Satellit (Foto: IMAGO, Panthermedia)

50 Jahre "Grenzen des Wachstums"

Kann Technik die Welt retten?

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Das Klima retten und gleichzeitig auf nichts verzichten. Viele hoffen, dass moderne Technik unseren Lebensstandard erhalten kann. Aber geht das überhaupt?

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Schon seit gut 50 Jahren warnen Wissenschaftler davor, die Grenzen der Belastbarkeit des Planeten nicht zu überschreiten - Schluss mit Verschwendung, mit Energie- und Ressourcenverbrauch. Bei der Diskussion schwingt aber auch immer eines mit: Die Angst davor, auf Dinge verzichten zu müssen. Gleichzeitig wird die Technik wird immer effizienter und das ist eigentlich gut für die Umwelt. Aber die technische Entwicklung hat einen Haken: Die Forschung spricht vom sogenannten Rebound-Effekt.

Rebound-Effekt: Effizienter und trotzdem Energiefresser

Ein Beispiel: Automotoren verbrauchen inzwischen viel weniger Sprit als noch vor 20 Jahren. Das Problem: Die Autos sind gleichzeitig schwerer und leistungsstärker geworden. Das frisst die Einsparung auf.

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Sowas passiert oft: Unsere Kühlschränke und Fernseher werden zwar immer effizienter, aber gleichzeitig benutzen wir immer mehr Geräte. Damit steigt der Stromverbrauch trotz aller Effizienz. Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech sieht da die Politik in der Verantwortung. "Indem jetzt ein Wirtschafts- und Klimaschutzminister da ist, der den Leuten sagt: Fürchtet euch nicht, ich erhalte euren Wohlstand und gleichzeitig baue ich so viele Windkraftanlagen, dass wir eine Überlebenschance haben - das ist genau die Propaganda, die die Menschen davon abhält, endlich selbst tätig zu werden." Das sei verheerend, so Paech. Langfristig ist für ihn klar: Wir müssen weniger verbrauchen, uns mit weniger zufrieden geben - Technik allein wird uns das nicht abnehmen.

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Kann uns Schwefel in der Atmosphäre retten?

Gleichzeitig gibt es Ideen, um das 1,5- oder 2-Grad-Ziel unter Einsatz von Technik, die gleich den ganzen Planeten in den Blick nimmt, zu erreichen: Geoengeneering. Ulrike Niemeyer ist Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut in Hamburg. Ihr Forschungsgebiet: Schwefel in der Luft. Da geht es zum Beispiel um Vulkanausbrüche, aber auch um eine wahnwitzige Idee: Man könnte künstlich feinste Schwefelpartikel in die Stratosphäre bringen - so würde weniger Sonnenlicht auf die Erde gelangen. Die Hoffnung: Die Welt könnte kurzfristig um mehrere Grad heruntergekühlt werden. Die Auswirkungen sind aber unklar. Denn, so Niemeyer, die Auswirkungen einer solchen Schwefelung sind bisher nur in Computermodellen berechnet.

"Wir können gar nicht beurteilen, wie einzelne Regionen darauf reagieren, auch nicht gesellschaftlich. Das finde ich also neben diesem Eingriff in das Klima immer ganz wichtig zu betonen, dass es einfach auch gesellschaftliche Konsequenzen hat, weil wir solche Nebenwirkungen nicht bis ins Letzte vorhersagen können."

Geoengeneering als Lösung?

Geoengeneering umfasst auch andere Ideen, zum Beispiel: CO2 aus der Luft saugen und in unterirdische Kammern pumpen. Ulrike Niemeyer fürchtet mit Blick auf den immer drängenderen Klimawandel, dass solche Techniken tatsächlich zum Einstz kommen könnten.

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Dabei muss aber klar sein: Techniken wie das Schwefeln wären ein riesiger Eingriff ins Weltklima und seine Abläufe. Und auch keine einmalige Sache, warnt die Forscherin. Man müsste das immer wieder anwenden. Denn die CO2-Menge in der Luft bliebe gleich. Würde man das Schwefeln dann wieder sein lassen, würde die Temperatur auf der Welt in sehr kurzer Zeit stark ansteigen.

Fest steht auch für Ulrike Niemeyer, dass es langfristig nur einen Weg aus der Klimakrise gibt: CO2-Reduktion.

"So sehr wir uns sie alle irgendwie wünschen, DIE technische Lösung - ohne Emissionsminderung wird es einfach nicht gehen!"

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