Peter Alexander (Foto: Imago, Imago -)

Schlagerlegende Peter Alexander war ein Entertainer mit vielen Talenten

Seine Platten sind Evergreens, seine Fernsehshows waren unschlagbar und seine Konzerttourneen stets ausverkauft. Peter Alexander war ein Allrounder im Showgeschäft, ein Künstler internationalen Formats, der bis heute unerreicht ist.

Bilderstrecke Die besten Cover von Peter Alexander

Plattencover von Peter Alexander (Foto: SWR, Polydor (Coverscan) -)
1955 gelang der Durchbruch: „Der Mond hält seine Wacht“ stand auf Platz 1 der Hitparade und zusammen mit Caterina Valente überzeugte er in zwei Kassenschlagern vor der Kamera. Ein Jahr später folgte "Musikparade" als erster "Peter-Alexander-Film", zusammen mit Bibi Johns. Der Film und vor allem der Schlager „Ich weiß, was Dir fehlt“ gerieten zum Riesenerfolg. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Das Beste, das Schönste, das Neueste" - unter diesem Motto erschienen drei Singles in der Aufmachung eines Ringbuches. Darin seine 1957er-Hits, zu deren Erfolg die Promotion im Kino maßgeblich beitrug: "Das tu‘ ich alles aus Liebe" (aus dem Film "Das haut hin"), "Das ganze Haus ist schief" und "Das ist alles längst vorbei", beide aus "Liebe, Jazz und Übermut". Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Neben den Filmschlagern erreichten seine Cover-Versionen internationaler Hits sehr gute Notierungen in den Hitparaden. Hier zwei Raritäten von 1961 aus dieser Rubrik, denen leider nur mäßiger Erfolg beschieden war: "Der Gitarrentramp" (Ricky Nelson "Travellin‘ Man") und "Das schöne Spiel" (Roy Orbison „Running scared“). Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
In den 60ern schlüpfte Peter Alexander in die Rolle des „Grafen Bobby“ und sorgte in diesen turbulenten Komödien für Lachsalven. Einprägsame Schlager wie „Paris ist eine Reise wert“ oder „Der Badewannentango“ durften hier nicht fehlen. Unvergessen ist auch sein Talent, große Stars zu parodieren. In „Die Abenteuer des Grafen Bobby“- aus dem hier ein Szenenfoto mit Vivi Bach zu sehen ist - trat er als Zarah Leander auf. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Auf seiner ersten Langspielplatte („Melodien zum Verlieben“, 1960) zeigte er seine musikalische Vielfalt und sang Erfolge der gehobenen Unterhaltungsmusik („Die Kirschen in Nachbars Garten“) oder Revue- und Operettenmelodien. 1962 unternahm er „Wiener Spaziergänge“ und präsentierte mit dem berühmten „Weaner Charme“ Lieder seiner Heimat, die halb Schlager und halb Chanson waren. Die Platte war Vorbote zur vierteiligen … Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…Fernseh-Serie „Spaziergänge“ (WDR 1963). Diese führten u. a. durch die Welt der Operette oder des Films und wurden von gleichnamigen LPs begleitet. Im Rahmen dieser Konzept-Alben zeigte er sich auch als versierter Plauderer, zum Beispiel auf „Peters Plattenparty“. Bei dieser musikalischen Spielerei von 1965 präsentierte er Stars unterschiedlichster Musikrichtungen, von der Sopranistin Ingeborg Hallstein bis hin zum singenden Hürdenläufer Martin Lauer. Im selben Jahr… Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…wählten Musik-Journalisten Peter Alexander zum besten deutschsprachigen Sänger des Jahres. Seine Langspielplatten erlaubten ihm, seine musikalischen Talente und Vorlieben dem Publikum näher vorzustellen. 1966 besuchte er musikalisch die „Stadt der Liebe“ und interpretierte ins Deutsche übersetzte populäre französische Chansons. Passend zur Platte strahlte der WDR die 60-minütige Fernseh-Show „Ein Wiener in Paris“ aus. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1967 servierte Peter Alexander erstmals „Spezialitäten aus Böhmen, Ungarn und Österreich“. Die böhmische Volksmusik lag ihm besonders am Herzen, da seine Mutter aus Pilsen stammte und er dort, bis zum Not-Abitur im Jahr 1944, eine Internatsschule besuchte. Auch das Publikum liebte dieses Repertoire besonders. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Seine immense Stilvielfalt schloss das klassische Musical mit ein. Mitte der 1960er Jahre entstand zusammen mit der US-amerikanischen Sängerin Olive Moorefield, die zur Stammbesetzung der Wiener Volksoper gehörte, ein großer Querschnitt durch „Kiss me Kate“ von Cole Porter. Eine weitere reine Musical-Produktion („Show“) folgte 1969 - rechtzeitig zu seiner ersten großen Deutschland-Tournee. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Als mit dem Aufkommen von Beat und Rock die etablierten Schlager-Stars reihenweise von der Bildfläche verschwanden, gelangen ihm in kurzer Zeit mehrere Nummer 1-Hits: "Der letzte Walzer" (Original: Engelbert), „Delilah“ (Original: Tom Jones) und „Liebesleid“. Begleitet wurden die Single-Hits von der LP-Serie „Schlager-Rendezvous“, von der insgesamt fünf Ausgaben bis 1977 auf den Markt kamen. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1972 begann die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel. Über viele Jahre folgte Hit auf Hit: „Pedro“, „Schwarzes Gold“ oder „Der Papa wird’s schon richten“. Eines Tages erhielt der Komponist eine Kassette mit einem Lied des Holländers Pierre Kartner zugeschickt. Siegel fand den Titel nett und Peter Alexander nahm das Lied auf: „Die kleine Kneipe“. Die Platte wurde der Schlager des Jahres 1976. Für seine Landsleute nahm er eine wienerische Version auf: „Das kleine Beisl“. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1969 strahlte das ZDF die erste große Peter Alexander Spezialitäten-Show aus. Von Anbeginn war diese Sendung ein Renner. Den Rekord mit 79 Prozent Einschaltquote hielt die Ausgabe vom 02. Dezember 1973: neben Stars wie Conny Froboess, Roy Black oder Johannes Heesters präsentierte er das Comeback von Heintje, mit dem er wenige Jahre zuvor einige Filme gedreht hatte. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1986 ging Peter Alexander mit der deutschen Nationalmannschaft ins Studio und nahm die LP „Mexico Mi Amor“ auf. Ralph Siegel, der die Titel komponierte, erinnerte sich in seiner Autobiographie an die Entstehung: „Alle redeten mit! Der Peter, die Hilde, Hans R. Beierlein, Wilfried Straub vom DFB… Die Texte und Songs waren dauernd umzuändern und zu verbessern.“ Plattenfirma (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Was sind schon sechzig Jahre“ - „Zu meinem runden Geburtstag habe ich mir selbst ein musikalisches Geschenk gemacht und diese Platte aufgenommen. Schon immer wünschte ich mir, diese großen internationalen Songs zu singen“ schrieb Peter Alexander im Begleittext. Cat Stevens' "Morning has broken" oder Neil Diamonds "Song Sung Blue" sind darauf zu hören und auch das im Rundfunk beliebte "Wenn auch die Jahre vergeh’n". Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Eine Eins in Musik

