Pressekonferenz zum Jubiläum 25 Jahre Regionalbüro Heilbronn des Wohlfahrtswerks (Foto: SWR)

25 Jahre Vermittlung in Heilbronn

Freiwilliges Soziales Jahr - Orientierung, Spaß und Verantwortung

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Seit 25 Jahren vermittelt und betreut das Regionalbüro des Wohlfahrtswerks in Heilbronn Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst.

Für viele Kindergärten, Menschen mit Behinderung, Pflegeheime und andere sind sie ein Segen - die Menschen, die sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) entscheiden. Seit 1997 gibt es das Regionalbüro in Heilbronn, mit 34 Freiwilligen sind sie damals gestartet - heute sind es 343. In dem Gebiet, welches sich vom Kraichgau bis Würzburg erstreckt, gibt es mittlerweile 164 Einrichtungen, die FSJ- oder Bufdi-Stellen anbieten.

Olivia Otremba ist fast fertig mit ihrem FSJ. Sie hat es im Zentrum für Psychiatrie Weinsberg im Klinikum am Weissenhof (Kreis Heilbronn) absolviert. Nach dem Abi wollte sie eine Pause vom Lernstress, außerdem galt es herauszufinden, ob ein Psychologiestudium etwas für sie sein könnte. Sie ist begeistert, will ein FSJ weiterempfehlen.

Olivia Otremba (Foto: SWR)
Olivia Otremba 2022

Freiwilliges Soziales Jahr - Viel mehr als ein Praktikum

Anders als in einem Praktikum werden die Schützlinge vom Wohlfahrtswerk im FSJ begleitet. Sechs Pädagoginnen stehen ihren Schützlingen zur Seite, wenn es mal kniffelig wird oder Krisen zu bewältigen sind. Zum Beispiel im Umgang mit dem Tod von Patienten. Es gibt Seminare, in denen man gemeinsam kreativ ist, Entspannungsübungen lernt oder auch gesellschaftspolitische Themen diskutiert, erklärt Sandra Schadt, die solche Seminare leitet.

Olivia Otremba wurde von ihrem Umfeld unterstützt. Bei Annalena Leu waren die Vorbehalte der Eltern anfangs größer. Doch die Zeit habe sie überzeugt, sagt die 26-Jährige. Sie hat 2015 ihr FSJ in Weinsberg gemacht, danach eine Ausbildung und jetzt das berufsbegleitende Studium hier. Das FSJ ist ein gutes Sprungbrett als Berufseinstieg, findet der Personaldirektor der Klinik, Roland Kuttner. Über 30 Plätze in ganz verschiedenen Bereichen bietet die Klinik dieses Jahr an.

Personaldirektor: "FSJler keine billigen Lückenfüller in der Pflege"

Gerade in der Pflege wird viel über Personalnot geklagt, da drängt sich der Verdacht auf, dass mit den Freiwilligen manche Lücke gestopft wird. Für das Klinikum in Weinsberg weist Kuttner das zurück. Die FSJ-Stellen seien "on top" zur regulären Personalplanung. Für das Klinikum sehe die Personalsituation auch dank der eigenen Fachschule für Pflege gar nicht schlecht aus. Viele der Auszubildenden würden direkt übernommen.

Einen Boom erlebten die FSJ-Stellen nach der Einführung von G8 im Schulsystem. Einen zweiten im vergangenen Jahr, da Auslandsaufenthalte durch die Pandemie erschwert waren. Wir versuchen das hohe Niveau zu halten, sagt Stefanie Adam. Die Nachfrage bei den Einrichtungen sei da und es gebe auch genug Bewerberinnen und Bewerber.

20 Prozent der Freiwilligen mit Migrationshintergrund

Bei der Zusammensetzung der Freiwilligen fällt auf, dass der Anteil der Frauen bei 73 Prozent liegt. Adam hofft, dass dieses Verhältnis ausgewogener wird. "Schauen sie sich mal einen männlichen FSJler in einer Kita an, der ist der Star bei den Kindern, vor allem bei den Jungs!", schwärmt die Büroleiterin. Die gesellschaftliche Zusammensetzung sei sonst eher bunt. Da gibt es die klassische Abiturientin, die auf den Studienplatz in Medizin wartet und auch Jugendliche mit Real- und Werkrealschulabschluss. Rund ein Fünftel der Freiwilligen hat einen Migrationshintergrund, was aber auch mit der Bevölkerungsstruktur in Heilbronn zusammenhängen könnte, so Adam.

Hauptmotivation sind nach wie vor Orientierung finden und etwas "sinnvolles" tun, aber auch die Anreize und Vorteile bei der Vergabe von Studienplätzen spielen eine Rolle. In manchen Fächern wie Medizin oder sozialen Berufen gibt ein FSJ Punkte oder gilt als Vorpraktikum. Beliebt sind bei den Jugendlichen auch die Möglichkeiten (sofern vorhanden) in oder an der Einrichtung zu wohnen. Die Vergütung in Baden-Württemberg setzt sich aus einem Taschengeld von mindestens 320 Euro und einem Verpflegungskostenzuschuss von 40 Euro sowie dem "Sunshine-Ticket" zusammen.

Nur ganz wenige brechen ab

Die Abbrecherquote liegt bei etwa 5 Prozent, sagt Adam. Meistens weil die Freiwilligen doch noch einen Studienplatz oder einen Ausbildungsvertrag bekommen. Nur wenige hörten auf, weil die FSJ-Stelle nichts für sie ist.

Über das Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg

Mit rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Jahrgang ist das Wohlfahrtswerk einer der größten Träger des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in Baden-Württemberg und gleichzeitig Träger des Bundesfreiwilligendienstes.

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