Jakobinergericht auf dem Konstanzer Obermarkt: Angeklagte muss Guillotine fürchten

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Hildegard Eichenhofer
Hildegard Eichenhofer SWR Autorin Bild (Foto: SWR, Leander Bauer)

Die Konstanzer Jakobiner gibt es seit den 1970er-Jahren. Die Narrengemeinschaft geht auf die Französische Revolution zurück. Am Schmotzigen Dunschtig halten sie auf dem Obermarkt das Jakobiner-Tribunal ab. Dabei droht dem oder der Angeklagten die Guillotine.

Jakobinergericht in Konstanz auf dem Obermarkt hat Regina Graf-Martin angeklagt (Foto: SWR, Eichenhofer)
Der Ankläger macht keine langen Umschweife: Er will den Kopf der Angeklagten. Schlimmes habe sie sich zu Schulden kommen lassen. "Vorsätzliche Niederstreckung immaterieller Kulturgüter aus selbstherrlichen Motiven." Soll heißen: Die Erzieherin Regina Graf-Martin habe sich in den Ruhestand verabschiedet. Und nun fehle es an Personal, das die Kleinsten, den sogenannten Narrensamen, auf die Fastnacht einschwört.
Jakobinergericht in Konstanz auf dem Obermarkt hat Regina Graf-Martin angeklagt (Foto: SWR, Eichenhofer)
Dass das Jakobiner-Tribunal keine Gnade kennt, demonstriert es zu Beginn vor hunderten von Zuschauern. Die Guillotine wird in Gang gesetzt.
Jakobinergericht in Konstanz auf dem Obermarkt hat Regina Graf-Martin angeklagt (Foto: SWR, Eichenhofer)
Doch dann bekommt Verteidigerin Claudia Zähringer das Wort. Sie findet die Anklage an sich schon eine große Narretei. Sie lobt die Verdienste der ehemaligen Erzieherin des Münster-Kindergartens. Es komme nur Freispruch in Frage.
Jakobinergericht in Konstanz auf dem Obermarkt hat Regina Graf-Martin angeklagt (Foto: SWR, Eichenhofer)
Auch ein Zeuge - scheinbar aus dem zuschauenden Volk - hält Fürsprache für die Angeklagte. Sie habe in ihrem Leben so viel geredet, nun habe sie keine Worte mehr und dürfe in den wohlverdienten Ruhestand. Der Fürsprecher, Münster-Dekan Michael Teipel, plädiert ebenfalls auf Freispruch.
Jakobinergericht in Konstanz auf dem Obermarkt hat Regina Graf-Martin angeklagt (Foto: SWR, Eichenhofer)
Auch ein kleiner Junge tritt in den Zeugenstand des Jakobinergerichts. Obernarr Norbert Heizmann als Kindergartenkind bringt seine tiefe Enttäuschung über den Ruhestand von Erzieherin Regina zum Ausdruck. Völlig ohne Orientierung sei nun. Wer solle ihm jetzt was Gescheites beibringen? Ohne sie würde er als Erwachsener womöglich gar in der Konstanzer Stadtverwaltung landen. Der kleine Bub schluchzt und redet sich in Rage, bis er am Ende vor lauter Enttäuschung für die Guillotine stimmt.
Jakobinergericht in Konstanz auf dem Obermarkt hat Regina Graf-Martin angeklagt (Foto: SWR, Eichenhofer)
Schließlich darf die Angeklagte auch noch etwas sagen. Sie knöpft sich den Ankläger vor, der schon als Kind bei ihr im Kindergarten war. Sie versohlt ihm den Hintern, umstimmen kann sie ihn aber damit nicht.
Regina Graf-Martin ist vor dem Jakobinergericht in Konstanz angeklagt (Foto: SWR)
Regina Graf-Martin verteidtigt sich tapfer weiter.
Jakobinergericht in Konstanz auf dem Obermarkt hat Regina Graf-Martin angeklagt (Foto: SWR, Eichenhofer)
Am Ende entgeht die Angeklagte Regina Graf-Martin der Guillotine. Der Richter verpflichtet sie aber zum nächstjährigen Jakobiner-Konvent. Dort müsse sie dann mit zehn Kindern zehn verschiedene Narrensprüche aufsagen. Eine "Strafe", die sie gerne annimmt.