Preissenkung bei Lidl für Fleischersatz: Zu sehen ist der Parklpatz einer Lidl-Filiale. Im Hintergrund ist der Supermarkt zu sehen und das gelb-blau-rote Lidl-Schild.

Alles nur Marketing?

Warum Discounter Lidl die Preise seiner veganen Eigenmarken senkt

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Alexander Dambach
Raphael Moos

Beim Discounter Lidl mit Sitz in Bad Wimpfen sollen Produkte der veganen Eigenmarken in Zukunft genauso viel kosten wie das Fleisch-Pendant. Das steckt hinter der Preissenkung.

Der Discounter Lidl mit Deutschlandsitz in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) hat die Preise seiner veganen Eigenmarken nach eigenen Angaben im Schnitt um rund 20 Prozent gesenkt. Die Preise sollen an das Vergleichsprodukt aus Fleisch gekoppelt sein.

Für Professor Carsten Demming, dem Studiengangsleiter im Bereich "Food Management" an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn, steckt dahinter vor allem ein geschicktes Marketing. Denn der Markt habe zweistellige Wachstumsraten und Lidl wolle als Hersteller und Händler in diesem Segment mitwachsen, so Demming.

Der Preis überlagert die Nachhaltigkeit von Fleischersatz

In Zeiten hoher Inflation steige die Bedeutung des Preises. Dieser überlagere auch den Megatrend Nachhaltigkeit. Der Zeitpunkt der Preissenkung sei daher ideal, so der Professor. Dass Lidl originale Fleischprodukte und Fleischersatz jetzt direkt nebeneinander im Regal positioniert, führe bei nun gleichem Preis sicher zu einer Stärkung des Absatzes der Alternativen, meint Demming. Er geht auch davon aus, dass andere Supermarkt-Ketten und Discounter nachziehen.

Preissenkung bei Lidl für Fleischersatzprodukte. Zusehen sind vegane Bratwürste und vegane Paprikawurst der Marke Vemondo.
Vegane Produkte von Lidl der Eigenmarke Vemondo

Wieso kann Lidl die Preise für Fleischersatz senken?

Die Preissenkung betreffe bei Lidl vor allem Eigenprodukte, die die Schwarz-Gruppe selbst herstelle. Lidl kontrolliere dort die gesamte Wertschöpfungskette und da gebe es natürlich "gewisse Puffer", so Demming.

Bislang ist Fleischersatz oft teurer. Zum einen sind die Mehrwertsteuersätze oft höher als bei Fleisch. Zum anderen gibt es in der Fleischindustrie etablierte große Betriebe, die sehr effizient und in großen Mengen produzieren können. Fleischersatz wird oft von Start-ups hergestellt, die aber wachsen. Demming geht davon aus, dass in Zukunft Fleischersatz sogar günstiger als Fleisch produziert werden kann.

Woraus besteht Fleischersatz?

Laut einer Untersuchung der Albert Schweitzer Stiftung sind die am häufigsten eingesetzten Grundzutaten Soja (45 Prozent) und Weizen (39 Prozent). Mit größerem Abstand folgen Lupinen (5 Prozent), Milch (5 Prozent), Erbsen (2,5 Prozent) und Hühnereier (2,5 Prozent). Darüber hinaus gibt es weitere Grundzutaten wie beispielsweise Jackfruit, Pilze, Quorn und schwarze Bohnen. Damit die Produkte Fleisch ähneln, werden häufig viele Zusatzstoffe gebraucht. Das macht Fleischersatz meist zu einem hoch verarbeiteten Produkt. Darüber hatte der SWR unter anderem im Februar berichtet:

Ist Fleischersatz gesund?

Ob Fleisch oder Fleischersatzprodukte gesünder sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Denn es gibt eine große Bandbreite an Zusammensetzungen und den Graden der Verarbeitung. Einen ausführlichen Vergleich gibt es zum Beispiel hier von der Albert Schweitzer Stiftung. In der Regel liefern sowohl Ersatzprodukte als auch Fleisch hochwertige Proteine. Beim Fettgehalt schneiden die Alternativen sogar besser ab: Sie enthalten weniger Fett und kaum gesättigte Fettsäuren. Der Salzgehalt ist in beiden Fällen eher kritisch. Die Sendung Doc Fischer hatte sich im August 2022 mit der Frage beschäftigt, wie gesund eigentlich veganer Fleischersatz ist.

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