Mikrofasertuch (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Christin Klose)

Bambus, Mikrofaser, Baumwolle oder Schwamm

Nachhaltig Putzen mit den richtigen Tüchern

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AUTOR/IN
Sabine Schütze

Einwegtücher sind schlecht. Doch sind Mehrwegtücher automatisch nachhaltig? Und wie sinnvoll sind natürlich gewachsene Schwämme?

Mikrofaser bedeutet Mikroplastik

Vorteile: Aufgrund ihrer besonderen Struktur ziehen Mikrofasertücher Staub und Dreck nahezu magnetisch an und geben ihn auch sehr gut wieder ab. Sie selbst sind nach dem Benutzen sehr gut zu reinigen. Qualitativ hochwertige Tücher halten nahezu ewig und fusseln kaum, zumindest nicht sichtbar. Mikrofasertücher reinigen alle gängigen Oberflächen ganz ohne Chemie, also komplett ohne Putzmittel. Trocken eignen sie sich als Staubtuch. Leicht angefeuchtet machen sie alles andere gut sauber. Bei hartnäckigem Schmutz aus Fett beispielsweise ist nur wenig Reinigungsmittel nötig. Besonders sensible Flächen wie Klarlackfronten oder Brillengläser brauchen spezielle feine Mikrofasertücher.

Nachteile: Mikrofasertücher bestehen wie viele andere Textilien auch aus Chemiefasern, von denen sich bei jedem Waschgang winzige Teile herauslösen. Diese sogenannten Mikroplastik-Partikel sind inzwischen überall in der Umwelt. Schätzungen zufolge befinden sich mehr Mikrofasern in den Weltmeeren als Plankton. Und der Eintrag durch Textilien aus Acryl oder Polyester macht inzwischen einen ähnlich großen Anteil aus wie der Reifenabrieb von Autos und LKW. Offenbar hat die stetig wachsende Nachfrage nach neuen Klamotten, besonders nach Outdoor- und Sportbekleidung dafür gesorgt. Die Zahlen dazu variieren je nach Quelle. Laut BUND stammen etwa 35 Prozent des Mikroplastiks inzwischen aus synthetischen Textilien. Reifenabrieb macht 28 Prozent aus.

Tipp: Es gibt eine Untersuchung der Universität Plymouth, dass Weichspüler die Menge an Fasern vergrößert, die ans Waschwasser abgegeben werden. Auf Weichspüler zu verzichten, macht so oder so Sinn. Schließlich belasten seine chemischen Zutaten das Wasser unnötig.

Unsere Einschätzung: Mikrofasertücher sind effektiv, lange haltbar und können konsequent ohne Reinigungsmittel genutzt werden. Ob das allerdings den Mikroplastik-Nachteil wettmacht, ist fraglich.

Und was ist mit Baumwolltüchern?

Vorteile: Putzlappen aus Baumwolle verursachen kein Mikroplastik und sind ebenfalls lange haltbar. Es gibt inzwischen sogar welche aus Bio-Baumwolle. Ausrangierte, kaputte Baumwollkleidung kann als Putzlappen genutzt werden. Außerdem nähen einige Organisationen im Rahmen spezieller Projekte aus Alttextilien neue, individuelle Putzlappen.

TIPP: Alte Baumwoll-Bettwäsche kann in schmale, 2 cm breite Streifen gerissen werden und mit dicken Stricknadeln oder einer dicken Häkelnadel zu einem viereckigen Lappen verarbeitet werden.

Nachteile: Baumwolle ist empfindlich und wird deshalb oft in trockenen Regionen angebaut, in denen die Pflanzen bewässert werden müssen. Außerdem kommen häufig Pestizide zum Einsatz. Baumwolltücher nehmen zwar Schmutz gut auf, geben ihn beim Waschen aber weniger leicht wieder her. Sie behalten also eher Flecken, was sie für den Einsatz auf sensiblen Flächen schneller unbrauchbar macht.

Unsere Einschätzung: Baumwoll-Lappen sind umweltfreundlich und bleiben es auch, wenn sie mit Öko-Reiniger oder einfachen Hausmitteln zum Einsatz kommen.

Putztücher aus Bambusfasern – die Neuen

Vorteile: Bambus ist ein schnell nachwachsender Rohstoff und kommt im Gegensatz zu Baumwolle meist ohne zusätzliche Bewässerung und Spritzmittel aus. Putztücher aus Bambus ähneln in ihren Eigenschaften den Mikrofasertüchern, weil sie aus sehr feinem Garn gefertigt werden. Sie sollen auch ohne Reinigungsmittel den Schmutz ähnlich gut aufnehmen und abgeben wie Mikrofasertücher.

Nachteile: Die Bambustücher bestehen aus Viskosefasern, ein synthetisches Garn. Das wird zwar aus natürlicher Bambus-Cellulose gewonnen, aber in einem sehr aufwändigen Verfahren. Schlecht verarbeitete Tücher fusseln extrem.

Unsere Einschätzung: Das Material, aus dem Bambustücher gefertigt werden, gehört mit zu den nachhaltigsten Textilfasern. Wenn also Anbau und Herstellung umweltfreundlich waren, eine Empfehlung.

Schwammtücher aus Luffa – die Natürlichen

Die Schwammgurke ist eigentlich ein Kürbis. Der Schwamm daraus ist nichts weiter als das getrocknete Innere des Luffa. Zum Putzen quillt er im Wasser auf.

Luffa-gurke (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Moebes, J.)
Luffa-Schwammgurke Moebes, J.

Vorteile: Luffaschwämme und -tücher sind plastikfrei, sehr gut formbar und reinigen alle Oberflächen sanft und sehr gut, weil sie extrem aufnahmefähig sind. Sie sind außerdem langlebig. Und weil die Schwämme komplett natürlich sind, können sie in der Biotonne oder auf dem Kompost entsorgt werden.

Nachteile: Damit sich keine Keime bilden, müssen Luffaschwämme regelmäßig gereinigt werden. Das heißt, gut waschen und ausspülen sowie trocknen lassen. Das klappt übrigens prima im Netz in der Waschmaschine und auch im Geschirrspüler. Also eigentlich fast wie beim normalen Putzlappen.

Unsere Einschätzung: Weil sie komplett natürlich sind, sind Luffas die nachhaltigsten Putzlappen bzw. -schwämme. Und sie sind auch vielseitiger. Denn getrocknet eignet sich der Schwamm auch ganz hervorragend zum Peelen unter der Dusche.

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