Burkhard Kosminski verlässt das Nationaltheater Mannheim Abschied mit Theresia Walser

Am 7.6.2018 von Annette Lennartz

2006 übernahm Burkhard Kosminski die Leitung des Schauspiels im Nationaltheater Mannheim. Das erste Stück schrieb für ihn damals Theresia Walser: „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“. Es folgte eine enge Zusammenarbeit mit erfolgreichen Produktionen. Zum Abschied Kosminskis aus Mannheim hat Walser nun noch einmal ein Stück geschrieben: „Vor der Ruhe nach dem Sturm“. Ein humorvoller Schlusspunkt und eine Erkenntnis: Das Ende wird überschätzt.

Ein Publikumshit mit Fortsetzung

Wie schön, dass das erste Mannheimer Stück von Theresia Walser „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ noch einmal gezeigt wird.

Es war damals ein großer Erfolg, erinnert sich Burkhard Kosminski: „Es wird in der Premiere die hundertste Vorstellung sein. Das haben wir wahnsinnig viel gespielt. Das war ein totaler Publikumshit, und Theresia hat die Ära zusammen mit den tollen Schauspielern sehr geprägt.“

Eine Frau bereitet ihren Abgang vom Glücksschiff vor

Es ist die komische Unterhaltung von drei sehr egomanen Schauspielern. Zwei haben im Film Hitler gespielt, einer Goebbels. Nun streiten sie darüber, wie man solche Figuren auf der Bühne darstellen soll. Aber im Grunde geht es um den Theaterbetrieb an sich und um die lieben Kollegen.

Ragna Pitoll und Anke Schubert in der Abschiedsinszenierung von Burkhard Kosminski am Nationaltheater Mannheim. (Foto: Nationaltheater Mannheim - Foto: Hans Jörg Michel)
Ragna Pitoll und Anke Schubert in der Abschiedsinszenierung von Burkhard Kosminski am Nationaltheater Mannheim. Nationaltheater Mannheim - Foto: Hans Jörg Michel

Das zweite, neue Stück mit dem Titel „Vor der Ruhe nach dem Sturm“, das am Samstag direkt nach der Pause als Uraufführung gezeigt wird, lässt zwei Schauspielerinnen aufeinander prallen. Sie bereiten sich auf ihren Abgang vor. Liz spielte im Theater, Irm war Fernsehserienstar auf dem „Glücksschiff“, 36 Jahre lang.

Das weibliche Ego und die „Pimmelperspektive“

Die Dialoge sind urkomisch und traurig zugleich. Die beiden Frauen, wunderbar gespielt von Anke Schubert und Ragna Pitoll, polieren das eigene Ego, prahlen mit ihren Erfolgen, die nach dem Abgang allerdings niemanden mehr interessieren werden. Das wissen sie.

Sie reden über den Film- und Theaterbetrieb, die sogenannte „Pimmelperspektive“, die alles dominiere - aber auch über Frauen, die da mitmachen, Frauen wie sie selbst, die sich nur allzu gern von Männern anbeten lassen.

Ragna Pitoll, Ralf Dittrich und Anke Schubert bei der Aufführung von "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm" von Theresia Walser am Nationaltheater Mannheim. (Foto: Nationaltheater Mannheim - Foto: Hans Jörg Michel)
In "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm / Nach der Ruhe vor dem Sturm" spielt Ragna Pitoll die Glücksschiff-Diva Irm König, die am Ende ihrer Karriere steht. Neben ihr Ralf Dittrich als Gast und Anke Schubert als Liz Hansen. Nationaltheater Mannheim - Foto: Hans Jörg Michel

Das achte Stück von Theresia Walser für Mannheim

Es ist Theresia Walsers achtes Stück für Mannheim. Burkhard Kosminski: „Es ist als Schlussakkord auf die Zeit zu verstehen. Theresia hat für verschiedene Schauspieler Stücke geschrieben, Anke Schubert, Sven Prietz und Ragna Pitoll. Es ist letztlich eine Schauspielergeschichte, aber auch ein Schlussakkord, ein Ende.“

2006 hat Theresia Walser noch in Mannheim gelebt, aber ihre Texte erst ans Nationaltheater gegeben, als Burkhard Kosminski kam. Der Intendant erinnert sich: „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm hat sie abgegeben, weil sie hochschwanger war. Wenn sie sich jetzt das Stück anschaut, ist die Pia 12, die bei der Premiere noch im Bauch war“.

Burkhard C. Kosminski wird 2018 neuer Intendant des Schauspiels Stuttgart (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Bernd Weissbrod)
Burkhard C. Kosminski picture-alliance / dpa - Bernd Weissbrod

„Das Ende wird überschätzt“

Das Premierenstück „Vor der Ruhe, nach dem Sturm“ thematisiert immer wieder den eigenen Abgang – wie soll der aussehen? Das hat sich Theresia Walser gut ausgedacht für den scheidenden Intendanten Burkhard Kosminski. Dessen Gedanken kreisen sicher um das gleiche Thema.

Liz, die Theaterschauspielerin, weiß schon wie sie es machen wird: „Ich geh durch die Mitte.“ Gegenfrage von Irm: „Und das Ende?“ Liz: „Das Ende wird überschätzt.“

„Wechsel ist auch gut im Theater“

Burkhard Kosminiski dazu: „Das Ende wird immer überschätzt. Das sehe ich auch so. Oftmals ist Wehmut drin, im Theater ja immer ausgeprägter. Es war eine schöne Zeit. Aber das Theater geht immer weiter, und Wechsel ist auch gut im Theater.“

Aber natürlich bekommt er einen speziellen Abgang, mit einem dicken Buch über seine Jahre als Schauspielleiter und Intendant in Mannheim, in denen er junge Dramatik besonders förderte, mit 12 Hausautorinnen und Hausautoren - und über 100 Uraufführungen.

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