Shahla musste aus dem Irak fliehen – wegen der Familie ihres Mannes

AUTOR/IN
Dauer

Als ihr Mann starb, wollte die Familie ihres Mannes Shahla wieder verheiraten: mit ihrem Schwager!

 „Ich wünsche mir eine Arbeit. Und eine kleine Wohnung.“

Shahla, 60, aus Stuttgart und Sulaimaniyya, Irak

Shahla liebt das Reisen: Sie war oft in London, Paris und Rom. Sie liebt Italien und Frankreich. Französisch hat sie sogar an der Uni studiert. Im Irak, in ihrer Heimatstadt Sulaimaniyya, führte sie ein eigenes Reisebüro. Ihr Ehemann war Künstler und Musiker, die beiden führten ein modernes, weltoffenes Leben.

Als Shahlas Mann stirbt, ändert sich alles

Doch als ihr Mann stirbt, schaltet sich dessen streng konservative Familie ein. Sie wollen Shahla neu verheiraten, mit dem Bruder ihres Mannes. Sie soll zu ihnen ziehen, sich komplett verschleiern und zu Hause bleiben.

Das ist nicht das Leben, das Shahla will. Die Situation eskaliert so weit, dass ihr Sohn sie anfleht, das Land zu verlassen, weil er fürchtet, dass die Familie Shahla umbringen wird.

Mit Visum gelingt die Flucht nach Deutschland

Dank ihrer Arbeit hat Shahla ein Visum für Deutschland. Damit kann sie fliehen und kommt hier erstmal im Nördlinger Hof unter, einer Asylunterkunft in der Nähe von Esslingen. Sie vermisst ihre Heimat, ihre Arbeit, ihre Familie.

Auch bei der Hochzeit ihres Sohnes konnte Shahla nicht dabei sein. Ihr kommen die Tränen, wenn sie die Fotos des Brautpaares auf ihrem Telefon anschaut. Die beiden leben jetzt in Shahlas früherer Wohnung in Sulaimaniyya, der Sohn führt ihr Reisebüro weiter. Wenigstens ihre Tochter kann sie regelmäßig besuchen, sie lebt in Schweden.

Geflüchtet: Am meisten vermisst Shahla ihre Kinder

Mittlerweile musste Shahla aus dem Nördlinger Hof in eine andere Unterkunft für Geflüchtete umziehen. Sie sucht noch immer nach einer Wohnung im Landkreis Esslingen, doch die Suche ist schwierig. Aber Shahla gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie sich hier ein neues Leben aufbauen kann.

AUTOR/IN
STAND