Bestenliste 30 Kritiker*innen 10 Bücher 1 Liste (Foto: SWR)

SWR Bestenliste November

SWR Bestenliste November

Platz 1 (109 Punkte) Péter Nádas: Schauergeschichten

In einem Dorf im Donautal versammelt Nádas alles, was das Menschliche ausmacht: Schwachsinn und Niedertracht, philosophisch hochfliegendes Gewäsch, Aberglaube, Intrigantentum, Bösartigkeit und – ja – auch Liebe.  mehr...

Platz 2 (93 Punkte) Claire Keegan: Kleine Dinge wie diese

Das Zentrum ist ein über Jahrzehnte hinweg verschwiegener Skandal: In den „Magdalenen-Wäschereien“ wurden in Irland „gefallene Mädchen“ zur Zwangsarbeit missbraucht. Keegan erzählt von einem Mann, der nicht länger wegsieht.  mehr...

Platz 3 (87 Punkte) Ian McEwan: Lektionen

Ein Mann zieht Lebensbilanz und fragt sich: Was prägt und verändert eine Biografie? Die großen Ereignisse oder die zufälligen Wendungen des Schicksals? Ian McEwan holt noch einmal zum großen Wurf aus.  mehr...

Platz 4 (81 Punkte) Christine Wolter: Die Alleinseglerin

„Die Alleinseglerin“ erschien erstmals 1982 in der DDR. Nun ist der autobiografische Roman, in dem Wolter von einer Frau erzählt, die das Segelboot ihres Vaters erbt, in neuer Auflage erschienen und erhält erneut hochverdiente Aufmerksamkeit.  mehr...

Platz 5 (65 Punkte) Mohsin Hamid: Der letzte weiße Mann

Ein Mann erwacht und stellt fest, dass er über Nacht zum Schwarzen geworden ist. Er wird nicht der Einzige bleiben, dem das widerfährt. In satirisch überspitzter Form arbeitet Hamid unterschiedliche Facetten von Rassismus heraus.  mehr...

Platz 6 (37 Punkte) Peter Kurzeck: Und wo mein Haus?

Im November 2013 starb Peter Kurzeck in Frankfurt. Mit „Und wo mein Haus?“ ist nun der achte Band des Projekts „Das alte Jahrhundert“ posthum erschienen – einer der schönsten Texte, die Kurzeck je geschrieben hat.  mehr...

Platz 7 (34 Punkte) Juri Andruchowytsch: Radio Nacht

Der Musiker Josip Rotsky lebt im Schweizer Exil, wo er sich als Barpianist durchschlägt. Als der Diktator seines Landes in eben diesem Hotel zu Gast ist, trifft Rotsky eine Entscheidung. Wild geht es zu, wie immer bei Andruchowytsch.  mehr...

Platz 7 (34 Punkte) Robert Menasse: Die Erweiterung

Für seinen Roman „Die Hauptstadt“ wurde der österreichische Schriftsteller Robert Menasse im Jahr 2017 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Nun hat Menasse mit „Die Erweiterung“ sein EU-Schreibprojekt gen Osten ausgeweitet.  mehr...

Platz 9 (32 Punkte) Christoph Peters: Der Sandkasten

Berlin. November 2020, Lockdown-Zeit. Der Protagonist sitzt nicht im, aber doch sehr nahe am Zentrum der Macht. Auf den Spuren von Wolfgang Koeppen inszeniert Peters eine Geschichte um leerdrehende Funktionseliten.  mehr...

Platz 10 (28 Punkte) Joshua Groß: Prana Extrem

Der Ich-Erzähler Joshua kommt mit seiner Freundin Lisa nach Tirol. Dort lernen sie ein Skispringertalent kennen. Es wird gekifft, viel, und die Dinge bekommen ein Eigenleben.  mehr...

