Klimaanalysekarte von der Stadt Ludwigsburg (Foto: Pressestelle, GEO-NET Umweltconsulting / ZURES II)

Temperaturen wie in Rom erwartet

Klimawandel: So heiß wird es im Jahr 2035 in Ludwigsburg

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AUTOR/IN
Philipp Pfäfflin
Bild von Philipp Pfäfflin (Foto: SWR, SWR - Foto: Alexander Kluge)

Starkregen und extreme Hitze - beides wird zunehmen. Was in Ludwigsburg besonders problematisch wird, zeigen Klimaanalysekarten für das Jahr 2035. Diese sind so detailliert wie noch nie.

Gefühlte Temperaturen von über 40 Grad, zu wenig Schatten und kaum Abkühlung in den Nächten. Die Karte, die die Ludwigsburger Bürgermeisterin Andrea Schwarz in den Händen hält, beschreibt keine ferne Zukunft, sondern ein Szenario im Jahr 2035. Das ist in 14 Jahren.

Klimaanalysekarte - Status Quo im Jahr 2020 (Foto: Pressestelle, GEO-NET Umweltconsulting  / ZURES II)
Ludwigsburg im Jahr 2020. Gut zu erkennen ist der Neckar im Nordosten der Innenstadt. Auch der Favoritepark und das Blühende Barock bringen von Norden kühle Luft bis in die Stadtmitte. Verhältnismäßig wärmer ist es in den Wohngebieten und vor allem dort, wo viele Straßen und Häuser sind. Pressestelle GEO-NET Umweltconsulting / ZURES II Bild in Detailansicht öffnen
Ludwigsburg im Jahr 2035 - Szenario Schwacher Klimawandel. Wie stark der Klimawandel ausfallen wird, ist nicht genau vorherzusagen. Deswegen wurden zwei Modelle gerechnet. Bei einer nur geringen Temperaturzunahme zeigt sich, dass insbesondere rund um den Marktplatz und in der Weststadt mit höheren Temperaturen zu rechnen ist (orange). Pressestelle GEO-NET Umweltconsulting / ZURES II Bild in Detailansicht öffnen
Ludwigsburg im Jahr 2035 - Szenario Starker Klimawandel. Der Neckar sowie Wälder (Favoritepark im Norden und Salonwald im Süden) wirken nach wie vor kühlend auf die Stadt. Doch insbesondere in der Innen- und in der Weststadt sowie in Eglosheim (Nordwesten) kommt es zu starken nächtlichen Überwärmungen. Rot steht für mehr als 21 Grad um 4 Uhr in typischen Sommernacht. Pressestelle GEO-NET Umweltconsulting / ZURES II Bild in Detailansicht öffnen

Hochleistungscomputer mussten drei Wochen lang rechnen

Die Klimaanalysekarten hat die Firma Geo-Net in Hannover erstellt. Hochleistungsrechner mussten dafür wochenlang arbeiten: Drei Wochen um die Grundkarte zu erstellen. Für jede weitere Modellierung nochmals drei Wochen, erklärt Janko Löbig. Herausgekommen sind detaillierte Karten mit einer Auflösung von fünf auf fünf Metern.

"Da gibt es noch nicht einmal eine Handvoll Städte in Deutschland, die ein so genaues Modell haben. Ludwigsburg ist nicht die erste, aber eine der ersten Städte in Deutschland."

Wenn es nachts zu heiß zum Schlafen ist

Die Karten können nicht vorhersagen, wann wo welches Wetter sein wird. Aber sie zeigen ein Zukunftsszenario, wo mit was zu rechnen ist. Dabei zeigt sich, dass neben dem Marktplatz auch in Wohngebieten mit hohen Temperaturen zu rechnen ist. Das kann insbesondere in der Nacht problematisch werden, wenn die Hitze anhält und an erholsamen Schlaf kaum zu denken ist.

"Grüne und blaue Infrastruktur müssen stimmen"

Jörn Birkmann ist Professor an der Universität Stuttgart und Experte für Klimaanpassung. Er leitet das Forschungsprojekt Zures II, das am Beispiel der Modellstadt Ludwigsburg zeigen soll, mit welchen Maßnahmen Städte weniger anfällig für Folgen des Klimawandels gemacht werden können.

Das Projekt läuft noch bis Frühjahr 2022. Schon jetzt steht für den Klimaanpassungsexperten fest, dass punktuelle Maßnahmen - wie eine Klimaanlage hier oder ein kühler Raum dort - keine wirklichen Lösungen sind.

Wichtig sei, dass die "grüne wie blaue Infrastruktur" stimme. Das fange bei der "grünen Infrastruktur" wie dem Schaffen und Freihalten von Kaltluftschneisen, dem Begrünen von Dächern und Fassaden und dem Schutz der Park- und Waldflächen an und gehe weiter über die "blaue Infrastruktur", also den Bau von Trinkbrunnen und Sprudlern in der Innenstadt bis hinzu Regenrückhaltebecken. Die detaillierten Klimaanalysekarten sollen jetzt dabei helfen, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, so der Stuttgarter Professor.

"Durch die Hitzekarten und durch die Kaltluftstromanalysen hat man jetzt viel stärker die Möglichkeit zu sagen: Vorsicht, da ist ein wichtiger Kaltstrom."

Ludwigsburg hat seit 2016 ein Klimaanpassungskonzept

Die Stadt Ludwigsburg setzt schon länger auf Klimaschutz - unter anderem mit einer Fotovoltaik-Pflicht für Neubauten. Aber auch die Klimaanpassung spielt eine immer größere Rolle. Seit 2016 hat die Stadt ein Klimaanpassungskonzept. Auf Basis der detaillierten Klimaanalysekarten und mit Unterstützung der Universität Stuttgart soll die Stadt weiter umgebaut und somit fit für den Klimawandel gemacht werden. Dabei will die Stadtverwaltung die Bürgerinnen und Bürger einbinden. Denn so ein Umbau der Stadt wird nicht ohne Widerstände und nur mit einem enormen finanziellen Aufwand möglich sein, wissen die Beteiligten des Forschungsprojekts.

Hitze in Ludwigsburg: Schon heute ein Thema?

Die Stadt Ludwigsburg hat eine Online-Befragung zum Thema Hitze gestartet. Dabei können Interessierte heiße und kühle Orte in der Stadt nennen.

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