Kalender der Firma Würth mit Fotomodels (Foto: Twitter Account Natalie Amiri)

Würth stellt Modelkalender endgültig ein

Noch zeitgemäß oder frauenfeindlich? Hitzige Twitter-Debatte um Würth- und Liqui Moly-Kalender

STAND

Ein Jahreskalender mit leicht bekleideten Frauen, der in Werkstätten oder Firmen an der Wand hängt: Über den Kalender 2022 der Adolf Würth GmbH wird bei Twitter hitzig debattiert.

Auch der Liqui Moly-Kalender 2021 steht im Zentrum der Diskussion. Der Ulmer Schmierstoffhersteller gehört seit 2018 komplett zur Würth-Gruppe. Im Monat Dezember etwa sind in dem Kalender Frauen mit Netzstrümpfen und mit nur einem Tanga bekleidet zu sehen.

Die ARD-Journalistin Natalie Amiri hatte auf ihrem privaten Twitter-Account die Diskussion losgetreten. Bei einem Besuch in einer Firma in Bayern machte sie zwei Schnappschüsse von den Kalendern an der Wand. In ihrem privaten Post schreibt die Journalistin:

"What the f…... Gerade in einer Firma hängen gesehen. Dachte sind Relikte aus den 80‘s. Aber die sind ernsthaft von 2021 und 2022!!!! Das sowas noch von Firmen verschickt wird…"

What the f…... Gerade in einer Firma hängen gesehen. Dachte sind Relikte aus den 80‘s. Aber die sind ernsthaft von 2021 und 2022!!!! Das sowas noch von Firmen verschickt wird… https://t.co/U9TK5zfXLQ

Vorwurf: "Frauen zu Sexobjekten degradiert"

Auf den Post gab es mittlerweile über 2.800 Kommentare, die ganz unterschiedlich ausfallen. Eine Nutzerin schreibt etwa: "Hieran erkennt man, Frauen werden noch immer zu Sexobjekten degradiert und in diese Rolle gepresst, mithin benachteiligt dadurch." Ein anderer Kommentar lautet: "Es geht nicht um die abgelichteten Menschen. Es geht darum, dass Firmen diese Darstellungen für Werbezwecke verwenden."

Wieder ein anderer Twitter-Nutzer schreibt: "Wieso aus den 80´s? Instagram ist heute voll mit Millionen von Frauen, die für Likes und etwas Öffentlichkeit ihre Körper zur Schau stellen und damit kommerziell unterwegs sind. Warum darf dann eine Firma keinen Kalender verschicken?"

Ein anderer Twitter-User kommentiert: "Der Würth Kalender ist ein schlechts Beispiel. Seit Jahren gespickt mit internationalen Topmodels. Regt sich ja auch keiner auf wenn die halbnackt in Mailand das neuste "Stöffsche" präsentieren. Gibt mit Sicherheit schlimme Kalender, diese nicht."

Kalender von Liqui Moly mit Fotomodels (Foto: Twitter Account Natalie Amiri)
Der Liqui-Moly-Kalender 2021. Twitter Account Natalie Amiri

Würth: "klassische Rollenverteilung" hebe sich mehr und mehr auf

Die Diskussion um die Modelkalender hat auch der Schraubenmulti Würth mitbekommen. Wie eine Unternehmenssprecherin auf SWR-Anfrage mitteilt, gibt es den Kalender künftig nicht mehr. Diese Entscheidung fiel allerdings schon im vergangenen Jahr.

"Zum Jahreswechsel 2021/2022 wurde die letzte Auflage des Würth Modelkalenders in beiden Versionen (Frauen- und Männerkalender) verteilt - beide Kalender wurden eingestellt."

Als Grund nennt das Familienunternehmen die "klassische Rollenverteilung", die sich immer mehr aufhebe. Berufsbilder würden immer weniger im Verständnis von klassischen Rollenmodellen besetzt. Das unterstütze auch Würth.

Neben dem Kalender mit weiblichen Models hatte Würth allerdings bereits seit 2003 auch einen Jahreskalender mit männlichen Models herausgegeben.

"Der respektvolle und wertschätzende Umgang miteinander ist zentraler Bestandteil der Unternehmenskultur der Würth-Gruppe und das Thema Diversität spielt für uns eine wichtige Rolle."

Die Chancengleichheit von Menschen, unabhängig von sexueller Identität, Hautfarbe, ethnischer Herkunft, Behinderung, Alter oder Religion sei Würth sehr wichtig. "Dies ist auch verbunden mit der konsequenten Entscheidung, den Modelkalender (Männer und Frauen) nicht mehr zu produzieren." Auf SWR-Nachfrage teilt Würth außerdem mit, dass der Liqui Moly-Kalender schon für dieses Jahr nicht mehr produziert worden sei.

Würth-Kalender hatte hohe Auflage

Ein Blick zurück zeigt, wie gefragt und beliebt der Kalender offenbar war. Im Jahr 2016 teilte Würth etwa mit, den Modelkalender könne jedermann jetzt auch für 25 Euro bestellen. Inhaltlich setze der "neue Kalender auf mehr Natürlichkeit". Fotograf Stefan Würth aus New York setze die Models auf ungekünstelte Art und Weise in "überwiegend alltäglichen Momenten in Szene".

Außerdem teilte Würth damals mit: "Die begehrten Kalender werden mit steigender Auflage in Deutschland oder Italien gedruckt. Im Jahr 2016 werden genau 745.630 Kalender an Würth Kunden in 61 Ländern verteilt. Seit 2003 erscheint auch ein Würth Modelkalender mit männlichen Models, (…)."

STAND
AUTOR/IN
SWR