Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit "Sp" am Anfang an eine Tafel.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

"Kabinettsabend" beschlossen

Kretschmann wegen BW-Ergebnis in Bildungsstudie "tief beunruhigt"

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Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann ist besorgt über das schlechte Abschneiden baden-württembergischer Grundschüler. Er warnt aber auch vor eingefahrenen Lösungsansätzen.

Als "nicht akzeptabel" hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) das Ergebnis der jüngsten sogenannten IQB-Bildungsstudie bezeichnet. Das schlechte Abschneiden der baden-württembergischen Grundschülerinnen und Grundschüler habe ihn "tief beunruhigt", sagte Kretschmann am Dienstagmittag bei der Regierungspressekonferenz in Stuttgart. Alle Regierungsmitglieder würden seine Meinung teilen. Daher, so Kretschmann, habe das Kabinett einen sogenannten Kabinettsabend zu dem Thema beschlossen. "Wir nehmen das sehr ernst."

Was sich hinter einem "Kabinettsabend" verbirgt, sagte der Ministerpräsident nicht. Ein Sprecher des Staatsministeriums erklärte den Begriff später: "(Ein) Kabinettsabend ist ein in loser Reihenfolge angesetzter vertiefter monothematischer Austausch mit Experten zu einem wichtigen Thema, das mehrere Ressorts betrifft und einer intensiven Auseinandersetzung abseits der gewohnten Kabinettsstrukturen bedarf."

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Kretschmann verwies darauf, dass Baden-Württemberg neben Bremen die höchste Quote an Schülerinnen und Schüler mit einer Migrationsgeschichte hat. Außerdem habe die Leistung der Kinder offenbar in allen Ländern abgenommen. Das alles habe auch mit der Coronapandemie, Schulschließungen und Fernunterricht zu tun, sei aber keine neue Entwicklung.

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Nicht "auf alte Kamellen" setzen

Bei der Suche nach Lösungen warnte Kretschmann davor, "auf alte Kamellen" zu setzen. So wies er den Vorwurf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zurück, der Lehrermangel an den Grundschulen in Baden-Württemberg sei der Hauptgrund für das schlechte Abschneiden der Schülerinnen und Schüler bei der Studie. Die Studie gebe das nicht her. Dem Problem könne nicht mit mehr Quantität, sondern nur mit mehr Qualität zu Leibe gerückt werden, so Kretschmann.

Frühkindliche Bildung im Blick

Um diese Qualität zu erreichen, habe die Regierung schon vor längerer Zeit die Weichen gestellt. Kretschmann erinnerte daran, dass das Land nach dem Absturz bei der Studie 2016 zwei wissenschaftliche Institute gegründet und eine Reihe von Maßnahmen ergriffen habe, um die Basiskompetenzen in Deutsch und Mathe zu stärken. "Man sieht, dass wir darauf reagiert haben, aber wir haben noch viel zu tun." Die Regierung müsse den Blick vor allem auf die frühkindliche Bildung lenken. Jedoch dauere es erfahrungsgemäß sehr lange, bis ergriffene Maßnahmen wirkten. Das sei ein "Dilemma der Politik".

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