Klassenbester in Latein, miserabel in Mathematik - aber stets eine Eins in Musik. Er plagte sich und seine Lehrer, die ihm wegen seiner Streiche nahelegten, die Schule zu verlassen. Viel lieber gab er sich dem Klavierspiel hin. Ganz allein hatte er sich selbst zum Pianisten ausgebildet und jazzte auf verstimmten Klavieren. Seine Vorbilder waren Fats Waller oder Nat King Cole. 1944 kam er zum Militär und geriet in englische Kriegsgefangenschaft.

"Vorlesungen hab' ich nie besucht..."

Nach seiner Rückkehr immatrikulierte er auf Wunsch des Vaters an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien: „Vorlesungen hab‘ ich nie welche besucht, schließlich wollte ich ja Schauspieler werden.“ Unterstützung fand er bei seiner Mutter und schließlich gab auch der Papa nach. Im Herbst 1946 bestand er die Aufnahmeprüfung am weltberühmten Wiener Reinhardt-Seminar.

Im Radio- und Grammophongeschäft der Großeltern kam der Sohn eines Bankbeamten erstmals mit Musik in Berührung: „Es dauerte nicht lange und ich kannte jeden Sänger, jeden Schlager und jede Arie“. Der Großvater nahm ihn in die Oper „Lohengrin“ mit. Der Knirps war begeistert und sang mit Holzschwert vor dem Bauch die Gralserzählung.

Beobachten, um zu parodieren

Peter Alexander in "Die Abenteuer des Grafen Bobby" (Foto: Imago, Imago -)
Peter Alexander in "Die Abenteuer des Grafen Bobby" Imago Imago -

Die ersten Theater-Engagements waren alles andere als klassisch: Kammerdiener, Kellner, Chauffeur. Er begann, die großen Stars zu beobachten und zu parodieren: die Leander, Hans Moser, Johannes Heesters. Als ein Schauspieler aus Krankheitsgründen ausfiel, kam die ewige Zweitbesetzung Peter Alexander zum Zuge. Später ging das Theater pleite und machte den jungen Mann arbeitslos. Zur Überbrückung kam das Angebot, Schallplatten aufzunehmen. Am 27. September 1951 entstand sein Debüt „Das machen nur die Beine von Dolores“.

