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Warum sieht man in Frankreich viel mehr Wassertürme als bei uns?

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Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Oliver Reuther)

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Industrialisierung: Stadtbewohner brauchten Trinkwasser

In Frankreich stehen ungefähr 16.000 Wassertürme – in Deutschland sind es vielleicht 2.000. Das hat zum Teil historische Gründe. Die meisten Wassertürme sind Bauwerke des 19. Jahrhunderts und sehen oft auch schön aus. Sie sind während der Industrialisierung entstanden, als die Städte gewachsen sind und es dort einen großen Bedarf an sauberem Trinkwasser gab.

Wasserturm bei Sibiril in der Bretagne: In Frankreich stehen ungefähr 16.000 Wassertürme – in Deutschland sind es vielleicht 2.000. Das hat zum Teil historische Gründe. (Foto: SWR, Candy Sauer)
Wasserturm bei Sibiril in der Bretagne: In Frankreich stehen ungefähr 16.000 Wassertürme

Die Türme haben geholfen, einen konstanten Wasserdruck in den Leitungen aufrecht zu erhalten. Das funktioniert nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren: Wenn ich Wasser von einem Punkt aus einer bestimmten Höhe durch eine Leitung herablasse, "will" das Wasser am anderen Ende der Leitung wieder diese Höhe erreichen. – Die Gebäude, in die die Leitungen münden, liegen niedriger. Deshalb steht das Wasser am Ende der Leitung – also am Wasserhahn – unter einem entsprechend konstanten Druck. Das war die Idee hinter den Wassertürmen.

Einige der Türme sind hübsch bemalt. Der Wasserturm der Gemeinde Trefffiagat in der Bretagne zum Beispiel wurde vom Künstler Frédéric Gracia mit lokalen Motiven gestaltet. Der charakteristische Phare de Croas Malo in Léchiagat ist auf der einen Seite zu sehen. (Foto: SWR, Candy Sauer)
Einige der Türme sind hübsch bemalt. Der Wasserturm der Gemeinde Trefffiagat in der Bretagne zum Beispiel wurde vom Künstler Frédéric Gracia mit lokalen Motiven gestaltet. Der charakteristische Phare de Croas Malo in Léchiagat ist auf der einen Seite zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf den Phare de Croas Malo in Léchiagat  Bretagne. Der Wanderweg GR 34, auch als Zöllnerpfad bekannt, führt durch die Gemeinde. Die weiß-rote Markierung ist auf der Steinmauer im Vordergrund zu erkennen. (Foto: SWR, Candy Sauer)
Blick auf den Phare de Croas Malo in Léchiagat / Bretagne. Der Wanderweg GR 34, auch als Zöllnerpfad bekannt, führt durch die Gemeinde. Die weiß-rote Markierung ist auf der Steinmauer im Vordergrund zu erkennen. Bild in Detailansicht öffnen
Phare de Croas Malo in Léchiagat  Bretagne (Foto: SWR, Candy Sauer)
Phare de Croas Malo in Léchiagat / Bretagne Bild in Detailansicht öffnen
Auf der anderen Seite des Wasserturms von Treffiagat ist der Menhir de Léhan zu sehen, der sich ebenfalls in der Gemeinde Treffiagat befindet. (Foto: SWR, Candy Sauer)
Auf der anderen Seite des Wasserturms von Treffiagat ist der Menhir de Léhan zu sehen, der sich ebenfalls in der Gemeinde Treffiagat befindet. Bild in Detailansicht öffnen
Menhir de Léhan (Foto: SWR, Candy Sauer)
Menhir de Léhan Bild in Detailansicht öffnen
Infotafel am Menhir de Léhan (Foto: SWR, Candy Sauer)
Infotafel am Menhir de Léhan Bild in Detailansicht öffnen
Bushaltestelle neben dem Wasserturm von Treffiagat. Auf Französisch heißt Wasserturm "Château d’Eau". (Foto: SWR, Candy Sauer)
Bushaltestelle neben dem Wasserturm von Treffiagat. Auf Französisch heißt Wasserturm "Château d’Eau". Bild in Detailansicht öffnen
Im Vergleich zum Wasserturm von Treffiagat wirkt der Turm der Gemeinde Combrit  Bretagne nüchtern und zweckdienlich. (Foto: SWR, Candy Sauer)
Im Vergleich zum Wasserturm von Treffiagat wirkt der Turm der Gemeinde Combrit / Bretagne nüchtern und zweckdienlich. Bild in Detailansicht öffnen
Dieser Wasserturm, der zwischen Tours und Saint Pierre des Corps in der Region Centre-Val de Loire liegt, wurde 2018 restauriert. Der Turm ist rund 40 Meter hoch und kein "echter" Wasserturm: Der Turm gehört der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF und dient im Brandfall der Löschwasserversorgung für deren Technikzentrum. Außerdem sind Funkmasten darauf installiert. (Foto: SWR, Candy Sauer)
Dieser Wasserturm, der zwischen Tours und Saint Pierre des Corps in der Region Centre-Val de Loire liegt, wurde 2018 restauriert. Er ist rund 40 Meter hoch und kein "echter" Wasserturm: Er gehört der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF und dient im Brandfall der Löschwasserversorgung für deren Technikzentrum. Außerdem sind Funkmasten darauf installiert. Bild in Detailansicht öffnen
Wasserturm bei Sibiril in der Bretagne: In Frankreich stehen ungefähr 16.000 Wassertürme – in Deutschland sind es vielleicht 2.000. Das hat zum Teil historische Gründe. (Foto: SWR, Candy Sauer)
Wasserturm bei Sibiril in der Bretagne: In Frankreich stehen ungefähr 16.000 Wassertürme – in Deutschland sind es vielleicht 2.000. Das hat zum Teil historische Gründe. Bild in Detailansicht öffnen

