Skulpturen in der Ausstellung "Mensch! Skulptur" im „Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus“ (Foto: SWR, SWR - Natali Kurth)

Ausstellung im Kunstforum Ingelheim Mensch! Skulptur

Von Natali Kurth

Die Internationalen Tage im Alten Rathaus in Ingelheim sind seit Jahrzehnten ein renommierter Treffpunkt für Kunstinteressierte. Am 12. August wird das lichtdurchflutete Ensemble „Kunstforum Ingelheim“ im sanierten und mit einem Umbau ergänzten Historischen Rathaus mit der Ausstellung "Mensch! Skulptur" eröffnet. Kurator Ulrich Luckardt zeigt bis zum 21. Oktober rund 60 Werke von Mitte des 19. Jahrhunderts bis ca. 1960, Arbeiten aus Marmor, Bronze oder Terrakotta von insgesamt zwölf weltbekannten Künstlern.

Die Schau „Mensch! Skulptur“ ist spektakulär, findet Natali Kurth.

Ausstellung im Kunstforum Ingelheim vom 12.8.bis 21.10.2018 Mensch! Skulptur

Skulpturen in der Ausstellung "Mensch! Skulptur" im „Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus“ (Foto: SWR, SWR - Natali Kurth)
Ganz unterschiedliche bildhauerische Positionen der sogenannten „Klassischen Moderne“ zeigen Arbeiten von Künstlern wie Edgar Degas, Auguste Rodin oder Alberto Giacometti. Sie bearbeiten ihre Oberflächen rau oder glätten sie oder sie heben die Körper abstrakt hervor bis hin zur Gegenstandslosigkeit. Die großen Rundbogenfenster sind nicht verhängt – verblüffend die 3 D- Wirkung des einfallenden Lichts auf die Skulpturen - je nach Tageszeit immer wieder anders. SWR - Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Überwältigend schon der erste Raum mit den stehenden Skulpturen. Giacomettis fragile Stelen zusammengefasst zu einer Art Wald, um den man flanieren kann. Daneben Auguste Rodins großformatige Bronze „Schreitender Mann“. Auguste Rodin: Der Schreitende (1900) SWR - Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Eine aufregende Gegenüberstellung: eine Eva von Auguste Rodin, die schamvoll ihren Kopf in ihren Armen verbirgt, um nicht dem Betrachter angucken zu müssen. Und rechts daneben steht die deutlich kleinere Eva von Aristide Maillol. Sie zeigt viel statuarischer ihren Körper und in in ihrer Hand liegt etwas belanglos ein Apfel, den sie auch nicht weiter beachten will. Also hier geht es nicht um die Emotion wie bei Rodin.„Eva“ von Auguste Rodin (1881) und „Eva“ von Aristide Maillol (um 1895) SWR - Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Kurator Ulrich Luckhardt neben einem Werk von Rudolf Belling SWR - Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Auguste Rodin, der sich selbst gerne als „Wahrheitsjäger“ bezeichnete und als Erneuerer der modernen Skulptur gilt, zauberte mit seiner Art ebenso knittrig wie glatt zu modellieren, unvergleichbar Licht und Schatten auf seine Figuren. Wie kein anderer war Rodin fasziniert vom Unvollständigen, Fragmentarischen. In der Schau kann man um den „Kopf mit gebrochener Nase“, herumgehen und die Details selbst erkunden und die Geschichte dahinter erspüren. Modell war ein Hilfsarbeiter in Paris: „Er hat diesen Mann, der alles andere als schön war und entstellt war, dadurch, dass er einen schweren Nasenbeinbruch hatte dargestellt, aber in einer Art und Weise, die auch Würde gibt. Und dann ist auch noch das Missgeschick passiert, dass in einer frostigen Nacht der Tonkopf zerbrach und die Schultern abfielen. Aber Rodin hat sich entschlossen, diesen Kopf nicht zu wiederholen und zu restaurieren, sondern er hat ihn so gelassen, ohne Hinterkopf also und mit deutlichen Abbruchspuren..“ (Kurator Ulrich … SWR - Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Flächig abstrahiert hingegen ist der “Geneigte Frauenkopf” von Wilhelm Lehmbruck. Typisch für Lehmbruck ist die Anonymisierung seines Modells, die einen zurückhaltenden, melancholischen Eindruck hinterlässt.Zwei geneigte Frauenköpfe: Autorin Nathali Kurth (vorne) und der “Geneigte Frauenkopf” von Wilhelm Lehmbruck (1911, hinten) SWR - Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Mensch! SkulpturAusstellung im Kunstforum Ingelheim- Altes Rathaus 12.8. bis 21.10.2018 SWR - Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen

Fernsehbeitrag zur Eröffnung der Ausstellung:

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