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Bei 253,5 Metern liegt derzeit der Weltrekord im Skifliegen. So weit segelte im März 2017 der Österreicher Stefan Kraft. Sport erklärt fragt: wann fallen die 300 Meter? Wo liegen die Grenzen des Skifliegens?

Skispringen, Skifliegen – ein Sport mit komplexen Anforderungen. Mut, Athletik, Fluggefühl sind gefragt. Wer einmal in der Spur ist, für den gibt es kein Zurück und nur einen Weg: den nach vorne raus und nach unten.

Die Folge "Wie weit können Skispringer fliegen" sowie weitere Filme aus der Rubrik "Sport erklärt" sehen Sie auf dem YouTube-Kanal von SWR Sport.

In Bruchteilen einer Sekunde den Absprung treffen, schnell in die optimale Flugposition kommen und die so lange es geht halten, sicher landen. Am besten kurz bevor der Aufsprunghang ins Flache geht – dann ist der Sprung weit gegangen. Damit das passiert, muss alles passen. 

Es war ein weiter Weg: 30 Meter weit sprang ein Norweger Mitte des 19. Jahrhunderts, noch mit Skistöcken ausgerüstet, um die Balance zu halten. Die Schanzen wurden nach und nach immer größer. 1936 flog Bubi Bradl in Planica zum ersten Mal 100 Meter weit. Es dauert fast 61 weitere Jahre, bis die 200 Meter-Marke geknackt wurde, 1994 in Planica.

Skispringer Markus Eisenbichler im modernen V-Stil (Foto: Imago, imago)
Skispringer Markus Eisenbichler im modernen V-Stil Imago imago

Die Flugstile wechselten im Laufe von 150 Jahren, mittlerweile gilt der V-Stil als das Maß der Dinge. In der Folge mussten die Schanzen umgebaut, der flacheren und längeren Flugbahn angepasst werden. Durch Keramikspuren und Windnetze wurden die Risiken des Sports abgemildert. Um das beste Material – Anzüge, Bindungen, Schuhe – entbrennt jede Saison aufs Neue ein Kampf.

Im Kopf muss es stimmen

"Ein bisschen Dummheit gehört sicher auch dazu", sagte einst der Schweizer Skispringer Walter Steiner. Positiver gesagt: wer weniger nachdenkt, hat es leichter. Der mentale Grenzbereich wird schnell erreicht beim Skifliegen. Schon beim Blick vom Absprungbalken geht der Puls in die Höhe,  bis auf 180 Schläge pro Minute dann  in der Luft, der Adrenalinausstoß vervierfacht sich, wie bei Jetpiloten vor der Landung.

Noch schneller ist die Anfahrt, noch kürzer ist der Sekundenbruchteil, um den Absprung gut zu treffen. Am besten: der Bewegungsablauf ist automatisiert. Das ist eines der großen Probleme, wenn Athleten nach Verletzungspausen zurückkommen – in die Automation zurückzufinden.

Was ist zukünftig möglich?

Wissenschaftler des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig haben auf der Basis von Daten zu einem Flug aus dem Jahr 2009 einen Sprung auf 500 Meter simuliert. Dabei verhält sich der Springer ideal von Anfang bis Ende. Das Ergebnis erstaunt: die Kräfte, die auf den Springer wirken, bleiben nahezu gleich. Der Springer wird nur unwesentlich schneller in der Luft. Schwerkraft und Windkraft halten sich die Waage.

Die Skisprungschanze im norwegischen Vikersundbakken. Sprünge über 100 Meter sind die die Regel. Wie müssten neue Skisprungschanzen aussehen, damit Sprünge über 300 Meter möglich wären? (Foto: Imago, imago)
Die Skisprungschanze im norwegischen Vikersundbakken. Sprünge über 100 Meter sind die die Regel. Wie müssten neue Skisprungschanzen aussehen, damit Sprünge über 300 Meter möglich wären? Imago imago

Also: theoretisch können Skispringer 500 Meter weit fliegen. Aber der Sport ist komplex. Wo sind die Schanzen für solche Flüge? Derzeit gibt es sie nicht. Wenn sich ein Geldgeber fände, kann eine solche Schanze gebaut werden. Vorausgesetzt, es findet sich ein passender Hang,  der eine entsprechende Größe und Neigung besitzt.

Alles muss stimmen, wenn die Flüge weiter gehen sollen. Es wird wohl nur über kleine Schritte funktionieren. Und 500 Meter werden wohl noch sehr lange ein Hirngespinst bleiben. Zumal die Sicherheit der Athleten niemals einem "Höher, Schneller, Weiter" geopfert werden darf. 

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