Diskussion über vier Bücher SWR Bestenliste November

Schon das erste Buch der Bestenliste-Diskussion in Frankfurt, nämlich Mohsin Hamids Roman „Der letzte weiße Mann“, bot kontroverse Meinungen. Die literarische Versuchsanordnung erzählt von einem Hautfarbenwechsel der Figuren: „Eines Morgens wachte Anders, ein weißer Mann, auf und stellte fest, dass seine Haut sich unleugbar tiefbraun gefärbt hatte.“ Doch abgesehen vom starken Einstieg kritisiert Martin Ebel die schwache Durchführung des Stoffs. „Wenn man wie Kafka anfängt, dann muss man auch eine Zeitlang wie Kafka weitermachen. Aber dem Autor geht die Luft aus.“ Shirin Sojitrawalla hielt dagegen: „Die Geschichte verläppert absichtlich, denn dieses unbefriedigende Auslaufen ist Teil des literarischen Spiels.“
Für besondere Aufmerksamkeit auch im Publikum sorgte die Wiederentdeckung von Christine Wolters Roman „Die Alleinseglerin“, der 1982 in der DDR zum ersten Mal erschienen ist und nun erneut veröffentlicht wurde. Cornelia Geißler lobte die Zeitlosigkeit der Prosa. Auch Martin Ebel, der sich dunkel erinnerte, das Buch schon vor vierzig Jahren gelesen zu haben, war begeistert über den Umgang der Autorin mit der widersprüchlichen Schiffssymbolik. Shirin Sojitrawalla hingegen erinnerte an feministische Texte, die zur selben Zeit in Westeuropa erschienen sind und meinte, Wolters Roman sei leider vom „Muff“ jener Gesellschaft geprägt, die in dem Text beschrieben werde.
Die Jury lobte die gewagte Konstruktion und die erstaunlichen Wendepunkte des Romans „Lektionen“ von Ian McEwan. Zwei Lebensentwürfe werden gegenübergestellt: Roland lässt sich durch sein „formloses“ Leben treiben, Alissa verlässt ihren Gatten und wird erfolgreiche Schriftstellerin. Wer aber ist glücklicher? Welche Lektionen erteilt das Schicksal den beiden bzw. der Text dem lesenden Publikum? Die Inszenierung mancher Szenen kritisierte Jurorin Sojitrawalla als zu „hollywoodreif“. Neben der bestürzenden Liebes- und Missbrauchsgeschichte in der Jugend des Protagonisten wurden insbesondere von Cornelia Geißler die literarischen Exkursionen des Romans in die Zeitgeschichte hervorgehoben.
Das Buch auf Platz 2 der SWR Bestenliste im November sorgte für einhellige Reaktionen in der Runde: Claire Keegans trauriges Weihnachtsmärchen sei in seiner „warmen Perfektion“ schlichtweg „makellos“, sagte Martin Ebel. Die Naturbezüge in dieser Novelle überzeugten sowohl Cornelia Geißler als auch Shirin Sojitrawalla. Geißler lobte die fein herausgearbeiteten Details in der Prosa. Die Jurorin Sojitrawalla hob die Kunst der Autorin hervor, eine Geschichte zu erzählen, die nach Charles Dickens klinge, aber im Irland der 1980er Jahre angesiedelt ist.  mehr...

SWR Bestenliste SWR2

Persönliche Empfehlung von Denis Scheck Caroline Ronnefeldt: Quendel

In diesem Bücherherbst hat eine herausragende deutsche Fantasy-Trilogie ihren Abschluß gefunden. Caroline Ronnefeldts bei Ueberreuter erschienene drei Romane um das Volk der Quendel und den Sagenkreis der Wilden Jagd. Wenn man so möchte, sind die Quendel eine Art deutsche Hobbits.
Für mich ist Caroline Ronnefeldt die literarische Entdeckung des Jahres, ebenso sprachmächtig – Lyrik spielt eine große Rolle in diesen Büchern – wie phantastisch innovativ. Wenn Sie wissen wollen, wer nach J.R.R. Tolkien, J.K. Rowling, George R.R. Martin oder Cornelia Funke wirklich originelle Fantasy schriebt, dann empfehle ich Caroline Ronnefeldt mit ihren Quendel-Romanen, zuletzt der Roman „Über die Schattengrenze“.  mehr...

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