Sich räumlich verkleinern und gleichzeitig nachhaltig bauen und leben, das war der Plan von Patricia. Als sie ihr großes Familienhaus verkaufte, plante sie mit Hilfe ihres Nachbarn den ökologischen Umbau ihrer alten Scheune im Garten.
12 Jahre lang lebte Patricia zusammen mit ihren fünf Kindern und ihren Eltern in einem großen Haus in dem Überlinger Ortsteil Bambergen, im Hinterland vom Bodensee. Mittlerweile sind die Kinder ausgezogen, nur sie und ihre Mutter leben noch dort. Um vor der Rente schuldenfrei zu werden, fasst sie den Plan, das Haus zu verkaufen und in die Scheune, die im hinteren Teil des Gartens liegt, zu ziehen.
Alte Scheune wird zum nachhaltigen Holzhaus
Damit braucht es keinen Bauplatz und keine zusätzliche Fläche. Außerdem soll in ihrem neuen Zuhause alles aus Holz gebaut sein, ungiftig und rückbaubar. „Wir müssen alle was für das Klima tun“, so Patricias Überzeugung. Der ökologische Fußabdruck darf nicht größer werden. Ihre Wunschvorstellung: Minimalistisch wohnen auf wenigen Quadratmetern, die alten Balken und alles, was noch gut ist an der Scheune, erhalten. Und hilfreich wäre, die Nebenkosten niedrig zu halten, wenn das Haus mal fertig ist. Da sie die Scheune hinten im Garten ohnehin nur als Abstellraum nutzt, ist der Fall eines Tages klar: Genau dort möchte sie leben.
Wie viel Energie benötigt man, um ein Haus irgendwann wieder zurückzubauen?
Patricia kommt mit ihrem Nachbarn Fred Böhm ins Gespräch. Der erfahrene Bauingenieur hat Lust mit seinen befreundeten Handwerkern ein Projekt umzusetzen, das durch und durch nachhaltig und innovativ ist. Ein Haus bauen, das sich innerhalb weniger Jahre in Sachen Energie amortisiert. Dazu gehört nicht nur die Energie, die es zum Bauen braucht, es wird auch die Energie eingerechnet, die es braucht, das Haus eines Tages wieder zurückzubauen.
Solarpanels erzeugen fünfmal so viel Strom wie benötigt
Das gehen sie an und innerhalb von vier Monaten entsteht ein Haus, das Fred als revolutionär bezeichnet. Denn die Solarpanels auf dem Dach produzieren so viel, dass sie den Energieverbrauch für das gesamte Bauprojekt innerhalb von drei Jahren wieder drin haben. Abgesehen vom Bau und Rückbau gewinnt Patricia so viel Energie über das Dach, dass sie nicht nur genug Strom für Warmwasser, Heizung und E-Bike hat, sondern noch ziemlich viel in das Netz einspeisen kann. Mit seiner 30 kW-Photovoltaikanlage produziert das Haus fünfmal mehr Strom als das, was Patricia für Warmwasser, Heizung und Hausstrom braucht.
Jedes Detail am Bau überprüfen die beiden auf Nachhaltigkeit hin. Das Holz, Douglasie und Weißtanne, kommt größtenteils aus dem Schwarzwald, ein kleiner Teil aus der Bodenseeregion. 20 Prozent des Holzes sind Altholz, 80 Prozent kamen neu dazu.
Umbau zum Solarhaus für weniger als 400.000 Euro
Es wurden keine Leime oder Lacke verwendet, das Holz nicht verklebt, sondern mit Nut und Feder auf einer Ständerkonstruktion verschraubt. Das Treppengeländer hat ein Handwerker aus übrig gebliebenem Metall zusammengeschweißt und mit Bienenwachs überzogen. Die Ziegel auf dem Dach haben sie weggelassen, die Herstellung der Ziegel hätte viel zu viel Energie verbraucht. Deshalb haben die beiden die Solarpanels direkt auf das Dach gelegt. Das geht auch, Ziegel braucht es eigentlich nicht. Die Außenfassade besteht aus einer wetterfesten Folie, die Wind und Regen abschirmt und gleichzeitig die Energie im Haus hält. Gerade im Winter spart das Heizkosten. Außerdem kamen alle Handwerker, die mitgearbeitet haben, aus der Region. Auch das war den beiden wichtig.
Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen
Aus der alten Scheune ist am Ende ein Doppelhaus entstanden. Patricia und ihre Mutter leben jeweils auf 55 Quadratmetern über zwei Etagen, ohne Keller und dementsprechend mit geringem Stauraum. Lässt man Garten und Stellplatz fürs Auto weg, hat der gesamte Bau 375.000 Euro gekostet. Das sind auf den Quadratmeter gerechnet 3.125 Euro. Für die Bodenseeregion, sagt Bauingenieur Fred, sei das günstig. Und es ist ein Haus entstanden, dessen Energiebilanz stimmt, ein echtes Vorzeigeprojekt, das zum Nachahmen animieren soll.
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Simons experimentelles Tiny House aus Lehm
Auf der Suche nach einem Lebensraum, der zu ihm passt, ist Simon selbst aktiv geworden. Ohne große Pläne, hat er mit Lehm und Kalk ein Tiny House gebaut. Dieses 14 m² kleine, kuppelförmige Lehmhaus nennt er "Flowdome".
Das Alternative Wohnen passt zu ihm. Denn Simon, aka Courtier, versteht sich selbst als Künstler, Filmemacher, Philosoph und Autor. Den Namen Courtier nutzt er immer, wenn es um seine Kunst geht: Musik, Mode und Architektur.
Der "Flowdome" ist ein Geodom aus Lehm mit einer Kalkschicht und das erste Bauwerk, das Courtier erschaffen hat. Er hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, wie der perfekte Raum für einen kreativen Menschen wie ihn aussehen könnte. Dabei war es ihm wichtig, mit nachhaltigen Materialien zu arbeiten und sich ressourcenschonend einzurichten.
Sein Tiny House aus Lehm hat Simon rund 12.000 Euro gekostet und ist auch offiziell genehmigt. Denn gebaut hat er auf dem Gelände der Zukunftswerkstatt Gemeinschaft Schloss Tempelhof bei Crailsheim. Die Gemeinschaft hat auf dem angrenzenden Tempelfeld mit Deutschlands erstem Earthship u. a. ein einzigartiges „Reallabor“ für experimentelle Bau-Projekte geschaffen. So konnte auch Simon hier mit seinem kreativen Tiny House aus Lehm experimentieren.