Die Seifermanns in Ottersweier produzieren Schweinefleisch (Foto: SWR, SWR, Cornelia Stenull)

Regional und direkt vom Bauer

Gutes Schweinefleisch aus konventionellem Betrieb - so klappt es in Ottersweier

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Cornelia Stenull

Die Zeiten von billig und viel in Sachen Fleisch sollten eigentlich vorbei sein. Daran will der "Tag des guten Fleisches“ am 16. Juli erinnern. Wie stehen Verbraucher und Landwirte dazu?

Auch wenn viele Discounter in letzter Zeit wieder mit Fleisch zu Dumpingpreisen geworben haben, hat sich in Sachen Fleisch bei manchen Verbraucherinnen und Verbrauchern doch einiges verändert. Viele essen inzwischen bewusster und auch weniger davon. Wenn, dann gerne regional und aus der Direktvermarktung vom Bauern.

Schweinefleisch - aus dem Stall in die hauseigene Metzgerei

Genau darauf hat sich Bauer Michael Seifermann aus Ottersweier bei Bühl (Kreis Rastatt) spezialisiert: Das Schweinefleisch, das in der hauseigenen Metzgerei verkauft wird, kommt direkt aus dem kleinen Familienbetrieb.

Damit die Qualität stimmt und auch die Tiere etwas davon haben, hat Michael Seifermann in einen Tierwohlstall investiert. Fast eine halbe Million Euro hat ihn das gekostet - finanziert durch Zuschüsse vom Land und durch private Kredite bei der Bank. Seit Frühjahr 2021 leben seine 400 Schweine jetzt dort.

Auf dem Hof der Seifermanns in Ottersweier leben Schweine in einem Tierwohlstall (Foto: SWR, SWR, Cornelia Stenull)
Auf dem Hof der Seifermanns in Ottersweier leben die rund 400 Schweine in einem Tierwohlstall. SWR, Cornelia Stenull Bild in Detailansicht öffnen
Tierwohlstall für die Schweine heißt mehr Platz für die Tiere und Einstreu auf dem Boden. SWR, Cornelia Stenull Bild in Detailansicht öffnen
Die Schweine haben mehr Platz, sie können jederzeit auch in die Außenbox. SWR, Cornelia Stenull Bild in Detailansicht öffnen
Auch das Futter für die Schweine wird auf dem Hof angebaut, gelagert und verfüttert. Wie hier getrockneter, gepresser Mais. SWR, Cornelia Stenull Bild in Detailansicht öffnen
Im Familienbetrieb der Seifermanns in Ottersweier wird Fleisch in guter Qualität produziert - regional und per Direktvermarktung. SWR, Cornelia Stenull Bild in Detailansicht öffnen

Tierwohlstall - mehr Platz und Frischluft für die Schweine

Momentan erfüllt der Stall die Kategorie 3 mit Tendenz zur 4 - das heißt unter anderem mehr Platz für die Tiere: Die Schweine können raus in die Außenboxen, haben mehr Futterstellen und liegen auf Stroh. Die Folgen der besseren Haltung machen sich direkt bemerkbar.

"Die Tiere sind jetzt richtig agil und lebendig bei uns im Stall durch den neuen Auslauf. Jetzt macht es richtig Arbeit, die Tiere einzufangen. Das ist schon eine Veränderungen zum neuen Tierwohlstall."

Fleisch wird in der Wurstküche selbst verarbeitet

Für eine gute Fleischqualität braucht es auch gutes Futter. Im Familienbetrieb der Seifermanns kümmert sich der Bruder darum. Mais, Gerste und genfreies Soja - alles wird auf dem Hof angebaut und an die Schweine verfüttert. Rund sechs Monate bleiben die Tiere im Stall bis sie geschlachtet werden.

Dafür werden sie zum Schlachter nach Bühl gefahren, etwa fünf Kilometer entfernt. Direkt danach werden die Schweinehälften in der eigenen Wurstküche verarbeitet - zu Schnitzel, Steaks oder Wurst.

Gute Qualität kostet Geld - auch für die Verbraucher

Der neue Tierwohlstall hat sich auch auf den Preis beim Fleisch niedergeschlagen. Rund zwei Euro mehr kostet jetzt das Kilo Schweinefleisch. Ehefrau Anja Seifermann, die in der Metzgerei hinter der Theke steht, ist aber zufrieden. Ihre Kunden schätzen die regionalen Produkte direkt vom Hof.

"Die Kunden kaufen bewusster ein, aber eingekauft wird."

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