artemed-Gruppe mit Sitz im oberbayerischen Tutzing hatte die ehemals von vier katholischen Orden getragenen Kliniken St. Josefskrankenhaus und das Loretto-Krankenhaus in Freiburg zum 1. Oktober 2020 übernommen. In einer Mitteilung versicherte das Unternehmen damals, das "christliche Wertebild" und die Arbeitsplätze zu erhalten. Zur Artemed-Gruppe gehören nach Unternehmensangaben insgesamt 18 Krankenhäuser in Deutschland, dazu mehrere sogenannte ambulante Zentren und eine Stiftung.