Deutsche waren Vorreiter beim neuen Erdspeicher-Verfahren

Heute kann man das aber mit elektrischen Pumpwerken einfacher und billiger lösen. Wassertürme sind aber teuer: Sie müssen instand gehalten werden, man muss sicherstellen, dass sich kein Unbefugter Zutritt verschafft, Sicherheitsvorschriften sind zu beachten. Da sind Erdbehälter mit Pumpen im Verhältnis vier bis fünf Mal günstiger. In gebirgigeren Gegenden tun es auch Wasserbehälter auf einer Anhöhe über der Stadt.

Franzosen setzten auf Türme aus Stahlbeton

Zurück zur Geschichte der Wassertürme: Die Deutschen waren Anfang des 20. Jahrhunderts Vorreiter bei diesen neuen Erdspeicher-Verfahren und sind deshalb früher auf Erdspeicher umgestiegen. Dagegen setzten die Franzosen weiter auf Wassertürme, zumal man damals mithilfe des aufkommenden Stahlbetons solche Türme relativ schnell und schlicht bauen konnte. So gibt es in Frankreich heute in der Tat mehr solcher Türme – oft sind das aber keine schönen Backsteinbauten wie bei uns, sondern diese sehr funktionalen Betonbauten.

Wasserturm in Mannheim: Die meisten Wassertürme sind Bauwerke des 19. Jahrhunderts und sehen oft sehr schön aus. Sie sind während der Industrialisierung entstanden, als die Städte gewachsen sind und es dort einen großen Bedarf an sauberem Trinkwasser gab.  (Foto: IMAGO, IMAGO / U. J. Alexander)
Wasserturm in Mannheim: Die meisten Wassertürme sind Bauwerke des 19. Jahrhunderts und sehen oft sehr schön aus.

Wassertürme dienen heute anderen Zwecken

Was den deutschen und den französischen Wassertürmen aber gemeinsam ist: Die allerwenigsten werden noch in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. Eben weil man heute andere, billigere Techniken hat. Die Wassertürme, die man heute noch sieht, stehen oft unter Denkmalschutz oder dienen einer anderen Verwendung – als Veranstaltungsort, Planetarium, Hotel, Fitnesscenter, als Fernsehturm wie auf dem Heidelberger Königstuhl oder einfach als Baudenkmal wie der bekannte Wasserturm in Mannheim.

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