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Es ist klar, dass der Text nicht in der Zeit 1200 v. Chr. geschrieben wurde, also zurzeit der Landnahme, sondern rund 600 Jahre später. Das sieht man schon allein daran, dass die Grenze Israels am Jordan lag, denn sonst würde das gar nicht nach Jericho verlagert werden. Während es in der Zeit um 1200 auch nur im Ostjordanland Stämme, nämlich Gad und Teile von Manasseh und Reuben, sodass die Außengrenze des Stämmeverbundes Israels ganz woanders lag. Es ist also ein relativ junger Text, der deutlich machen will: Dieses Land ist euch von Gott geschenkt worden. – Bei den archäologischen Grabungen um 1909 in Jericho fand man eine eingestürzte Mauer und sagte: Da sind wir bei Josua, damit haben eine absolute Datierung; das ist 1200 v. Chr. Später hat sich gezeigt, dass man sich um rund 1000 Jahre geirrt hat, denn das ist eine Mauer, die aus der Zeit 2300 v. Chr. stammt, also sehr viel älter ist.

Jericho war in der Zeit, als die Landnahme stattgefunden hat, überhaupt nicht besiedelt. Es ist ein Ort, der um 1300 v. Chr. aufgegeben wurde und dann erst wieder ab 1100 neu besiedelt wurde.

Diese Texte wollten aber auch nie historische Texte sein. Wir denken heute immer stark als Historiker. Das war bis zur Aufklärung überhaupt nicht der Fall. Gehen Sie in ein Museum und schauen sich ein Bild an, z. B. eine Geburtsgeschichte, die im 13., 14. oder 15. Jahrhundert gemalt wurde. Da haben Sie die biblische Geburtsgeschichte und dahinter eine italienische Stadt und Maria und Joseph tragen Kleider, die für die damalige Zeit in der Gegen typisch war und keine orientalische Kleidung. Die Leute haben also immer von ihrer Zeit her gedacht und nicht von der Vergangenheit her, weil sie dieses Wissen auch gar nicht mehr hatten.

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