Daniel Beerstecher läuft auf der Tartanbahn.

Kunstaktion für Künstliche Intelligenz

Stuttgarter Künstler will KI das Meditieren beibringen

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Die Künstliche Intelligenz soll uns effizienter und schneller machen. Nur eines kann KI bislang nicht: Meditieren. Der Stuttgarter Künstler Daniel Beerstecher will das ändern.

Mit einer Kunst-Performance will Daniel Beerstecher aus Stuttgart der Künstlichen Intelligenz das Meditieren lehren. Seit Samstag läuft er bis Oktober im Schneckentempo über eine Tartanbahn in Stuttgart-Vaihingen. Die Daten werden gespeichert - so soll die künstliche Intelligenz kapieren - was Meditieren bedeutet.

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Vier Stunden für 400 Meter

Der sogenannte Slowwalk findet an sechs Tagen pro Woche in einem Sportstadion in Stuttgart-Vaihingen statt. Der Startschuss am Samstag fiel nicht mit einem lauten Knall, sondern mit einer Klangschale. Ausgestattet mit Sportkleidung und Rucksack macht sich Daniel Beerstecher auf den Weg, faltet die Hände, hebt den Fuß und setzt ihn nach einigen Sekunden vor den anderen. Es sind Schritte wie in Zeitlupe. Nach einer Stunde hat der Künstler ein Viertel der Runde hinter sich. So langsam zu laufen auf einer Bahn, wo sonst schnell gerannt wird, wirkt wie eine Form von Kunst.

"Also es ist ziemlich anstrengend, weil es gleichzeitig auch eine Gleichgewichtsübung ist. Den Fuß so langsam nach vorne zu bringen, und es ist vor allem mental anstrengend“.

Während Daniel Beerstecher mit dem buddhistischen Slowwalk auf den ersten Blick aussieht als würde er eigentlich nur stehen, flitzen Jogger auf der Tartanbahn schnell an ihm vorbei. Der Student David Göz aus Stuttgart sieht dem Künstler lächelnd zu. Er findet die Idee irgendwie komisch, aber auch lustig. Kunst sei ja frei. Nur so langsam laufen, das könnte er nicht, sagt er.

Hirnströme werden gemessen

Der Künstler trägt ein Stirnband, mit dem seine Hirnströme gemessen werden. Puls und Herzfrequenz gehen runter. Die Daten werden in einem Rechner am Rande der Tartanbahn gespeichert. Sie werden wochenlang gesammelt, damit die Künstliche Intelligenz lernen kann wie Entschleunigung funktioniert. "Ein Kunstprojekt für Künstliche Intelligenz", betont Daniel Beerstecher. Er will mit der Aktion darauf aufmerksam machen, dass wir selbst entscheiden können, wie KI programmiert wird.

Künstliche Intelligenz für Achtsamkeit programmieren?

"Wir können sie so programmieren, das alles noch mehr beschleunigt wird, dass es noch mehr Profit gibt. Oder wir können gucken, dass KI uns vielleicht hilft aus diesen Dingen auszusteigen. Damit wir ein gesünderes Leben haben", meint Beerstecher.

Jeder Schritt ein Atemzug - acht Wochen lang läuft Daniel Beerstecher immer eine Runde. Der langsame Lauf wird live im Netz übertragen. Zieleinlauf soll am ersten Oktober sein. Daniel Beerstecher wird für dieses Projekt unter anderem von der Stadt Stuttgart gefördert, als Video- und Performance-Künstler hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

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