Ein Seismograph stellt Erdbeben graphisch dar. (Foto: dpa Bildfunk, AA | Suryanto)

Nach Beben im Elsass

Erdbeben in BW: Warum die Erde nicht zur Ruhe kommt

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Johannes Böhler

Auch in Baden-Württemberg gibt es Gebiete, in denen die Erde häufiger bebt. Wie die Beben entstehen und wie man sich am besten schützt, erklärt der Experte Stefan Stange.

Am Wochenende hat sich im Elsass ein Erdbeben ereignet, die Erschütterungen waren zum Teil bis nach Tübingen zu spüren. Aber wie entstehen Erdbeben eigentlich und wie misst man ihre Stärke? Dr. Stefan Stange, der Leiter des Landeserdbebendienstes Baden-Württemberg, weiß Bescheid.

Bewegungen der Kontinentalplatten erzeugen Spannung

"Bei uns in Baden-Württemberg entstehen Erdbeben, weil sich die Kontinentalplatten von Europa und Afrika gegeneinander bewegen", erklärt Stange. Dabei entstehe eine extreme Spannung. Und wenn unter dieser Spannung tief unter der Erde Gesteinsschichten zusammenbrechen, sei das mitunter auch an der Erdoberfläche zu spüren - die Erde bebt. Als das am besten sichtbare Beispiel für die Auswirkungen der Plattenbewegung nennt Stange die Alpen. Zwar liegt die eigentliche Kollisionszone laut dem Experten unterirdisch etwa auf der Höhe Norditaliens, doch auch Baden-Württemberg bekomme noch einen Rest der Spannung zwischen den Kontinentalplatten ab.

So wird die Stärke der Beben gemessen

Die Stärke von Erdbeben wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die man Seismologinnen und Seismologen nennt, mit Instrumenten, die Seismometer genannt werden, als Magnitude gemessen. "Dabei kommt die berühmte Richterskala, die vor mittlerweile fast 100 Jahren entwickelt wurde, zum Einsatz", sagt Stange. "Wir messen, wie viel Energie bei einem Erdbeben in Form von Schallwellen im festen Gestein freigesetzt wird."

Ab wann es gefährlich wird

Und ab welchem Wert auf der Richterskala wird es gefährlich? "Pauschal kann man das nicht beantworten", sagt Stange. Die schwersten Erdbeben, wie zum Beispiel jenes, das sich im Jahr 2004 in Indonesien ereignete, erreichten einen Wert von über 9. Spürbar seien Erdbeben in der Regel bereits ab einer Stärke von 2. "Erste Schäden an Gebäuden treten unserer Erfahrung nach ab Magnitude 4 bis 5 auf", sagt Stange. Das sei auch bei dem Erdbeben vom Wochenende im Elsass der Fall gewesen, dessen Stärke in Frankreich in der Nähe des Epizentrums, also des Erdbeben-Ausgangspunkts, mit 4,7 gemessen worden war.

"Allerdings ist die Magnitude nur eine Zahl - die Auswirkungen können ganz unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wie tief oder wie weit das Epizentrum entfernt liegt", erklärt Stange. Deshalb werde zur Beschreibung von Auswirkungen ein anderes Messsystem verwendet: die Intensität.

Schwachstellen der Erdkruste erzeugen Risikogebiete

Erdbebenrisikogebiete gibt es auch in Baden-Württemberg. "Die sichtbarste Schwächezone der Erdkruste im Land ist der Oberrhein-Graben", sagt Stange. "Eine solche Schwächezone der Erdkruste muss es auch auf der Schwäbischen Alb bei Albstadt geben", erklärt der Erdbebenexperte. "Allerdings ist sie in der Landschaft nicht zu erkennen. Dass sie da sein muss, wissen wir nur, weil die Erde dort häufig bebt - den genauen Grund dafür kennen wir nicht."

Die Häufigkeit schwerer Erdbeben sei - global betrachtet - für Süddeutschland relativ gering, erklärt der Experte. Als "Jahrzehnterdbeben" gelte etwa das Beben von Waldkirch (Kreis Emmendingen) aus dem Jahr 2004 mit einer Magnitude von 5,4. Schwerere Erdbeben habe es seit Beginn der Aufzeichnungen in Baden-Württemberg bisher nur in drei Jahren gegeben: 1978, 1943 und 1911. Mutmaßlich seien die Erdbeben von 1943 und 1911 noch stärker gewesen als das von 1978, schätzt Stange. Jedoch seien die Aufzeichnungsmöglichkeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch deutlich schlechter gewesen, weshalb die Messungen vermutlich nicht exakt gewesen seien.

Auch in Liechtenstein hat kürzlich die Erde gebebt. Und zwar ausgerechnet in dem Moment, in dem der Landtag über eine Erdbebenversicherung debattierte:

So schützt man sich am besten

Wie sollte man sich also verhalten, wenn die Erde in Baden-Württemberg bebt? "Ich würde nicht nach draußen rennen", sagt Experte Stange. "Denn bei leichteren Erdbeben ist die größte Gefahr, dass einem genau dabei ein Dachziegel oder ein abbrechendes Stück Fassade auf den Kopf fällt." Ratsamer sei es, sich an eine geschützte Stelle zu begeben, an der keine herabfallende Objekte den Kopf treffen könnten, wie etwa unter einen stabilen Tisch. Wer sich bei einem Erdbeben bereits im Freien befinde, sollte demnach entsprechenden Abstand zu Gebäuden halten.

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