Foodsharing: Harry Pfau von „Harrys Bude” verteilt gerettete Lebensmittel

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AUTOR/IN
Uwe Kassai
ONLINEFASSUNG
Corinna Jähn
Porträt Corinna Jähn. (Foto: SWR)

Harry aus Stuttgart lebte 13 Jahre auf der Straße. Nach einem kalten Entzug mit vielen Freiwilligen entsteht „Harrys Bude”. Bei „Harrys Bude” werden gerettete Lebensmittel verteilt. 

Toll wäre es, wenn du so etwas wie ‚Harrys Bude‘ in jedem Stadtteil hättest in Stuttgart. 

Foodsharing: Ehrenamtliche retten und verteilen Lebensmittel 

Harry ist ehrenamtlich bei „Harrys Bude” in Stuttgart-Mitte tätig. Zu „Harrys Bude” kommen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Bedürfnisse und sozialer Herkunft und werden dort mit geretteten Lebensmitteln versorgt: „Da bekommst du alles mit. Das ist immer so ein Querschnitt aus der Gesellschaft.” Schon während der Coronazeit rettet der 62-Jährige Lebensmittel und verteilt sie. Am Ende entsteht daraus mit vielen Freiwilligen „Harrys Bude”. 

Harrys Weg in die Obdachlosigkeit 

Harry lebte selbst 13 Jahre auf der Straße. „Ich habe damals ein normales Leben geführt. Dann kamen Probleme dazu: Beziehungsprobleme, dann hatte ich Alkoholprobleme, dann kamen andere Sachen dazu. Und dann wurde ich irgendwann mal obdachlos.” Es folgt der entscheidende Schritt: „Das war dann irgendwo ein Punkt, wo ich gesagt habe: Was machst du eigentlich für einen Blödsinn? Und dann habe ich gesagt: Okay, jetzt probierst du es einmal. Und von jetzt auf einmal habe ich nichts mehr getrunken.” 

Kalter Entzug auf der Straße 

Auch nach 9 Jahren ist seine größte Angst, wieder rückfällig zu werden: „Da lachen immer viele drüber. Dann sage ich: Nee, das ist so. Weil, du musst dir dann jeden Tag sagen: Du willst es nicht. Die einfachste Droge, wo du rankommst – das ist Alkohol. Da stolperst du überall drüber.“ Mittlerweile lebt Harry in einer Wohnung, aber für ihn ist klar: „Du wirst nicht jeden retten auf der Straße. Das funktioniert nicht. Ich habe bis jetzt keinen erlebt, der freiwillig auf die Straße gegangen ist. Alle, die ich kennengelernt habe auf der Straße, da war irgendwie ein Schicksal dahinter.“  

Freundschaft ist für Harry das Wertvollste 

Durch seine Arbeit bei „Harrys Bude“ lernt er viele Menschen kennen. „Irgendwo ist das schon faszinierend, dass dir so viele Leute vertrauen. Das lernst du auch zu würdigen: Schau mal, was ist eine Freundschaft wert? Und das ist für mich zurzeit das Wertvollste, was ich habe.” 

SWR Porträt: Harry macht satt – Ex-Odachloser hilft Armen 

Mehr über Harrys bewegendes Leben, erfährst du in der ARD-Mediathek unter „SWR Portät”.

Hilfe bei Drogenmissbrauch 

Wenn du ein Drogenproblem hast oder Freunde, Bekannte, Familie - suche dir Hilfe. Du kannst du dich zum Beispiel an die Telefonseelsorge wenden: 0800-1110111 oder 0800-111 0 222.

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