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Ist das Corona-Infektionsrisiko im Bus wirklich höher als im eigenen Auto? Um das herauszufinden, haben die Verkehrminister der Länder mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen eine Studie herausgegeben und die Ergebnisse jetzt präsentiert. Doch leider könne man mit dieser Studie überhaupt nichts anfangen, kommentiert Veronika Simon aus der SWR Wissenschaftsredaktion.

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Der baden-württembergische Verkehrsminister spricht von wissenschaftlicher Klarheit: Der öffentliche Nahverkehr sei sicher, die Gefahr sich dort mit Corona anzustecken, sei nicht größer als auf dem Rad oder im eigenen Auto. Wie schön das wäre.

Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen

Leider ist aber von Klarheit keine Spur. Denn die Studie, die am 10 Mai von den Verkehrsministern und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vorgestellt wurde, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht viel wert. Diese Forschung ist keine.

Mit den Ergebnissen kann man einfach nichts anfangen – und das war von vornherein klar, das liegt schon am Aufbau der Studie: 340 Passagiere von Bussen und Bahnen wurden mit genauso vielen Auto- und Radfahrern verglichen. Nach 5 Wochen hat man geschaut, wie viele sich aus diesen Gruppen mit Corona angesteckt haben.

Das Infektionsrisiko ist im öffentlichen Nahverkehr, dem baden-württermbergischen Verkehrsminister zufolge, gleich groß wie mit dem von Auto- oder Radfahrern.  (Foto: Imago, imago images/ITAR-TASS)
Das Infektionsrisiko ist im öffentlichen Nahverkehr, dem baden-württermbergischen Verkehrsminister zufolge, gleich groß wie mit dem von Auto- oder Radfahrern. Imago imago images/ITAR-TASS

Deutlich zu wenige Studienteilnehmer

340 Menschen, das klingt vielleicht nicht schlecht, für eine vernünftige Statistik ist das aber viel zu wenig. Denn selbst bei einer hohen Inzidenz von beispielsweise 200 würde man nach den 5 untersuchten Wochen in beiden Gruppe nur einzelne Covid-Fälle erwarten. Bei so kleinen Zahlen kann der Zufall eine riesige Rolle spielen.

Unbekannter Ansteckungsort

Und selbst bei den Covid-Fällen, die man sieht, weiß man nach der Studie nicht, wo sie sich angesteckt haben. Im Bus? Oder doch beim Nachbarn oder in der Schule? Was sagt das über die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr aus? Nichts! Um diese Frage zu beantworten, braucht man große Studien, die vernünftig designt sind.

Anhand der Studie konnte nicht festgemacht werden, wo die Corona-Infektion stattfand – im Bus oder an einem anderen Ort.  (Foto: Imago, imago images/Sabine Gudath)
Anhand der Studie konnte nicht festgemacht werden, wo die Corona-Infektion stattfand – im Bus oder an einem anderen Ort. Imago imago images/Sabine Gudath

Keine wissenschaftlich-fundierten Ergebnisse

Was die Verkehrsministerien hier veröffentlicht haben, bringt mit Sicherheit keine "wissenschaftliche Klarheit", die der baden-württembergische Verkehrsminister so gerne hätte. Diese Studie wurde so angelegt, dass sie das gewünschte Ergebnis bringt.

Hat geklappt. Den Menschen, die jeden Tag Bus und Bahn fahren, hilft das aber kein Stück.

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