Eine Auszubildende in einem Malerbetrieb (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Molter)

viele Stellen unbesetzt

Ausbildungsstart in Baden-Württemberg: weiterhin zu wenig Auszubildende

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Zum Ausbildungsstart im September gibt es noch viele freie Stellen im Land. Laut dem Handwerkstag Baden-Württemberg war die Lage aber auch schon schlimmer.

Die neuen Jahrgänge starten mit dem September in die Ausbildungsberufe - doch wieder bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt. Laut Handwerkstag BW entspannt sich allerdings die Situation. Trotzdem sei das Vor-Krisen-Niveau wohl lange noch nicht erreicht.

Peter Haas, der Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstags, sagte im SWR, dass die Situation allerdings nicht ganz so schlimm sei wie zunächst befürchtet. Man erhole sich langsam von der Pandemie.

Corona-Pandemie als Grund des Azubimangels?

Die Vizepräsidentin der Industrie und Handelskammer Baden-Württemberg (IHK), Marjoke Breuning, sieht den Bewerbungsrückgang als eine Folge der Corona-Pandemie: Diese habe viele junge Menschen bei der Zukunftsplanung verunsichert und von Bewerbungen abgehalten, so Breuning am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Stuttgart.

Demnach starten im Bereich der IHK Baden-Württemberg im September gut 40.500 Menschen mit ihrer Ausbildung. Das entspricht einem Rückgang von fast fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich mit 2019, dem letzten Ausbildungsjahr vor Corona, beträgt der Rückgang sogar 20 Prozent. Etwas besser geht es der wirtschaftsstarken Region Stuttgart mit einem leichten Minus von 0,8 Prozent. Doch selbst hier sind die Zahlen zum zweiten Mal rückläufig. Eine Entwicklung, die der IHK nach eigener Aussage Sorge bereitet, auch wenn der Unterschied zwischen den beiden Corona-Jahren nicht mehr ganz so groß sei wie der vor und während der Pandemie.

Viele Betriebe stehen ohne Auszubildende da

Auch in Heilbronn ist Ausbildungsbeginn, aber der Bäckermeister könne eben nur dann ausbilden, wenn jemand zum Ausbilden da sei. "Es herrscht ein Lehrlingsmangel, wir kämpfen um jeden Lehrling", sagte Bernhard Kuhn, der Obermeister der Heilbronner Bäckerinnung, dem SWR.

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Forderung nach "Tag des Handwerks" an Schulen - Politik reagiert verhalten

Um das Handwerk zu stärken, fordert die Handwerkskammer Region Stuttgart, an allgemeinbildenden Schulen zur Berufsorientierung einen "Tag des Handwerks" einzurichten. Zu wenig Bewerberinnen und Bewerber gibt es den Angaben nach besonders im Friseur- und Lebensmittelhandwerk sowie bei Metallbauunternehmen. Vorbild für die Forderung der Stuttgarter Handwerkskammer ist Bayern, wo Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen ab dem kommenden Schuljahr einen solchen Tag absolvieren sollen.

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Kultus- und Wirtschaftsministerium haben verhalten auf diese Forderung reagiert. Baden-Württemberg habe ein großes Angebot im Bereich der beruflichen Orientierung, das auch das Handwerk einschließe, teilte ein Sprecher des Kultusministeriums auf Anfrage mit. Weitere Maßnahmen seien möglich, sofern dies notwendig sei. "Hier sind auch Tage mit speziellen Schwerpunkten eine Möglichkeit, die man jedoch erst einmal gemeinsam mit den Partnern planen und organisieren und auch im Schulkalender unterbringen muss."

Das Wirtschaftsministerium verwies auf den "Tag der Beruflichen Orientierung", mit dem ein gutes und zielführendes Angebot bereitstehe, das selbstverständlich auch das Handwerk umfasse. Eventuelle Ergänzungen der Angebote wären gegebenenfalls mit allen Beteiligten zu erörtern, so eine Sprecherin.

Mehr Bafög für Weiterbildungen angefragt

Während die Anzahl der Auszubildenden nicht der der freien Stellen gerecht wird, ist die Zahl der Fortzubildenden mit Aufstiegs-Bafög in Baden-Württemberg gestiegen, wie das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Durch Verbesserungen des Angebots konnten mehr Menschen zu Fortbildungen bewegt werden, erklärte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Durch diese stünden den Betrieben hoch qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung, "die zukünftig mehr denn je benötigt werden".

Die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger legte demnach 2021 um 4,7 Prozent auf 30.493 zu. Mit Aufstiegs-Bafög werden berufliche Fortbildungen gefördert, die auf einem ersten beruflichen Abschluss aufbauen. So sollen es laut Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut künftig mehr qualifierte Fachkräfte in die zu besetzenden Stellen schaffen.

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