Black Panther Prothese (Foto: SWR)

Mit der Kraft des schwarzen Panthers

Achtjähriger Junge mit Behinderung kriegt Superhelden-Armprothese

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Natalie Akbari-Haddad

Als erstes Kind in Deutschland bekommt der achtjährige Niclas aus Hochstätten eine roboterähnliche Armprothese - nach dem Vorbild der Superhelden-Reihe "Black Panther".

Der neue Arm verleiht Niclas fast schon Superkräfte. Es ist der erste kleinere Test mit der neuen Prothese: ein Duell im Armdrücken. Niclas drückt und drückt - und schafft es, die Hand des Gegenübers auf die Tischplatte niederzuringen.

In einem Mannheimer Sanitätshaus hat der Achtjährige aus Hochstätten in Rheinland-Pfalz vom Prothesen-Spezialisten Sebastian Hannen gerade seine neue Armprothese bekommen. Das Besondere: Sie sieht aus wie der Arm und die Hand eines ultramodernen Cyborgs, angelehnt an den Hollywood-Film "Black Panther".

Marvel erteilt offizielle Lizenz für die Prothese

Niclas ist das erste Kind in Deutschland, das einen solchen Superhelden-Arm bekommt. Sein eigener rechter Arm endet am Ellbogen, ohne die dazugehörige Hand - eine angeborene Fehlbildung. Dafür hatte er bereits eine Prothese, aber die kann nicht so viel wie der Hightech-Arm. "Ich habe mir den genauso vorgestellt. Der ist schön und auch nicht so schwer wie die andere", sagt Niclas. Das Unternehmen Marvel hat eine offizielle Lizenz für die Prothese erteilt.

Steuern kann der Zweitklässler seinen Superhelden-Arm, indem er die Muskeln an seinem Oberarm unterschiedlich anspannt. Die dadurch entstehenden Reize werden an Sensoren abgegeben, diese wandeln sie um in Bewegungen der Hand und Finger.

Niclas Kaluza und sein "Black Panther Arm" (Foto: SWR)
Niclas Kaluza kann seinen "Black Panther"-Arm über die Muskelkraft in den Oberarmen steuern.

Der Arm ist knapp 50.000 Euro wert

Die Kosten für die Spezialprothese: 48.000 Euro - getragen werden sie von Niclas' Krankenkasse. Der Superhelden-Arm soll ihm helfen, Dinge zu tun, für die man beide Hände braucht: Zum Beispiel um einen Reißverschluss zuzumachen oder mit Messer und Gabel zu essen.

Niclas kämpft gegen die Reaktionen in seinem Umfeld

Aber das ist nicht der einzige Grund, warum er ihn braucht. Denn an sich kommt Niclas auch ohne Prothese klar. Er kämpft weniger gegen seine Behinderung, sondern vielmehr dagegen, wie die Menschen in seinem Umfeld damit umgehen. Zum Beispiel in seiner früheren Schulklasse, in der er oft schlimme Dinge von Mitschülerinnen und Mitschülern zu hören bekommen hat.

Die haben zu mir dicke Kartoffel gesagt. Und: Du bist dumm. Und am meisten hat mir das mit dem Mittelfinger nicht gefallen. Und danach, in der nächsten Pause, hat mich einer die Rutsche runter geschubst.

Selbst die Mutter von Niclas, Conny Kaluza, hat oft erlebt, wie ihr Sohn von anderen wegen seiner Behinderung gehänselt wurde. Einige hätten deshalb nicht mit ihm spielen wollen. "Ich habe hier von den Kindern auch zu hören gekriegt: 'Wir wollen nicht mit 'nem Spacko spielen. Er ist ein Behindi' - also so richtige Schimpfwörter", erzählt Conny Kaluza.

Mit dem Mobbing soll endlich Schluss sein

Das Mobbing hinterließ Spuren. Der an sich fröhliche und aufgeweckte Junge zog sich zurück, wechselte die Schule. Dort lief es etwas besser - und mit dem Black-Panther-Arm soll endgültig Schluss sein mit den Beleidigungen. Mutter Conny Kaluza wünscht sich, dass ihr Sohn künftig akzeptiert wird.

Wir haben da schon die Hoffnung, dass er dadurch ein bisschen mehr akzeptiert wird, dass er halt von den Kindern nicht so ausgeschlossen wird.

Niclas übt jeden Tag mit der Prothese

Noch benutzt Niclas seinen Superhelden-Arm nur zu Hause. Denn obwohl er an der neuen Schule etwas besser klarkommt, will die Familie erst sicher sein, dass er die Prothese gut beherrscht und nichts schief geht. Dafür übt er jeden Tag.

Bei aller Begeisterung für den Superhelden-Arm fühlt sich Niclas allerdings am wohlsten ohne Prothese. Und am meisten wünscht er sich, dass seine Mitmenschen ihn auch ohne diese akzeptieren - so wie er ist. Denn das Einzige, was Niclas fehlt, ist ein Arm. Ansonsten ist er ein ganz normaler Junge.

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Natalie Akbari-Haddad