Ausstellung

Der Löwenmensch zu Gast in der Kunsthalle Weishaupt

Stand
AUTOR/IN
Katja Stolle-Kranz

Was macht das derzeit geschlossene Ulmer Museum während seines derzeitigen Umbaus mit seinen kostbaren Schätzen? Ab Sonntag präsentiert es Bilder, Reliefs und Skulpturen in einem zweiteiligen Ausstellungsprojekt in der benachbarten Kunsthalle Weishaupt. Und schon jetzt ist klar: Glanzstück der Ausstellung ist die eiszeitliche Skulptur eines Löwenmenschen, der seit seiner Entdeckung in einer Höhle der Schwäbischen Alb wahre Berühmtheit erlangte.

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Hochachtung für den Schnitzer des monumentalen Löwenmenschen

Die beige-braune Skulptur aus Mammutelfenbein steht aufrecht in einem hohen Glaskasten. 40.000 Jahre alt, 31 cm hoch. Der Löwenmensch - er ist nach wie vor der „Star” des Ulmer Museums.

„Ich habe eine große Hochachtung vor einem Menschen, der in dieser schwierigen Zeit mit einfachsten Mitteln eine solche monumentale Figur geschnitzt hat aus einem Mammutzahn für kultische Zwecke“, sagt Direktorin Stefanie Dathe. „Für mich ist es so ergreifend, mir vorzustellen, dass damals schon der Gedanke an eine spirituelle Welt da war und man versucht hat, mit einer solchen Figur das Spirituelle auch mitzuleben.“

Löwenmensch (Foto: Pressestelle, Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart und Museum Ulm. Photo: Yvonne Mühleis)
Löwenmensch

Während des Umbaus soll das Museum Ulm im öffentlichen Bewusstsein bleiben

Nach Erkenntnissen von Kulturanthropologen stehe die älteste bekannteste Figur eines Mensch-Tier-Wesens für den modernen Menschen, der über solche Dinge nachdachte, so Dathe.

Sie ist froh darüber, dass nun der Löwenmensch und zumindest ein Teil der Sammlung des Ulmer Museums, der monatelang im Depot schlummerte, nun wieder gezeigt werden können. Das „Gastspiel“ in der Kunsthalle Weishaupt ist für sie wichtig, um während des Umbaus des Museums nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verschwinden.

Überraschungen aus dem Museumsdepot hinter jedem Buchstaben

Nach dem Motto: Museum neu buchstabiert – bringt der Auftakt der zweiteilig angelegten Schau - nämlich zunächst von den Buchstaben A-L und später von M-Z - Überraschendes und vor allem Gegensätzliches zum Vorschein. So steht L – für den Löwenmenschen, aber auch für den illustren Begriff „Leuchterweibchen” unter dem etwa die sogenannte „Schöne Ulmerin” zu finden ist.  Die spätmittelalterliche Büste war mal Teil eines Kronleuchters, der viele Jahre im Museum von der Decke hing. 

Oder wie wärs mit I – wie Igittigitt? Hinter diesem auf eine Wand geschriebenen Ausspruch verbirgt sich ein blutiges Martyrium, denn es ist der Kasten eines Ulmer Wundarztes aus dem 19. Jahrhundert mit seinem „Dental Besteck”, dem Werkzeug also, mit dem er Zähne gezogen hat oder mit Schröpfköpfen, mit Instrumenten zum Aderlass, erzählt Eva Leistenschneider, Kuratorin für Mittelalterkunst: „Wenn man sich das aus heutiger Perspektive betrachtet, ist man froh, dass man nicht damals zum Arzt musste.“

Zeitgenossen Stefanie Dathe: „Erwarten Sie Wunder!“

Sie hat schon Kunst aus Fleisch und Süßigkeiten kuratiert und Tätowierungen zum Thema einer Ausstellung gemacht. Seit 2016 steht sie an der Spitze des Museums Ulm. Stefanie Dathe ist eine, die vollmundig Wunder verspricht - wie bei ihrer ersten Ulmer Ausstellung - und manche auch bewirkt.

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 Eine bunte Mischung aus dem Depot des Ulmer Museums

Kunst zum Gruseln, manchmal auch zum Wundern und Bewundern: Unter dem Buchstaben G – wie Geschirr – findet sich das legendäre weiße Stapelgeschirr: Einst an der Hochschule für Gestaltung in Ulm entwickelt. Hinter E- wie Eheleben – stehen die Porträts von Ulmer Eheleuten und deren Geschichte. 

Aber auch die Besucherinnen und Besucher selbst sollen kreativ werden und Wünsche für ein gutes Museum äußern. 

Alles in allem ist es eine bunte Mischung, von dem, was sich im Depot des Ulmer Museum so findet. Was auf den ersten Blick zufällig zusammengewürfelt wirkt, ist jedoch klug durchdacht und soll Lust auf mehr machen, verspricht Stefanie Dathe, denn im nächsten Jahr habe sich das Museumsteam für die Buchstaben M bis Z neue Überraschungen überlegt, um die Besucher neugierig zu machen auf das neue, umgebaute Museum.

Mehr Umbau des Ulmer Museums und zum Löwenmenschen

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Sie hat schon Kunst aus Fleisch und Süßigkeiten kuratiert und Tätowierungen zum Thema einer Ausstellung gemacht. Seit 2016 steht sie an der Spitze des Museums Ulm. Stefanie Dathe ist eine, die vollmundig Wunder verspricht - wie bei ihrer ersten Ulmer Ausstellung - und manche auch bewirkt.

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Ulm

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SWR4 BW aus dem Studio Ulm SWR4 BW aus dem Studio Ulm

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Katja Stolle-Kranz