Großes Wohnzelt für Geflüchtete: Eine sogenannte Traglufthalle diente mancherorts schon 2015 für Geflüchtete als Notunterkunft. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Federico Gambarini)

Rems-Murr-Kreis und die Flüchtlingskrise

Neue Zelt-Unterkunft für 300 Geflüchtete in Backnang

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Die Zahlen der Geflüchteten aus der Ukraine steigt seit Monaten deutlich an. Im Rems-Murr-Kreis hat man sich jetzt entschieden, Zelt-Unterkünfte für die Schutzsuchenden zu bauen.

Auch im Rems-Murr-Kreis kommt eine zunehmend große Zahl von Geflüchteten an. Die Mehrzahl sind aus der Ukraine geflohene Menschen - sie suchen Asyl und brauchen eine Unterkunft. Tausende sind offiziell über die Ausländerbehörde gemeldet, die Dunkelziffer schätzt man im Landratsamt jedoch deutlich höher ein. Viele sind privat untergekommen. Für die offiziell gemeldeten Geflüchteten stehen jedoch nicht ausreichend Unterkünfte zur Verfügung.

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Drei beheizbare Wohnzelte für 300 Geflüchtete auf Backnanger Sportplatz

Hallen und Schullandheime waren bereits im Frühjahr zu Ankunftszentren umfunktioniert worden. Doch die Kapazitäten sind erschöpft. Mit dem Bau einer Flüchtlingsunterkunft auf dem Sportplatz des Beruflichen Schulzentrums in Backnang reagiert der Rems-Murr-Kreis auf den sprunghaften Anstieg der Flüchtlingszahlen in ganz Baden-Württemberg. Ab Ende September sollen für rund 300 Geflüchtete drei beheizbare Wohnzelte mit abgetrennten Wohneinheiten für jeweils vier bis sechs Personen vorübergehend bereitstehen, heißt es aus dem Landratsamt des Rems-Murr-Kreises. Sie sind beheizbar und mit Kochstellen, Sanitärcontainern und Wachmaschinen ausgestattet.

"Mit dieser Notsituation müssen wir auch andere Wege gehen. Die Zelte in Backnang sollen bis Juni oder Juli 2023 bestehen bleiben."

Hier, am Beruflichen Schulzentrum in Backnang (Rems-Murr-Kreis), sollen auf dem Sportplatz von Ende September bis zum nächsten Sommer drei große Wohnzelte für 300 Geflüchtete aufgebaut werden. (Foto: SWR, Werner Trefz)
Hier, am Beruflichen Schulzentrum in Backnang (Rems-Murr-Kreis), sollen auf dem Sportplatz von Ende September bis zum nächsten Sommer drei große Wohnzelte für 300 Geflüchtete aufgebaut werden. Werner Trefz

Weniger angespannte Situation im Nachbarkreis Ludwigsburg

Für den Rems-Murr-Kreis sind Zeltunterkünfte für Geflüchtete eine letzte Maßnahme bei der Flüchtlingsunterbringung, von der man im Nachbarkreis Ludwigsburg noch weit entfernt ist. Hier wurden in diesem Jahr 800 neue Unterkünfte in einer ehemaligen Jugendherberge und im früheren Krankenhaus in Marbach geschaffen. Angesichts von aktuell 4.500 geflüchteten Menschen aus der Ukraine und 700 Asylsuchenden aus anderen Ländern sieht der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier (CDU) bislang kein Veranlassung auf die Unterbringung in Zelten zu setzen.

Auch Kreis Esslingen setzt weiter auf konventionelle Flüchtlingsunterbringung

Es bleibt im Kreis Ludwigsburg bei der bisherigen Praxis, alle Möglichkeiten in leer stehenden Liegenschaften oder Hallen auszuschöpfen, um die Geflüchteten unterzubringen. Gegebenenfalls würden im Herbst auch wieder Sporthallen zu diesem Zweck belegt, so Landrat Allgaier. Ähnlich hält man es im Kreis Esslingen, wie eine Sprecherin dem SWR bestätigte. Lediglich Sporthallen seien nicht im Fokus.

"Wir haben in einem großen, gemeinsamen Kraftakt seit Februar 1.500 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften geschaffen. Wir sehen daher derzeit noch keinen Bedarf, Zelte aufzustellen oder Sporthallen zu belegen."

BW-Migrationsstaatssekretär Lorek lobt Rems-Murr-Kreis

115.000 Ukrainer habe das Land Baden-Württemberg mittlerweile aufgenommen, sagte Migrationsstaatssekretäar Siegfried Lorek (CDU) dem SWR. Seit Juni stiegen die Zahlen von 200 auf 300 Geflüchtete pro Tag im August an. Der Rems-Murr-Kreis habe mit seinen Zelten angesichts der Lage alles richtig gemacht, so Lorek. Man müsse jeweils vor Ort die geeignete Maßnahme treffen. Der Rems-Murr-Kreis habe sich gegen die Belegung von Schulsporthallen entschieden und kurzfristig eine vertretbare Lösung gefunden, so der Migrationsstaatssekretär. Lorek äußerte sich nicht dazu, wie eine beheizbare Zelthalle in das Szenario einer drohenden Energiekrise passe.

Ludwigsburger Landrat appelliert an gesellschaftlichen Geschlossenheit

Weil die Zugangszahlen von Flüchtenden aus der Ukraine und anderen Ländern deutlich steigen, zeigt sich der Ludwigsburger Landrat Allgaier besorgt über eine drohende Spaltung der Gesellschaft angesichts der wachsenden Flüchtlingsproblematik. Er apellierte an den gesellschaftlichen Zusammenhalt (Audio).

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