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Schützt Vitamin D vor Sars-Cov-2 - dem neuem Coronanvirus? Sogar Studien beobachten vermeintliche Zusammenhänge. Warum Vitamin D wahrscheinlich trotzdem kein Mittel gegen Corona ist.

Gleich mehrere Studien haben beobachtet: Covid-19-Patienten mit einem Vitamin D-Mangel, sind oft schwerer erkrankt. Schützt Vitamin D nach einer Infektion mit dem Sars-Cov-2-Virus gegen einen schweren Verlauf? Ganz so einfach ist es nicht: Denn die Studien haben nur beobachtet, dass Patienten mit niedrigen Vitamin D-Spiegel schwerer erkranken. Ein direkter Zusammenhang konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden.

Warum Vitamin D wahrscheinlich nicht gegen Covid-19 hilft

Die bisherigen Studien wie eine aktuelle Analyse der Uni Hohenheim oder eine indonesische Studie beobachten nur den Vitamin D-Spiegel im Blut und stellen fest, dass bei vielen schweren Verläufen wenig Vitamin D im Blut ist. Die meisten Menschen haben dabei auch Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Krankheiten. Diese Patienten sind oft älter und haben oft mindestens eine für Covid-19 relevante Vorerkrankung.

Und das ist wahrscheinlich kein Zufall: So wissen Mediziner schon lange, dass Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen eher einen Vitamin-D-Mangel haben als junge Menschen. Vitamin D ist also auch eine Indikator, wie gesund ein Mensch ist. Heißt: Menschen mit niedrigem Vitamin D-Spiegel haben mehr Vorerkrankungen und werden möglicherweise nur deshalb häufiger krank. Die Verbindung zwischen Covid-19 und einem Vitamin D-Mangel, kann möglicherweise mit dem Vitamin D gar nicht zusammenhängen. Die beobachtete Übereinstimmung wäre dann nur zufällig.

Ältere Menschen haben häufiger einen Vitamin D-Mangel und erkranken häufiger an Covid-19 als jüngere Menschen. Das heißt jedoch nicht, dass der Mangel die Erkrankung verursacht. (Foto: Imago, imago images/Arnulf Hettrich)
Ältere Menschen haben häufiger einen Vitamin D-Mangel und erkranken häufiger an Covid-19 als jüngere Menschen. Das heißt jedoch nicht, dass der Mangel die Erkrankung verursacht. Imago imago images/Arnulf Hettrich

Wie neue Studie eine positiven Effekt nachweisen könnten

Um den direkten Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Mangel und einer Covid-19-Erkrankung bringen zu können, müssten neue Studie durchgeführt werden. Schwer kranke Covid-19-Patienten müssten dann Vitamin D verabreicht bekommen. Gleichzeitig erhält eine Kontrollgruppe ein Placebo. Nur mit solchen Studien kann ein direkter Zusammenhang festgestellt werden.

Warum Vitamin D-Pillen kein Medikament sind

Generell kann man sagen, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D einen positiven Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand hat. Und eine gute körperliche Verfassung ist natürlich auch bei Covid-19 hilfreich. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass Vitamin-D-Pillen als Medikament gegen das Coronavirus wirksam sind.

Zu viel Vitamin D durch Präparate kann sogar schädlich sein. Laut Robert-Koch-Institut kann eine Überdosierung zum Beispiel zu Nebenwirkungen wie Bauchkrämpfen, Erbrechen oder sogar Nierenschäden und Herzrhythmusstörungen führen.

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Wann zusätzliches Vitamin D sinnvoll ist

Wer täglich 30 Minuten draußen an der frischen Luft ist, produziert normalerweise genügend Vitamin D. Der Körper kann das Vitamin mit Sonnenlicht selbst herstellen. Gerade bei älteren Menschen ab 65 Jahren kann die Haut das Vitamin aber nicht mehr so gut bilden und pflegebedürftige Menschen kommen eher selten an die frische Luft. In Einzelfällen kann ein ein Arzt deshalb Vitamin-D-Tabletten verschreiben. Und zwar nur dann, wenn wirklich ein Mangel besteht - als Nahrungsergänzungsmittel und nicht als Medikament. Mit einer möglichen Wirksamkeit gegen Covid-19 hat das aber nichts zu tun.

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