"Schnurrdiburr" kümmert sich um die Karriere

Der Rundfunk meldete sich und erstmals war sein Universal-Genie als Quizmaster, Pianist, Rätselonkel und Sänger gefragt. Hier begegnete er der Schauspielerin Hilde Haagen, die er ein Jahr später heiratete. Von nun an ging es mit seiner Karriere steil bergauf. „Schnurrdiburr“, wie er sie nannte, gab ihren Beruf auf, um seine Managerin zu werden. In dieser Eigenschaft setzte sie allen verfügbaren Ehrgeiz für die Karriere ihres Mannes ein - stellvertretend für ihn selbst, denn er hatte diesbezüglich keinerlei Ambitionen.

Den Nachbarn im Norden im Sturm erobert

Im Herbst 1953 gewann Peter Alexander einen Schlagerwettbewerb in München gegen Konkurrenten wie Conny Froboess, Gerhard Wendland oder Vico Torriani. Seine Frau Hilde erkannte die Bedeutung des bundesdeutschen Marktes und begann, ihre Fäden zu spinnen. Heinz Gietz und Kurt Feltz, das Erfolgsteam der Schlagerbranche, schrieb ihm maßgeschneiderte Hits, mit denen sich auch die Türen zum lukrativen Filmgeschäft öffneten. Bis 1972 drehte er fast 40 Spielfilme, in denen er seine neuesten Lieder vorstellen konnte.

Die Gelbsucht kam wie gerufen

„Putzigam, Du musst Tänzer werden mit solchä Bewägungen!“ sagte Marika Rökk zu ihm. Auch andere hatten lange vor seinem Durchbruch seine vielseitige Begabung erkannt. Caterina Valente hielt ihn für absolut tauglich, im harten amerikanischen Showbusiness zu bestehen. Deshalb plante die tüchtige Frau Alexander lange Zeit einen Start ihres Mannes in Übersee. Als es losgehen konnte, erkrankte er an einer schweren Gelbsucht: „Kommt mir wie gerufen. Ich habe gar keine Lust, Amerika zu erobern. Ich fühle mich in Europa wohl genug“. Ein Angebot aus Kanada beantwortete er, dass er nur kommen würde, wenn das Wetter gut wäre, damit er fischen konnte - seine große Leidenschaft. Das Wetter war schlecht…

Anerkennung von allen Seiten

Peter Alexander mit Thomas Gottschalk (Foto: Imago, Imago/Fotograf XY -)
Zwei Könner im Gespräch Imago Imago/Fotograf XY -

In der Fernsehunterhaltung setzte er Maßstäbe: seine Shows erzielten Zuschauerrekorde, die bis heute kein deutschsprachiger Entertainer wiederholen konnte. Sämtliche seiner Konzerttourneen waren regelmäßig bis auf den letzten Platz ausverkauft. Er wurde mit Ehrungen aller Art überschüttet und auch seine Hitserie war ungebrochen. Les Reed, der Komponist der internationalen Hits „Delilah“ und „The last waltz“, brachte in einem Telegramm seine Freude zum Ausdruck, dass Peter Alexander beide Titel in deutscher Sprache aufgenommen habe.

Bequem ist nicht faul

„Gestern jung, morgen alt“ - über die Jahre hinweg begleitete der Star seine Fans beim Älterwerden und blieb so immer glaubwürdig und vertraut, bot Halt und Beständigkeit. Ab Mitte dr 1990er Jahre trat er kürzer: „Das Geheimnis dieser hektischen Branche ist die Kunst, sich rar zu machen. Und das kommt eigentlich meiner einen Schwäche sehr entgegen. Ich bin nämlich sehr bequem - wohlgemerkt nicht zu verwechseln mit faul. Man lebt nur einmal und danach sollte man auch leben, denn mitnehmen kann man von dieser herrlichen Welt ja eh nix.“

Familiengrab von Peter Alexander (Foto: Imago, Imago -)
Das Familiengrab von Peter Alexander Imago Imago -

Der Tod seiner Frau im Jahr 2003 und der Unfalltod von Tochter Susanne sechs Jahre später belasteten ihn schwer, so dass er sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückzog. Am 12. Februar 2011 verstarb der Unterhalter vieler Generationen im Alter von 84 Jahren in Wien.

Steckbrief von Peter Alexander
Geboren30. Juni 1926 in Wien
Gestorben12. Februar 2011 in Wien
Nr-1-Hits in der dt. HitparadeDer Mond hält seine Wacht (1955), Eventuell (1956), Ich weiß, was Dir fehlt (1957), Der letzte Walzer (1968), Liebesleid (1969)
Die AnfängeIn den frühen 1950er Jahren war er Mitglied des österreichischen Gesangsensembles „Die Optimisten“ (Erni Bieler, Peter Alexander & Erwin Halletz)
PseudonymAlexander Neuenhauser
Zitat"Wenn ich mich für ein Lied genieren würde, könnte ich's auch nicht so verkaufen. Man darf die breite Masse nicht unterschätzen."