Ein Schild mit dem Hinweis: Hier gehts zum Hilfstransporter der Ukraine Hilfe (Foto: SWR)

Hilfsbereitschaft lässt nach

Kaum mehr Spenden für die Ukraine aus Stuttgart

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Mit dem Krieg in der Ukraine begann auch in der Region Stuttgart eine Welle von Hilfsbereitschaft und Solidarität. Drei Monate nach Kriegsbeginn hat sich die Situation verändert.

"Die Spendenbereitschaft ist natürlich zurück gegangen, aber das war zu erwarten. Das ist ja oft so", sagt Serkan Eren. Er ist Vorsitzender von Stelp – einer Stuttgarter Hilfsorganisation, die in den letzten Monaten sehr viele Spenden wie Lebensmittel und Medizin in die Ukraine transportiert hat.

Die Spenden sind jedoch weiterhin wichtig, sagt Eren. Denn in der Ukraine leben viele Menschen derzeit in Kellern oder Bunkern.

„Kein Wasser, kein Strom. Ich hab von den ersten Menschen gehört, die verdurstet sind in Europa, das muss man sich mal vorstellen.“

Die meisten Firmen haben ihre Spendengelder bereits für die nächsten Jahre ausgereizt. Serkan Eren macht sich deshalb nicht nur um die Ukraine Sorgen. Auch andere Krisenregionen der Welt wie Afghanistan oder der Jemen seien auf Spenden angewiesen.

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Leere Lagerhallen auch bei SOS Ukraine

Ein paar Kilometer weiter in Sindelfingen findet man eine leere Lagerhalle vor, in der noch vor einem Monat alles voll mit Hilfsgütern war. Die Halle wurde von der Hilfsorganisation SOS Ukraine für Sachspenden angemietet. Nun wird nur noch eine halbe Palette mit Konserven und anderen eingeschweißten Lebensmitteln vollgepackt. Das war alles. Mehr Spenden gibt es gerade nicht.

Ein Mann und eine Frau packen einen Karton voll Lebensmitteln für die Ukraine. (Foto: SWR)
Noch vor einem Monat war in der Lagerhalle von SOS Ukraine in Sindelfingen alles voll mit Hilfsgütern. Jetzt wird oft nur noch ein halbe Palette gepackt.

"Am Anfang haben wir jede Woche einen LKW pro Woche in die Ukraine geliefert und dazu ein paar Transporte. Das heißt 20 bis 25 Tonnen pro Woche und jetzt ist es einmal pro Woche ein voller Transporter, das ist alles. Das heißt zwei Tonnen wahrscheinlich."

Kaum noch Spenden - "Der Krieg ist nicht vorbei"

Yevhenii Lesnyk hat die Hilfsorganisation SOS Ukraine zu Beginn des Krieges gegründet. Der Unternehmer hat ein riesiges Netzwerk in der Ukraine und kann so gewährleisten, dass die Waren direkt dort ankommen, wo sie benötigt werden.

SOS Ukraine sammelt vor allem Medikamente, Lebensmittel und Schlafsäcke und transportiert die Sachen auch in die Ukraine. Das ist immer noch nötig, betont Yevhenii: "Der Krieg ist nicht vorbei." Und grade jetzt sei es wichtig weiter zu spenden.

"Ich habe viele Listen, viele Anfragen aus der Ostukraine und wir beliefern immer noch an die meist zerstörten und meist bombardierten Regionen. Momentan ist das der Süden und der Osten."

Weitere Spender finden: Das ist das Ziel der Helfer und Helferinnen von SOS Ukraine. Sie bieten unter anderem Supermärkten an, kurz vor Ablauf stehende Lebensmittel abzunehmen – gegen Spendenbescheinigung. Eine Win-Win Situation sagen sie.

Noch vor einem Monat stapelten sich hier in Sindelfingen die Hilfsgüter. Heute ist die Halle fast leer. Yvhenni Lesnyk und seine Hilfsorganisation merken stark, die Spendenbreitschaft für die Ukraine sinkt. (Foto: SWR)
Noch vor einem Monat stapelten sich hier in Sindelfingen die Hilfsgüter. Heute ist die Halle fast leer. Yvhenni Lesnyk und seine Hilfsorganisation merken stark, die Spendenbreitschaft für die Ukraine sinkt.

Darum gehen die Spenden zurück

Der Grund, warum die Spenden zurück gehen ist vor allem einer, weiß Dariush Ghobad von der Caritas International. Im Ersten Monat hat die Hilfsorganisation 60 Millionen Euro Spendengelder für die Ukraine eingenommen – jetzt sind es noch etwa 500 000 pro Woche.

"Mit jedem Tag, der vergeht, nimmt unsere Aufmerksamkeit ein bisschen ab. Und damit nimmt natürlich auch die Spendenbereitschaft."

Gewohnheit gegen Spendenbereitschaft. Für die Helfenden, die das Leid vor Ort sehen, ist das schwer zu akzeptieren. In der Region Stuttgart stoßen sie auf immer mehr Gleichgültigkeit.

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