Bestenliste 30 Kritiker*innen 10 Bücher 1 Liste (Foto: SWR)

SWR Bestenliste Juli/August

SWR Bestenliste Juli/August

Platz 1 (149 Punkte) Eckhart Nickel: Spitzweg

Bei Eckhart Nickel tritt der geschickt verborgene Plot in den Hintergrund. Die Ausstellung von Artifizialität zählt. „Spitzweg“ ist Feier von Einzelgängertum, künstlerischer Freiheit und Unabhängigkeit. So elegant schreiben derzeit nicht viele.  mehr...

Platz 2 (81 Punkte) Ursula Krechel: Gehen. Träumen. Sehen. Unter Bäumen.

In Ursula Krechels Essays verbinden sich geschärfte Wahrnehmung, Sprachkunst und ein großes Bewusstsein für Sinnlichkeit. Sie schreibt mit überraschenden Brückenschlägen und Gedankenvolten.  mehr...

Platz 3 (58 Punkte) Andrea Tompa: Omertà

Vier Perspektiven auf die Zeit zwischen 1948 und 1964 in Siebenbürgen. Das 1000-Seiten-Werk illustriert und charakterisiert eine Epoche, aufgeladen mit Details. Ein Spiegelbild und eigenwilliger Kosmos zugleich.  mehr...

Platz 4 (51 Punkte) Fiston Mwanza Mujila: Tanz der Teufel

„Mambo de la fête“ heißt die Kneipe, in der der Tanz der Teufel getanzt wird. Lumbumbashi in den 1990er-Jahren. Ein Stimmengewirr, in dem der Kolonialismus seine Spuren hinterlassen hat und die Sehnsucht nach Aufstieg mitschwingt.  mehr...

Platz 5 (49 Punkte) Marie Gamillscheg: Aufruhr der Meerestiere

Luise, die Protagonistin von Marie Gamillschegs zweitem Roman, erforscht bereits seit Jahren die ungeliebte Spezies der Meerwalnüsse. Die sind eigentlich zu nichts zu gebrauchen. Doch ihre Körperintelligenz fasziniert Luise.  mehr...

Platz 6 (33 Punkte) Stefan Hertmans: Der Aufgang

Im Jahr 1979 zog Stefan Hertmans in ein Haus in der belgischen Stadt Gent, in dem einstmals der NS-Kollaborateur Willem Verhulst gelebt hatte. Jahrzehnte später geht Hertmans auf Spurensuche und rührt dabei an nationale Verdrängungsprozesse.  mehr...

Platz 7 (31 Punkte) Ahmet Altan: Hayat heißt Leben

Nach dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 wurde Ahmet Altan festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt. 2021 kam er überraschend frei. Der Roman entstand während der Haftzeit – eine Hommage an die großen Romane der Weltliteratur, die in Zeiten der Repression Trost und Sinn stiften können.  mehr...

Platz 8 (24 Punkte) Ágnes Nemes Nagy: Mein Hirn: ein See

Im Januar 2022 wäre die ungarische Dichterin Ágnes Nemes Nagy 100 Jahre alt geworden. Ihre Gedichte sichern ihr bis heute den Ruf, eine der wichtigsten ungarischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts gewesen zu sein.  mehr...

Platz 9 (22 Punkte) Maria Stepanova: Mädchen ohne Kleider

Maria Stepanova gilt als eine der bedeutendsten russischen Gegenwartslyrikerinnen. Ihre neuen Gedichtzyklen kommen dezidiert fein und unpathetisch daher. Wie ein Schutzschirm breitet sich Stepanovas Blick über denjenigen aus, die sie betrachtet.  mehr...

Platz 9 (22 Punkte) Uwe Tellkamp: Der Schlaf in den Uhren

Der Nachfolger von „Der Turm“. 14 Jahre lang hat es gedauert, bis Tellkamp die angekündigte Fortsetzung veröffentlicht hat. Eine Chronik der Umbruchzeit, schwer zu fassen, weil Tellkamps Satzgirlanden sich der Festlegung entziehen.  mehr...

