Serien-Comeback

Morde in eisiger Finsternis: Jodie Foster ermittelt in neuer Staffel „True Detective“

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Karsten Umlauf
Karsten Umlauf (Foto: SWR, Keine Angabe -)
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Dominic Konrad
Marie Platzer

Vor zehn Jahren hat die Fernseh-Serie „True Detective“ das Krimi- und Detektivgenre noch einmal neu erfunden: Als abgeschlossene Geschichte mit zwei Ermittlern an einem ikonischen Ort in den USA. Nach einer langen Pause und dem Ausstieg des Serienerfinders Nic Pizzolatto ist nun die vierte Staffel auf Sky zu sehen, ganz bewusst weiblich mit einer übellaunigen Jodie Foster.

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Krimi-Comeback nach fünf Jahren

Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, da machte sich eine Fernseh-Serie daran, das Detektiv- und Krimigenre noch einmal zu erfinden: Mit seinen beiden Ermittlern Woody Harrelson und Matthew McConaughey erzählte „True Detective“ eine ziemlich heftige Serienmördergeschichte in den Sümpfen Louisianas. Mit zwei philosophierenden Cops drang die Serie tief in das Herz Amerikas vor.

Die beiden Folgestaffeln brachten jeweils an anderen Orten neue Polizistenpaare zusammen, aber die Qualität und das Zuschauerinteresse konnten mit dem Beginn nicht ganz mithalten.

Fünf Jahre nach der letzten Staffel kommt nun aber doch ein neuer „True Detective“ heraus, mit dem Untertitel „Night Country“. Geschrieben von einer Frau und mit zwei Polizistinnen in den Hauptrollen im eisigen Ambiente von Alaska. Mit dabei eine notorisch schlecht gelaunte Jodie Foster.

Filmstills zur vierten Staffel True Detective auf Sky (Foto: IMAGO, IMAGO / Landmark Media)
Oscarpreisträgerin Jodie Foster und Kali Reis ermitteln in der vierten Staffel „True Detective“ als Polizistinnen-Duo Liz Danvers und Evangeline Navarro in der tiefen Dunkelheit Alaskas. Bild in Detailansicht öffnen
Filmstills zur vierten Staffel True Detective auf Sky (Foto: IMAGO, IMAGO / Landmark Media)
Zum Anbruch der Polarnacht verschwinden in der fiktiven Kleinstadt Ennis im US-Bundesstaat Alaska acht Männer einer Forschungsstation. Wenig später werden sie tot aufgefunden – allesamt tiefgefroren und mit mysteriösen Symbolen versehen. Bild in Detailansicht öffnen
Filmstills zur vierten Staffel True Detective auf Sky (Foto: IMAGO, IMAGO / Landmark Media)
Die Detectives Liz Danvers (Foster) und Evangeline Navarro (Reis) nehmen sich des mysteriösen Falles an. Dabei kommt zu Tage, dass die Frauen eine gemeinsame, tragische Vorgeschichte verbindet. Bild in Detailansicht öffnen
Filmstills zur vierten Staffel True Detective auf Sky (Foto: IMAGO, IMAGO / Landmark Media)
Vermutet wird, dass die Minengesellschaft Silver Sky Mining etwas mit den Verbrechen zu tun haben könnte. Leah (Isabella Star LeBlanc), die Stieftochter von Liz Danver, protestiert gegen den Konzern. Bild in Detailansicht öffnen
Filmstills zur vierten Staffel True Detective auf Sky (Foto: IMAGO, IMAGO / Landmark Media)
Schauspieler John Hawkes ist in der vierten Staffel „True Detective“ als korrupter Cop zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen

Mysterien lauern in der Dunkelheit Alaskas

Es ist kurz vor Weihnachten in einer Forschungsstation im Norden Alaskas. Die Stimmung ist gelöst, als einer der Forscher plötzlich wie epileptisch zuckt. „Sie ist erwacht“, den Satz hört man im Lauf der Serie mehrmals: geraunt oder geflüstert, aber wer oder was damit gemeint ist, bleibt bis zur letzten Folge im Dunkeln.

