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Die estnische Sängerin, Dichterin und Komponistin Mari Kalkun ist bekannt dafür, ganz eigene Lieder aus der Verbindung der Folklore ihres Landes mit experimentellen Techniken der Neuen Musik zu erschaffen. Jetzt hat sie ihre neue CD „Õunaaia Album“ herausgebracht. Übersetzt heißt der Titel „Apfelgarten-Album“, angelehnt an die Entstehungszeit der Aufnahmen: zur Zeit der Apfelblüte in Estland. Mari Kalkun singt selbst und spielt auch alle Instrumente – ein altes Harmonium, das sie von einem Wertstoffhof rettete, und ein Klavier aus dem Besitz ihrer Großmutter. Jan Brachmann hat die neue CD gehört.

Vor zwei Jahren hatte ich Ihnen an dieser Stelle schon einmal die estnische Sängerin, Dichterin und Komponistin Mari Kalkun vorgestellt, die ganz eigene Lieder aus der Verbindung der Folklore ihres Landes mit experimentellen Techniken der neuen Musik erschafft. Jetzt hat sie die Corona-Krise genutzt für eine neue CD mit dem Titel Õunaaia Album, zu Deutsch: Apfelgarten-Album.

Einflüsse von Béla Bartók und John Cage

Die Aufnahmen entstanden im Mehrspurverfahren in Südost-Estland. Mari Kalkun singt selbst und spielt auch alle Instrumente: ein altes Harmonium, das sie von einem Wertstoffhof rettete, und ein Klavier der russischen Marke Smolensk aus dem Besitz ihrer Großmutter. Es ist eine neue Lesart der Folklore, die gewissermaßen durch Béla Bartók und John Cage hindurchgegangen ist. An Mari Kalkun besticht nicht nur die kreative Energie, sondern auch die Stimme, die von mütterlicher Tiefe bis zu elfenhafter Höhe reicht.

Avancierte Technik und bodenständige Lebenslust

Sie habe nicht auf Facebook jammern wollen, wie furchtbar Corona sei, sondern die Zeit für etwas Schöpferisches nutzen wollen, schreibt Mari Kalkun über ihre CD. Tatsächlich ist es ihr mit diesem Album einmal mehr gelungen, ältesten Überlieferungen ihrer Heimat gegenwärtige Kraft zu verleihen und dabei avancierte Technik mit bodenständiger Lebenslust zu verbinden.
Für viele Lieder hat sie die Texte selbst geschrieben, es sind aber auch solche des Dichters Jan Rahman dabei und ein Lied, das die Komponistin Mari Amor für Kinderchor geschrieben hat, ein Gebet, das Mari Kalkun mit neuem Text versah.

Finanziert wurde diese CD durch einen Crowfunding-Aufruf im Internet

Hoffnung machen will diese CD von Mari Kalkun auf eine Zeit, da wir alle wieder werden singen können. Elukoor heißt auch eines der Lieder: Chor des Lebens. Und es ruft immer wieder fröhlich „laula, laula, laula” – also sing, sing, sing. Denn wo man singt, da ist Leben. Die Aufnahmen entstanden zur Zeit der Apfelblüte in Estland. Finanziert hat die Sängerin das Ganze durch einen Crowfunding-Aufruf im Internet. Viele Menschen spendeten ihr Geld und bekamen jetzt zum Dank dafür eine CD von ihr selbst, auf dem Cover beklebt mit einer echten, getrockneten Apfelblüte. Unter www.marikalkun.com kann man noch ein paar Exemplare bekommen, sonst aber auch das Album auf verschiedenen Internetportalen hören.

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