Diskussion über vier Bücher SWR Bestenliste Juli/August

Aus der Bestenliste-Jury diskutieren die Literaturkritiker*innen Jutta Person, Daniela Strigl und Denis Scheck über Bücher von Stefan Hertmans, Marie Gamillscheg, Fiston Mwanza Mujila und Ursula Krechel.
Schon beim ersten Buch des Abends mit den vier ausgewählten Büchern der SWR Bestenliste für den Juli und August wurden unterschiedliche Perspektiven auf Literatur deutlich: Stefan Hertmans Roman „Der Aufgang“ handelt von dem flämischen Kollaborateur und SS-Mann Wilhelm Verhulst, der seine Landsleute an die Deutschen verriet. Während sich die Runde in der ausverkauften Kakadu-Bar, die zum Staatstheater in Mainz gehört, darin einig war, dass der Autor ein eher unbekanntes Kapitel in der belgischen Geschichte lehrreich beschreibt, kritisierte Bestenliste-Jurorin Daniela Strigl doch die literarische Umsetzung des Werks. Auch Jutta Person bemängelte die klischierten Darstellungen insbesondere der Mutterfigur, während Denis Scheck die schillernde Hauptfigur hervorhob und darauf verwies, dass der radikale Schwärmer Verhulst nicht nur ein schlimmer Ehemann und wilder Fremdgänger war, sondern ausgerechnet neben seiner früh verstorbenen jüdischen Geliebten beerdigt werden wollte. Uneins war sich das Jury-Trio auch in der Bewertung von Marie Gamillschegs Roman „Aufruhr der Meerestiere“: Scheck wollte mehr über die Meerwalnuss hören, das Forschungsobjekt der Protagonistin. Die eingebaute Vater-Tochter-Geschichte nannte er hingegen „langweilig“, während Strigl bemerkte, sie habe mehr über diese Rippenquallenart erfahren, als sie jemals zu hoffen wagte. Ein großes Jurylob erhielt Schriftsteller Fiston Mwanza Mujila für seinen zweiten Roman „Tanz der Teufel“, einem rasanten Portrait der Diamantenschürfer und Straßenkinder im Grenzgebiet von Angola und Zaire – nur Moderator Carsten Otte meinte, der Text wirke an manchen Stellen, als habe der Autor den Überblick über sein erzählerisches Material verloren. Einhellige Begeisterung gab es zum Schluss für Ursula Krechels Essayband „Gehen. Träumen. Sehen. Unter Bäumen.“, weil die Autorin, wie Jutta Person ausführte, die unterschiedlichsten Themen, nämlich von Casanova bis zur Apfelzucht, nicht nur auf kluge, sondern auch gewitzte Weise behandele. „Das ist die ideale Strandlektüre!“, erklärte Denis Scheck, wobei Strigl konterte, das käme auf den Urlaubsort an und man müsse das umfangreiche Werk auch nicht in einem Rutsch lesen.  mehr...

SWR Bestenliste SWR2

Persönliche Empfehlung von Wiebke Porompka Andreas Schäfer: Die Schuhe meines Vaters

„Die Schuhe meines Vaters“ ist kein Roman, vielmehr eine persönliche literarische Spurensuche, auf die Andreas Schäfer sich begibt, nachdem sein Vater gestorben ist. Trotz aller Intimität erzählt er dabei immerzu auch etwas Grundsätzliches: über eine Generation, der nie hat gelingen wollen, die Wunden ihrer Kriegskindheit zu heilen. Behutsam und stets das eigene Schreiben beobachtend und befragend zeichnet Andreas Schäfer das Bild eines einsamen Menschen ebenso wie das seiner Zeit.  mehr...

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Jury der SWR Bestenliste

Die Jury - renommierte deutschsprachige LiteraturkritikerInnen - wählt jeden Monat die Bücher, denen sie möglichst viele Leser und Leserinnen wünscht.  mehr...

Archiv der SWR Bestenliste

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