Die Forscher sind jedenfalls kurz darauf allesamt verschwunden. Und sie werden erst nach längerer Suche im Eis gefunden, nackt und zusammengefroren zu einer Skulptur des Schreckens. Der mysteriösen Fall scheint mit einem früheren ungeklärte Mord an einer Umweltaktivistin zusammenzuhängen.

Polizeichefin Danvers (Jodie Foster) bringt das jedenfalls wieder mit ihrer früheren Kollegin Navarro (Kali Reis) zusammen, die sich beide erstmal in herzlicher Abneigung begegnen.

Filmstills zur vierten Staffel True Detective auf Sky (Foto: IMAGO, IMAGO / Landmark Media)
Die zweifache Oscar-Preisträgerin Jodie Foster tritt in ihrer ersten Fernsehrolle seit vierzig Jahren auf.

Dunkelheit ist prägendes Element der Staffel

Das Dunkel der Nacht ist das prägende Element dieser Staffel. Und natürlich die Kälte, denn sie beginnt am letzten Abend vor der monatelangen Polarnacht in der fiktiven Stadt Ennis. Das Ambiente ist wie gemacht für eine Serie, die sich im Horror- wie im Noir-Krimigenre verortet. Und die das „Night Country“ auch mit einem grandiosen Soundtrack erkundet.

Spiralförmige Symbole, geisterhafte Stimmen, Erscheinungen von Toten: Es klingt nach bekannten Zutaten eines Horrorthrillers, aber sie gehören zur spirituellen Welt der indigenen Bevölkerung Alaskas. Ihr Verhältnis zur Natur und zum Tod trifft im Alltag auf Rassismus und Umweltzerstörung. Fragen von Identität und Zugehörigkeit spalten die Familien, das betrifft auch das Verhältnis von Liz Danvers zu ihrer Tochter Leah oder zu ihrer Kollegin Navarro.

Filmstills zur vierten Staffel True Detective auf Sky (Foto: IMAGO, IMAGO / Landmark Media)
Finstere und kalte Zeiten für Ermittlerin Evangeline Navarro (Kali Reis): Die vierte Staffel aus dem „True Detective“-Universum spielt im Norden Alaskas zur Zeit der Polarnacht.

Weibliche Perspektive für erschöpftes Serienkonzept

Polizeichefin Danvers hat sich eine Art Eispanzer zugelegt aus Hartherzigkeit, Herablassung und schneidendem Ton und Jodie Foster spielt diese ältere Frau mit atemberaubender Ledrigkeit. Auch Kali Reis ist als Evangeline Navarro davon getrieben, als Frau nicht zum Opfer zu werden, sucht aber nach Mitteln und Wegen, emotional offen und verletzlich zu bleiben.

Mit ihnen hat Serienschöpferin Issa Lopez der düsteren „True Detective“-Welt eine konsequent weibliche Perspektive verpasst und das tut dem beim zuletzt recht erschöpft wirkenden Serienkonzept unheimlich gut. Das durch unzählige Genrefilme geprägte Männerbild des harten Detectives wird hier ergänzt durch nuancierte, hochinteressant gebrochene Frauenfiguren.

„True Detective: Night Country“, seit 15. Januar auf Sky Deutschland

Vor allem in Atmosphäre und Bildgestaltung erinnert die Serie stark an die ikonische erste Staffel der Reihe. Mit kältestarrenden Bildern von einsamen Menschen in Eis- oder Schneelandschaften oder winzigen Scheinwerfern in trostloser Dunkelheit.

Es sind Reflexionen auf Leben und Tod, zwischen existenzieller Verlorenheit und einem Funken Resthoffnung. Zum Bingen vielleicht nur eingeschränkt zu empfehlen, aber dennoch ein faszinierender Start in das neue Serienjahr.

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