STAND
AUTOR/IN

Schützt Vitamin D vor Sars-Cov-2 – dem neuen Coronavirus? Studien beobachten vermeintliche Zusammenhänge. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Audio herunterladen (2,6 MB | MP3)

Gleich mehrere Studien haben beobachtet: Covid-19-Patienten mit einem Vitamin D-Mangel, sind oft schwerer erkrankt. Schützt Vitamin D nach einer Infektion mit dem Sars-Cov-2-Virus gegen einen schweren Verlauf? Ganz so einfach ist es nicht: Denn die Studien haben nur beobachtet, dass Patienten mit niedrigen Vitamin D-Spiegel schwerer erkranken. Ein direkter Zusammenhang konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden.

Studien wie eine Meta-Analyse der Uni Hohenheim oder eine indonesische Studie beobachten den Vitamin D-Spiegel im Blut und stellen fest, dass bei vielen schweren Verläufen wenig Vitamin D im Blut ist. Diese Patienten sind oft älter und haben oft mindestens eine für Covid-19 relevante Vorerkrankung wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Hans-Konrad Biesalski, Studienleiter von der Uni Hohenheim, kommt dennoch zu folgendem Schluss: Weil Risikofaktoren oft mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel einhergehen, sei der ein möglicher Indikator für schwere Verläufe und die Sterberate bei einer Covid-19-Erkrankung. Der Vitamin-D-Spiegel könne auch den Verlauf der Krankheit beeinflussen, weil er das Immunsystem und Entzündungsprozesse im Körper reguliert. Biesalski empfiehlt deshalb, bei einer Corona-Erkrankung, die Vitamin-D-Versorgung zu beobachten, um Defizite schnell ausgleichen zu können.

Intensivstation (Foto: Imago, imago / ULMER Pressebildagentur)
Gerade bei schweren Covid-19-Verläufen, sollte man den Vitamin-D-Spiegel im Auge behalten. Imago imago / ULMER Pressebildagentur

Zusammenhang vielleicht zufällig

Vitamin D ist aber generell ein Indikator dafür, wie gesund ein Mensch ist. Menschen mit niedrigem Vitamin D-Spiegel haben mehr Vorerkrankungen und werden möglicherweise nur deshalb häufiger krank. Die Verbindung zwischen Covid-19 und einem Vitamin D-Mangel, hängt möglicherweise also gar nicht mit dem Vitamin D zusammen. Die beobachtete Übereinstimmung wäre dann nur zufällig.

Um den direkten Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Mangel und einer Covid-19-Erkrankung bringen zu können, müssten neue Studien durchgeführt werden. Schwer kranke Covid-19-Patienten müssten dann Vitamin D verabreicht bekommen. Gleichzeitig erhält eine Kontrollgruppe ein Placebo. Nur mit solchen Studien kann ein direkter Zusammenhang festgestellt werden.

Wer zusätzliches Vitamin D benötigt

Die wichtigste Quelle für Vitamin D ist Sonnenlicht. Trifft es auf die Haut, bildet sich das Vitamin. Wer mehrmals in der Woche einige Zeit an der frischen Luft verbringt, sollte keinen Mangel haben. Obwohl wir im Winter nur wenig Sonnenstrahlen abbekommen, hilft uns hier der Speicher, der sich im Sommer gebildet hat.

Ältere Menschen haben häufiger einen Vitamin D-Mangel und erkranken häufiger an Covid-19 als jüngere Menschen. Das heißt jedoch nicht, dass der Mangel die Erkrankung verursacht. (Foto: Imago, imago images/Arnulf Hettrich)
Ältere Menschen haben häufiger einen Vitamin D-Mangel und erkranken häufiger an Covid-19 als jüngere Menschen. Das heißt jedoch nicht, dass der Mangel die Erkrankung verursacht. Imago imago images/Arnulf Hettrich

Dabei gibt es aber Ausnahmen: Gerade bei älteren Menschen ab 65 Jahren kann die Haut das Vitamin aber nicht mehr so gut bilden und pflegebedürftige Menschen kommen eher selten an die frische Luft.

„Bei Menschen in Seniorenheimen ist der Vitamin-D-Spiegel oft verheerend niedrig. In Zeiten des Homeoffice halten sich viele Leute längere Zeit in geschlossenen Räumen auf, was auch zu einer schlechten Vitamin D Versorgung beiträgt.“

Prof. Dr. Hans-Konrad Biesalski, Ernährungsmediziner

In bestätigten Fällen kann ein Arzt deshalb auch vorsorglich Vitamin-D-Tabletten verschreiben. Immer dann, wenn wirklich ein Mangel besteht. Mit einer möglichen Wirksamkeit gegen Covid-19 hat das aber nichts zu tun. Vitamin D-Präparate sind Nahrungsergänzungsmittel, kein Medikament. Das betont auch Biesalski.

Audio herunterladen (2,6 MB | MP3)

„Vitamin D ist kein Medikament, mit dem man Covid-19-Erkrankungen heilen kann. Doch man kann damit positiv auf den Krankheitsverlauf einwirken, indem es dem Organismus ermöglicht, die Balance zwischen den pro- und anti-entzündlichen Prozessen wieder herzustellen.“

Prof. Dr. Hans-Konrad Biesalski, Ernährungsmediziner

Zu viel Vitamin D kann Nebenwirkungen haben

Generell kann man sagen, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D einen positiven Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand hat. Und eine gute körperliche Verfassung ist natürlich auch bei Covid-19 hilfreich. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass Vitamin-D-Pillen direkt gegen das Coronavirus wirksam sind.

Frau joggt durch sonnigen Herbst-Wald (Foto: Imago, imago / MiS)
Solange es die Temperaturen zulassen, sollte man ruhig auch mal mit freien Armen in die Sonne gehen. So kann der Körper selbst Vitamin D bilden. Imago imago / MiS

Zu viel Vitamin D durch Präparate kann sogar schädlich sein. Laut Robert-Koch-Institut kann eine Überdosierung zum Beispiel zu Nebenwirkungen wie Bauchkrämpfen, Erbrechen oder sogar Nierenschäden und Herzrhythmusstörungen führen. Eine Einnahme sollte deshalb von einem Arzt überwacht werden und nicht auf gut Glück erfolgen.

„Prophylaktisch sollte man sich aber viel im Freien aufhalten, auf die Ernährung achten – und spätestens bei Verdacht auf eine Infektion den Hausarzt bitten, den Vitamin-D-Spiegel zu prüfen.“

Prof. Dr. Hans-Konrad Biesalski
STAND
AUTOR/IN