STAND

Von Marie-Dominique Wetzel

„Alles ist Ausschnitt!“ heißt die Ausstellung der Kunsthalle Karlsruhe mit Holzschnitten von Matthias Mansen. Die Holzschnitte zeigen fragmentierte Ansichten der Potsdamer Straße in Berlin, wo der Künstler seit vielen Jahren lebt und arbeitet. Mansen stammt aus Ravensburg und hat an der Kunstakademie Karlsruhe studiert.

Straßenfluchten und Hausfassaden der Potsdamer Straße

Matthias Mansen: Potsdamer Straße C, 2012 (Foto: Pressestelle, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe  - Foto: André Longchamp, Genf)
Matthias Mansen: Potsdamer Straße C, 2012 Pressestelle Staatliche Kunsthalle Karlsruhe - Foto: André Longchamp, Genf

Die Arbeiten der siebenteiligen Schwarz-Weiß-Serie „Potsdamer Straße“ sehen von nahem fast aus wie abstrakte Zeichnungen. Doch tritt man etwas zurück, erkannt man Straßenfluchten, Hausfassaden und architektonische Details wie Fenstersimse und Türstürze, wie wenn man durch die Straße gehen und sich immer wieder mit einem Zoom einzelne Details ranholen würde.

Stecheisen in unterschiedlichen Winkeln angesetzt

Jedes einzelne Werk der Serie hat einen anderen Charakter. "Das kommt von der unterschiedlichen Bearbeitungsweise der Druckstöcke", erklärt Matthias Mansen. Die ersten drei Arbeiten hat er mit nur einem Stecheisen geschnitten: Die erste Platte mit vertikalen Schnitten, die zweite mit horizontalen, die dritte mit Schrägschraffuren von links nach rechts.

Alte Fußbodendielen zu Druckstöcken verarbeitet

Seit 20 Jahren geht Matthias Mansen die Potsdamer Straße in Berlin auf und ab. In den 90er Jahren hat er dort gewohnt, heute hat er hier sein Atelier. Erst nach vielen Jahren nahm er Zeichenblock und Kamera mit auf seine Fußwege, um die Straße künstlerisch einzufangen. In Baucontainern fand Mansen alte Fußbodendielen entkernter Häuser. Die fand er so reizvoll, dass er daraus die Druckstöcke für seine Serie baute.

Man erkennt noch die Maserungen einzelner Bretter, sie hinterlassen dünne Linien auf dem Papier. Und auch die Gebrauchsspuren auf den alten Holzdielen sind zu entdecken: Macken, Löcher, Risse. Das macht diese architektonische Serie bei aller Strenge lebendig. Obwohl hier keine Menschen zu sehen sind, sind die Bewohner durch diese alten Dielenbretter mit ihren Geschichten anwesend. Matthias Mansen arbeitet gerne mit Fundstücken. Und er liebt das Handwerkliche am Holzschnitt. „Jeder Schnitt ist endgültig und das bedeutet, dass alles, was man tut von einer gewissen Absolutheit ist“.

Studienjahre in Karlsruhe bei Georg Baselitz und Markus Lüpertz

Die Anfänge, das waren die Studienjahre Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre auf der Kunstakademie Karlsruhe, wo Matthias Mansen bei Georg Baselitz und Markus Lüpertz studierte. Eher per Zufall hat er dort früh sein künstlerisches Medium, den Holzschnitt gefunden, nämlich als es darum ging, Plakate für Feste und Akademierundgänge zu gestalten.

Das Prozesshafte am Holzschnitt reize ihn bis heute, sagt Matthias Mansen. Denn der Holzschnitt sei alles andere als starr, wie viele vermuten, er habe durchaus etwas Narratives.

Besonders deutlich wird das in der Serie „Tiergarten“, die der Künstler auch in die Kunsthalle Karlsruhe mitgebracht hat. Vier Holzschnitte, die Momentaufnahmen und Stimmungen der vier Jahreszeiten in diesem Berliner Park einfangen. Da lagern sich Blätter, Kiesel, Rindenstücke und Zweige übereinander, wie in einem Storyboard, ein Angebot an Augenblicken zum Weitersammeln und Tagträumen.

STAND
AUTOR/IN