Storchenpaar auf einem Dach in Stollhofen

Sterblichkeitsrate bis zu 95 Prozent

Dauerregen bedroht Nachwuchs bei den Störchen im Kreis Rastatt

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Patrick Neumann
Hannah Radgen

Das derzeit regnerische Wetter kann für Tiere zum Problem werden. Besonders Jungstörche können nach Angaben der Storchenbeauftragten aus dem Kreis Rastatt davon betroffen sein.

Viel Regen kann nicht nur für uns Menschen zum Problem werden, auch für Tiere und deren Nachwuchs. Besonders den Störchen setzen die Wassermassen zu, sagen die Storchenbeauftragten aus dem Kreis Rastatt.

Daunenkleid der Jungstörche saugt sich mit Wasser voll

Dass die Jungstörche das überwiegend feuchte Wetter nicht gut vertragen, liegt daran, dass sie noch nicht groß genug sind, um mit der anhaltenden Nässe zurechtzukommen. Die wenige Wochen alten Störche haben noch keine Federn, an denen das Wasser abperlen könnte. Ihr Daunenkleid saugt sich mit Regenwasser regelrecht voll und durchnässt die Tiere bis auf die Haut. Die Folge des Dauerregens: Die Storchenjungen trocknen nicht mehr richtig und sterben an Unterkühlung. Sind die Jungen älter als vier Wochen, sind sie so groß, dass die Eltern sie auch nicht mehr mit ihren Flügeln vor dem Regen schützen können.

Außerdem finden sich in vielen Horsten, wie man die Nester der Störche nennt, Reste von Kunststoffplanen, die das Wasser im Horst halten. "Manche der Tiere ertrinken regelrecht", sagt die Storchenbeauftragte Elke Henschel. Doch das seien Einzelfälle, führt sie weiter aus.

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60 bis 95 Prozent der Jungstörche sterben

Einen derart verregneten Mai habe es schon lange nicht mehr gegeben, so die Storchenbeauftragten des Landkreises Rastatt, Elke Henschel und Stefan Eisenbarth. Die beiden Experten bekommen von überall her Meldungen, dass Jungtiere gestorben seien. Im Landkreis kümmern sie sich insgesamt um über 100 Horste. In jedem Horst finden sich im Schnitt etwa ein bis drei Jungtiere. Sie rechnen damit, dass 60 bis 95 Prozent des Storchennachwuchses bereits gestorben ist.

Noch nicht geschlüpfte Tiere haben gute Chancen, weil sich das Wetter bald bessern wird. Leider gibt es nicht sehr viele spät brütende Störche im Kreis Rastatt.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für die noch nicht geschlüpften Störche. Sie haben noch gute Chancen zu überleben, meinen die Storchenbeauftragten, weil die Wetterprognosen ab Mitte der Woche deutlich besser sind. Die Storchenpopulation sei insgesamt trotz der vielen verstorbenen Jungtiere noch nicht gefährdet, so Stefan Eisenbarth. In den ersten Lebensjahren der jungen Störche würden nur etwa 30 Prozent überleben.

Man muss die Natur irgendwo auch Natur sein lassen. So bitter es ist, gehört es dann auch dazu, dass Jungstörche sterben müssen.

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