Erdgasleitung

Winzer sauer, Kommunen teils kritisch

Rhein-Neckar-Region: Diskussion um Streckenverlauf von Erdgas-Pipeline

Stand
Autor/in
Judith Hüwelmeier

Die Firma terranets bw will eine Erdgasleitung durch Süddeutschland bauen - auch durch Teile der Region. Die Pipeline ist umstritten. Ein Abschnitt erhitzt besonders die Gemüter.

Die Pipeline soll ab 2026 zunächst Erdgas, ab 2030 dann Wasserstoff über einen 62 Kilometer langen Streckenabschnitt durch die Region transportieren. Sie startet in Mannheim und verläuft an Heddesheim, Ladenburg und Edingen-Neckarhausen vorbei nach Eppelheim (alle Rhein-Neckar-Kreis). Von dort geht es weiter nach Heidelberg-Rohrbach; dann weiter Richtung Meckesheim, Spechbach (beide Rhein-Neckar-Kreis) und Hüffenhardt (Neckar-Odenwald-Kreis).

Dieser Streckenabschnitt ist Teil der Süddeutschen Erdgasleitung (SEL), die insgesamt 250 Kilometer lang werden soll und von Lampertheim (Kreis Bergstraße) nach Bissingen in Bayern führt.

An diesen Stellen wird die Trasse angepasst

Der Netzbetreiber terranets bw hatte letztes Jahr eine Öffentlichkeitsbeteiligung gestartet, bei der Bürger und Kommunen ihre Anliegen zur Strecke äußern konnten. Die Ergebnisse stellte terranets bw jetzt vor. Man habe die Trasse angepasst, nachdem sich Probleme bei der Streckenplanung ergeben hatten. Der aktuell geplante Verlauf steht nun erneut zur Diskussion. Bis Mitte nächsten Jahres soll der Antrag auf Planfeststellung beim Regierungspräsidium Karlsruhe eingereicht werden.

Rücksicht auf Hamster- und Biberpopulationen

Mehrere Änderungen sind aus Gründen des Tierschutzes nötig. In Heddesheim zum Beispiel wird die Strecke an Feldern vorbeigeführt, um die dort lebenden Hamster nicht zu gefährden. In Edingen-Neckarhausen muss Rücksicht auf eine Biber-Population genommen werden. Beide Tierarten stehen auf der Roten Liste. In Eppelheim gibt es ein anderes Problem: Dort führt die bereits bestehende Gasleitung dicht an Wohnhäusern vorbei. Die neue Leitung kann aus Platzgründen nicht direkt daneben gebaut werden. Deshalb wird sie umgeleitet. Besonders umstritten ist aber die Strecke von Rohrbach Süd über die Weinberge nach Leimen-Lingental (Rhein-Neckar-Kreis).

Variante "Nussloch-Süd" verworfen

Die ursprünglich geplante Trasse sollte bei Leimen an den Weinbergen vorbeiführen. Im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung wurde dann aber eine alternative Route über Nussloch-Süd vorgeschlagen. Diese ist nach Angaben von terranets bw aber "aus Technik- und Umweltgründen" nicht umsetzbar.

Die Absage sorgt für großen Unmut bei den Winzern in der Region. Sie befürchten, einen großen Teil ihrer Reben zu verlieren. Winzer Andreas Bauer aus Heidelberg spricht gegenüber dem SWR von einem "Desaster". Die Winzer fühlten sich von terranets bw nicht ausreichend in die Planung einbezogen, der Beschluss habe sie am Montag überraschend getroffen.

"Wir werden nicht einfach alles mit uns machen lassen. Der letzte Schritt wäre eine Klage. Für uns geht es um sehr viel, ich will nicht sagen unsere Existenz."

Larissa Winter-Horn vom Obst-, Garten- und Weinbauverein Rohrbach kritisiert, dass die geplanten Entschädigungszahlungen von terranets bw nicht ausreichten. Entgegen den Aussagen des Unternehmens würden auch hochwertige Reben beschnitten, so Winter-Horn.

"Das ist ein schwerwiegender Einschnitt nicht nur für die Winzer, sondern für die gesamte landwirtschaftliche Fläche in Rohrbach."

Unterschiedliche Reaktionen aus den Kommunen

Eppelheims Bürgermeisterin Patricia Rebmann (parteilos) hinterfragt die Sinnhaftigkeit des Projekts als Ganzes. Ob der Bedarf an Erdgas bis 2026 überhaupt den Bau einer neuen Pipeline rechtfertige, könne niemand sagen, so Rebmann gegenüber dem SWR.

Die Stadt Leimen will sich in den kommenden Tagen zum konkreten Trassenverlauf äußern. Man sei in der Prüfungsphase, sagte Stadtsprecher Michael Ullrich dem SWR. Im September hatte die Stadt Leimen noch erklärt, eine Trasse durch die Weinberge ablehnen zu wollen.

Die Stadt Heidelberg nennt die Trassenführung durch die Weinberge "nicht akzeptabel". Heidelberg hatte sich zuvor für die Variante "Nussloch-Süd" ausgesprochen und ermuntert seine Bürger, die zweite Öffentlichkeitsbeteiligung zu nutzen, die jetzt beginnt.

Erleichterung in Nussloch

Nusslochs Bürgermeister Joachim Förster (parteilos) ist erleichtert, dass die Route über Nussloch-Süd vorerst nicht infrage kommt.

"Wir hätten uns dem Projekt gegenüber nicht verschlossen, gleichzeitig haben wir aber von Anfang an gesagt, dass es auf unserer Gemarkung sicherlich nicht einfach wird."

Förster vermutet hinter der Entscheidung von terranets bw auch wirtschaftliche Gründe. Die Route über Nussloch-Süd wäre sechs Kilometer länger gewesen und damit sicherlich um einen zweistelligen Millionenbetrag teurer, so der Bürgermeister.

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