Landschaftsbild von Wagenschwend im Odenwald (Foto: SWR)

Polnischer Generalkonsul informiert sich im Odenwald

Auf den Spuren einer polnischen Zwangsarbeiterin in Wagenschwend

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Am 24. Februar 1945 sterben bei einer Schießerei in Wagenschwend (Neckar-Odenwald-Kreis) vier Menschen. Eine Geschichte, für die sich sogar die polnische Regierung interessiert.

Es ist ein Stück großer Weltgeschichte mitten in einem kleinen Dorf im heutigen Neckar-Odenwald-Kreis: Am 24. Februar 1945 fallen im Gasthaus Linde im beschaulichen Dorf Wagenschwend Schüsse.

Polnischer Generalkonsul besucht Wagenschwend

Vier Menschen sterben: Ein deutscher Oberstleutnant, zwei amerikanische Spione und eine polnische Zwangsarbeiterin. Eine Weltkriegs-Geschichte aus dem Odenwald, die jetzt sogar dafür gesorgt hat, dass der polnische Generalkonsul in Wagenschwend zu Besuch war.

Polnischer Generalkonsul Jan Malkiewicz in Wagenschwend  (Foto: SWR)
Der Generalkonsul der Republik Polen Jan Malkiewicz

Von Nazis verschleppt

Hanka Szendzielarz war eine gebildete Adlige aus Polen, die von den Nationalsozialisten Ende 1944 zur Zwangsarbeit in den Odenwald verschleppt worden war, nach einer Odyssee durch Konzentrationslager und Gefängnisse in halb Europa.

Ihr Mann Zygmund leitete in Wilna eine Untergrund-Armee gegen die deutschen Besatzer, Hanka hatte mitgemacht. Bis sie eines Tages aufgeflogen und von den Nazis verhaftet worden war.

Vier Tote in der vermeintlichen Idylle

Hanka Szendzielarz landete im vermeintlich idyllischen Odenwald, um in einer Fabrik in Limbach-Krumbach zu schuften, wie zahlreiche andere Zwangsarbeiter auch. Hanka wurde hier gut behandelt, fand Freundinnen, auch im Nachbardorf Wagenschwend, das ist ein Ergebnis der Recherchen. Hier kam es Anfang 1945 zu einem tragischen Ereignis.

Schießerei im Gasthaus Linde

Bei einer Schießerei im Gasthaus Linde starb auch Hanka im Kugelhagel, zwei amerikanische Spione fürchteten enttarnt zu werden und hatten das Feuer im Gasthaus eröffnet. Am Ende waren im Dorf vier Menschen getötet worden, wenige Wochen vor Kriegsende.

Polnischer Generalkonsul in Mosbach (Foto: SWR)
Museumsleiter Gerhard Schäfer, Generalkonsul Jan Malkiewicz, Limbachs Bürgermeister Torsten Weber

Recherchen wecken Interesse des Konsulates

Jahrelang hat der Leiter des Museumsvereins Wagenschwend, Gerhard Schäfer, gemeinsam mit anderen die Geschichte von Hanka Szendzielarz und die Ereignisse des 24. Februar 1945 recherchiert. Aus den Recherchen wurde zunächst ein kleines Buch, jetzt auch ein kleiner Film, den das Museumsteam fertiggestellt hat.

Zygmund Szendzielarz heute Nationalheld

Das Generalkonsulat der Republik Polen mit Sitz in München interessiert sich auch für die Geschichte, weil Hankas Mann Zygmund als Leiter der Untergrundarmee heute als Nationalheld in Polen verehrt wird. Das war bei den Nachforschungen des Museumsvereins aufgefallen. Zygmund Szendzielarz hatte zunächst gegen die Deutschen, dann gegen die Russen gekämpft und war schließlich von den Russen aufgespürt und hingerichtet worden.

Erst vor wenigen Jahren sind seine Gebeine in einem Massengrab entdeckt und mit einem großen Staatsbegräbnis auf einem Warschauer Friedhof beigesetzt worden.  

Literatur Jan Bazuin: Tagebuch eines Zwangsarbeiters – Geschichte, die unter die Haut geht

Kriegsalltag, Hunger, Kälte prägen die Erfahrungen des 19jährigen Niederländers Jan Bazuin. Im Januar 1945 wird er von den deutschen Besatzern zur Zwangsarbeit nach München verbracht. In seinem Tagebuch erzählt er sehr unverfälscht von Lagerleben und Küchenarbeit, vom Dauerbeschuss durch ständig neue Fliegerangriffe, denen die Zwangsarbeiter schutzlos ausgeliefert waren. Das Tagebuch wurde erst nach dem Tod Jan Bazuins entdeckt und wurde jetzt erstmals und ergänzt durch die Illustrationen der Comic-Künstlerin Barbara Yelin veröffentlicht.  mehr...

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